Männer und Frauen, die anderen Zeit schenken

Gerolstein/Daun · Der Soziale Service des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Landkreis Vulkaneifel begleitet in einem neuen Projekt Ehrenamtliche, die anderen Menschen Zeit schenken möchten. Der Trierische Volksfreund besuchte ein Treffen dieser sogenannten Gesellschafts-Paten.

 Die Leiterin der DRK-Sozialstation, Hedwig Lobüscher (Zweite von links), und die Ehrenamtsbeauftragte Anne Klein (Vierte von links) mit Frauen und Männern, die Zeit verschenken. TV-Foto: Brigitte Bettscheider

Die Leiterin der DRK-Sozialstation, Hedwig Lobüscher (Zweite von links), und die Ehrenamtsbeauftragte Anne Klein (Vierte von links) mit Frauen und Männern, die Zeit verschenken. TV-Foto: Brigitte Bettscheider

Gerolstein/Daun. "Mein Patenkind", erzählt Gerry Loeffen (57) aus Hörscheid, "ist ein 54-jähriger, geistig etwas zurückgebliebener Mann, der einer einfachen Arbeit nachgeht und seit dem Tod seiner Mutter allein lebt." Seit einem Vierteljahr besucht der Frührentner ihn alle zwei Wochen. Anfangs sei sein "Patenkind" ihm mit Skepsis begegnet. "Jetzt möchte er mich am liebsten gleich da behalten", sagt Loeffen.
Den Tipp, den geistig behinderten Mann in das Projekt aufzunehmen, hatte eine Mitarbeiterin der DRK-Sozialstation der Ehrenamtsbeauftragten Anne Klein gegeben. Diese wählte aus dem Kreis der Gesellschafts-Paten Gerry Loeffen als den ihrer Meinung nach am besten Geeigneten aus - "denn die Chemie muss stimmen", betont Anne Klein. Und: Der Pate wird möglichst wohnortnah eingesetzt und ist während seiner Tätigkeit unfallversichert.
15 Frauen und Männer jeden Alters und aus unterschiedlichen Lebenssituationen haben sich seit dem ersten Aufruf des DRK-Kreisverbands im September 2011 als ehrenamtliche Paten gemeldet. Im Abstand von sechs Wochen treffen sie sich mit ihrer persönlichen Ansprechpartnerin Anne Klein im DRK-Kompetenzzentrum in Gerolstein, tauschen sich über ihre Erwartungen und Erfahrungen aus und erhalten Informationen - so wie bei diesem Treffen von Hedwig Lobüscher, der Leiterin der Sozialstation des DRK.
Zur Runde der Ehrenamtlichen gehören neben Gerry Loeffen eine kürzlich verwitwete und eine eben in den Ruhestand versetzte Frau sowie eine 40-Jährige mit Hund. Und die 33-jährige Manuela Elteste aus Kerpen mit ihrer Tochter Sophie (18 Monate). "Ich möchte gemeinsam mit meinem Kind einen einsamen Menschen besuchen", sagt sie. Dafür wolle sie sich einmal in der Woche bewusst zwei Stunden Zeit nehmen.
Anderen Zeit schenken und Gleichgesinnte kennenlernen: So beschreiben Bruno Gaber (54) und Elke Artmeyer-Gaber (49) ihre Motivation, sich als ehrenamtliche Paten zur Verfügung zu stellen. Das Ehepaar war im März 2011 aus seiner früheren Wahlheimat Frankreich nach Wallenborn gezogen.
"Wir sind Aussteiger und haben Zeit zu verschenken", erzählen sie. Elke Artmeyer-Gaber spielt im Drei-Wochen-Rhythmus mit einer 93-jährigen allein lebenden Frau "Mensch ärgere dich nicht". Bruno Gaber teilt mit seinem "Patenkind", einer 65-Jährigen, die Computerleidenschaft. "Es macht uns glücklich, andere froh zu machen", bringt das Paar sein Engagement auf den Punkt. bb
Extra

Wer sich für eine ehrenamtliche Patenschaft beim DRK interessiert oder wer den kostenlosen Besuchsdienst in Anspruch nehmen möchte, meldet sich bei Anne Klein, Telefon 06591/9492035, E-Mail: kompetenzzentrum@vulkaneifel. de. bb

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