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logie – Erzählungen über den Menschen“ in der Galerie Augarde

Kunst : Kunst von Angesicht zu Angesicht

Die Ausstellung „Trilogie – Erzählungen über den Menschen“ in der Galerie Augarde zeigt Zeichnungen und Gemälde von Angelika Ehrhard-Marschall, Ali Zülfikar und Stefan Noss.

Große dunkle Augen erzählen von der Suche nach Schutz, emotionale Geheimnisse werden offenbar, lebendig und nahbar schauen fein gezeichnete Gesichter den Betrachter an – und dazu klingen sphärische, jazzig-klassische Improvisationen durch den Raum. Galeristin Stefanie Mayer-Augarde bewies bei der Vernissage mit Musik von Josef Marschall und textlicher Einführung von Beatrice Fermor besonderes Fingerspitzengefühl. Und setzte mit ihrer Auswahl der ausstellenden Künstler zugleich ein gesellschaftliches Statement, denn vor allem der jüngst für seine Erdogan-Kritik deutschlandweit bekannte Zeichner Ali Zülfikar und die Malerin Angelika Ehrhard-Marschall thematisieren Soziales wie Flucht oder Widerstand. Auch die von Stefan Noss in expressiver, farbintensiver Mischtechnik dargestellten Seelenzustände sind lesbar als vielschichtige Reaktionen auf das Leben in der Moderne.

Dabei sind die Werke nicht schwere Kost für Kunstliebhaber, die sich allein an Abstrahierendem erfreuen, sondern eingängig. Sie sprechen jeden an, der sich für gestalterisch perfekte Bilder begeistern kann. Die Zeichnungen von Ali Zülfikar erinnern in ihrer lebensgetreuen Detailversessenheit, welche die Haut- und Haarstruktur der Porträtierten berührbar erscheinen lässt, durchaus an klassische Meister wie Dürer. Die flächige, in warmen Farben ruhende Malweise von Angelika Ehrhard-Marschall kennt Bezüge zur Ikonografie kirchlicher Kunst. Die dynamischen Collagen und Malereien des Penck-Meisterschülers Stefan Noss lassen das Temperament der Neuen Wilden durchscheinen. Ein Gang durch die Ausstellung ist allein optisch ein Genuss, auch wenn man sich nicht intellektuell mit dem Gezeigten befasst.

Doch das lohnt sich. Denn wie Beatrice Fermor vom Atelier für Sprache und Literatur in Remagen, die einführende Impulse zur Ausstellung gab, betonte: „Die Bilder sind Erzählungen davon, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.“ Zülfikar, der im Übrigen seine auf Papier oder Leinwand gebrachten Bleistiftzeichnungen niemals korrigiere, bringe in seinen Werken die tiefe Sehnsucht nach Freiheit und Gerechtigkeit zum Ausdruck. Er selbst wurde in seiner Heimat Türkei politisch verfolgt und widmete ein Porträt der „Trilogie“-Ausstellung der Dichterin Hilde Domin. Ihr Gedicht „Nicht müde werden, sondern dem Wunder, leise wie einem Vogel, die Hand hinhalten“ drücke die innere Kraft aus, die Zülfikar in den Porträts sichtbar mache.

Während bei ihm der einzelne Mensch im Fokus steht, unterstreiche Angelika Ehrhard-Marschall den Beziehungsaspekt. Oft stellt sie im aktuellen Bilderzyklus Mütter, Schwangere und Kinder dar, so dass ihre Gemälde eine Aufforderung zur Verantwortlichkeit werden. „Wie wirkt sich Flucht auf diese enge Verbindung aus?“, so bezeichnet Fermor eine Kernfrage des Schaffens, die von der eigenen Nachkriegs-Familiengeschichte der Malerin inspiriert sei. Halt gebe den verletzlichen Wesen „das filigrane Band der Liebe“ und eine Spiritualität, die im Bild an christliche Madonnendarstellungen erinnere.

Stefan Noss, der bereits mehrfach in der Galerie Augarde ausstellte, arbeite intuitiv aus dem Moment heraus. Er erzähle ein „archetypisches Panoptikum menschlicher Gefühle“ in poetischer skizzenhafter Weise. Nichts sei bei ihm festgeschrieben, alles im Fluss und spannungsgeladen. Dabei überarbeite er seine Bilder immer wieder, übermale, klebe collagenartig Fragmente hinzu, ganz anders als Zülfikar. In den Werken aller dreier Künstler sei jedoch die Präsenz des Menschlichen Leitmotiv. Wohl darum lassen sie niemanden kalt.

Am Freitag, 22. März, veranstaltet die Galerie Augarde um 19 Uhr passend zur „Trilogie“-Ausstellung eine musikalische Lesung „Vom Geheimnis der Liebe“ mit Kompositionen und Musik von Josef Marschall und Poesie aus verschiedenen Epochen, interpretiert von Beatrice Fermor.