Ludwig Probst macht die 100 voll

Ludwig Probst macht die 100 voll

GEROLSTEIN/ROCKESKYLL. Blut wird immer häufiger als rettendes Gut bei Unfällen gebraucht. Ohne freiwillige Blutspender würde das Rettungssystem zusammen brechen. Ludwig Probst aus Rockeskyll ist schon 100 Mal zum Blutspenden gegangen. Dafür wird er heute Abend ausgezeichnet – als Zweiter in der 70-jährigen Geschichte des DRK-Ortsverbands Gerolstein.

"Gott sei Dank war ich selbst noch nie in der Situation, dass ich eine Bluttransfusion brauchte. Aber bei vielen Rettungseinsätzen als Feuerwehrmann habe ich oft genug brenzlige Situationen erlebt. Diese Erfahrung motiviert mich zum regelmäßigen Blutspenden", erklärt der 56-jährige Ludwig Probst aus Rockeskyll. Wie vielen Menschen er mit den insgesamt 50 Litern Blut das Leben gerettet hat, ist für ihn völlig unwichtig. Wenn möglich, geht Probst mehrere Male im Jahr zum Blutspenden und lässt sich in knapp einer Viertelstunde einen halben Liter Blut abzapfen. Immerhin sei seine Blutgruppe "O+" mit allen anderen verträglich. Probst: Blutspende ist fast ein Ritual

"Für Blutspenden tausche ich schon mal die Schicht", berichtet der Zivilangestellte der Dauner Kaserne. Probst gewinnt der Blutspende noch einen weiteren Vorteil ab: "Es ist ja wie eine kleine Vorsorgeuntersuchung. Ein Arzt guckt nach dem Rechten, der Blutdruck wird gemessen und das Blutbild kontrolliert. Stellt sich im Nachhinein ein kritischer Wert ein, wird er sofort dem Hausarzt mitgeteilt. Was allerdings bei mir zum Glück noch nie der Fall war." Die Blutspende sei fast ein Ritual, das seit 36 Jahren zu seinem Leben gehöre. 1969 ging er in seiner Heimatgemeinde Bleialf zum ersten Mal zur Blutspende. In Gerolstein ist er seit 1979 regelmäßig dabei. Neben je einer Bronze- und Silberauszeichnung hat er schon fünf goldene Abzeichen erhalten. "Die stecke ich aber nie an, und damit will ich auch nicht am Revers fotografiert werden", sagt er bescheiden. Auch sein rechter Arm gebe kein "prickelndes Fotomotiv" ab. Die 100 Einstiche hätten keine Spuren hinterlassen. Kreis Daun liegt auf Platz zwei im Land

Bei den Blutspende-Terminen herrsche eine lockere Stimmung. Mittlerweile trifft er stets viele Bekannte in der Gerolsteiner Stadthalle. Weitere 78 Blutspender werden dort heute Abend geehrt. (siehe Extra). Über die große Anzahl der auszuzeichnenden Menschen wundert sich Franz-Josef Schneider, DRK-Blutspendereferent fürs nordwestliche Rheinland-Pfalz, nicht. Der Kelberger DRK-Referent erklärt: "Der Kreis Daun liegt mit 10,66 Prozent Blutspendern bezogen auf die Einwohnerzahl auf Platz zwei in Rheinland-Pfalz. Der Landesdurchschnitt liegt nämlich gerade mal bei 5,03 Prozent." Der Kreis Daun wird nur vom Nachbarkreis Bitburg-Prüm mit gut 12 Prozent getoppt. Die Blutspenden im Kreis Daun nehmen stetig zu: 2004 waren es mit 6853 369 mehr als im Jahr zuvor. Das macht eine Steigerung von 5,7 Prozent aus. Landesweit lag die Steigerung gerade mal bei zwei Prozent: von 201 000 auf 205 000 Spenden. Dabei werden immer mehr Blutkonserven gebraucht. Schneider: "Wir kommen kaum hinterher. Der demografische Wandel macht sich auch bei uns bemerkbar." Weil das Alter der Bevölkerung zunimmt, reduziert sich die Zahl der Spender und die Zahl der Empfänger steigt. Nur Erwachsene bis 68 Jahre dürfen zum Blutspenden gehen, Frauen maximal vier Mal und Männer sechs Mal im Jahr.