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Mal ein Rinnsal, mal ein wildes Gewässer: Anwohner klagen über Hochwasserproblematik am Bolsdorfer Bach

Mal ein Rinnsal, mal ein wildes Gewässer: Anwohner klagen über Hochwasserproblematik am Bolsdorfer Bach

Der Bolsdorfer Bach sei an manchen Tagen ein reißender Fluß, der zahlreiche Schäden verursache, sagen einige Bürger des Hillesheimer Stadtteils. Sie kritisieren, dass aus ihrer Sicht die Verwaltung nicht genug dagegen tut.

Hillesheim-Bolsdorf. Warum ist in den vergangenen zwei Jahren an manchen Tagen enorm viel Wasser durch den Bolsdorfer Bach gerauscht? Ludwig Hofmann und Herbert Brand, deren Grundstücke an das Gewässer grenzen, haben die Vermutung, dass das in Intervallen auftretende Phänomen etwas mit dem Regenwasser-Rückhaltebecken im Bolsdorfer Tälchen zu tun haben könnte.

Die Anwohner in der Straße "Im Wiesengrund" haben den TV informiert, nachdem eine Anfrage beim zuständigen Fachbereich der Verwaltung ihrer Meinung nach zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt hatte. "Wir wollten wissen, wie der Ablauf des Rückhaltebeckens gesteuert wird und ob die zunehmende Versiegelung der Böden durch die Hillesheimer Neubaugebiete der Grund für das Hochwasser ist", sagt Hofmann.

Die einzige Reaktion sei eine im Amtsblatt veröffentlichte Stellungnahme von Stadtbürgermeisters Matthias Stein gewesen, erzählt er. Tenor des Schreibens: Das Problem sei hausgemacht durch zu nahe Uferbebauung, die den Bach einenge, und die Entsorgung von Gartenabfällen.
Das sehen Hofmann und Brand anders: "Selbstverständlich gehören da keine Gartenabfälle hinein. Die Mauern und die sonstige Bebauung stehen schon seit ewigen Zeiten am Bach, doch die Schäden durch das Hochwasser haben erst in den vergangenen zwei Jahren an Intensität zugenommen."Überschwemmungen gezählt


Vier Überschwemmungen haben sie 2015 gezählt, auf bis zu zwei Meter Höhe sei der Bach angestiegen. "Gegenüber steht eine Scheune, deren Fundament teils schon unterspült ist. Die fällt eines nicht mehr so ganz fernen Tages ins Wasser", befürchtet Hofmann. Brand sorgt sich um ein Stück des Eifelsteigs, der am Bach vorbeiführt: "Die Uferböschung wird in großen Stücken abgetragen."
Stefan Mertes und Jürgen Mathar sind im Fachbereich der Verbandsgemeindeverwaltung unter anderem für Gewässer, zu denen der Bolsdorfer Bach zählt, zuständig.

Die Schäden hätten sie vor Ort begutachtet, aber eben auch festgestellt, dass gegen Richtlinien verstoßen werde. "Innerorts müssen bauliche Anlagen einen Mindestabstand von fünf Metern zum Bach einhalten", sagt Jürgen Mathar. "In Bolsdorf wird diese Regel vielfach missachtet." Zu "baulichen Anlagen" zählt die Behörde Hütten, Zäune, Brücken und Uferbefestigungen.

Auch die erwähnte Scheune, ein nicht genehmigter Bau, gehöre dazu, sagt Mathar: "All das schränkt den Bach in seiner natürlichen Entwicklung ein." Das Wasser im eingeengten Bachbett fließe so viel schneller und entwickle dann die Kraft, Böschungen abzutragen. "Immer wieder finden wir Grünabfälle wie Rasenschnitt oder Äste im Wasser", erzählt Mertes.

Die gedankenlose Entsorgung sorge für ein weiteres Problem, da der Bach teils unterirdisch durch den Ort geführt werde. "Wenn diese so genannte Verdohlung verstopft ist, sucht sich das Wasser eben einen anderen Weg - und der führt mitten durch Bolsdorf."
Auch Hillesheim habe mit dem unberechenbaren Bach zu kämpfen, sagt Mertes. Das Gewässer werde von einem Fachbüro von der Quelle bei Berndorf bis zur Mündung in die Kyll untersucht. "Ziel ist es, den Bach an möglichst vielen Stellen zu renaturieren." Die Maßnahme soll im Rahmen der "Aktion blau plus" des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums erfolgen.

Mathar und Mertes rechnen mit Kosten in Millionenhöhe. 2017 soll in der Nähe des Rückhaltebeckens im Bolsdorfer Tälchen eine naturbelassene Mulde entstehen, die den Bach entlastet. Und was ist mit der Vermutung der Bolsdorfer, am Rückhaltebecken werde eine Schleuse geöffnet, um den Bach zu fluten? "Eine Schleuse gibt es nicht", sagt Mathar. "Es handelt sich um ein Überlaufsystem."
Starkregen sei zahlreicher geworden. "Der Klimawandel ist eben auch in der Eifel angekommen", sagt Mertes.Extra

Diese kleine Brücke über den Bach ist unterspült - allerdings dürfte sie laut Vorgaben der Behörden gar nicht existieren. TV-Fotos (2): Vladi Nowakowski Foto: (e_gero )

Das Regenrückhaltebecken im Bolsdorfer Tälchen wurde nach Angaben der Verwaltung Anfang der 1980er Jahre gebaut und besteht aus drei Röhren. Sie haben einen Durchmesser von 2,60 Metern und sind jeweils 50 Meter lang. Ihr Fassungsvermögen beträgt 1000 Kubikmeter. Bei Regen wird der Schmutz vom sauberen Wasser getrennt und in die Kläranlage geführt. Ein Überlaufsystem führt dem Bolsdorfer Bach erst dann Wasser zu, wenn das Fassungsvermögen der Röhren ausgeschöpft ist. now