Manderscheider Burgenfest: Wochenendtrip ins Mittelalter

Manderscheid · Das Manderscheider Burgenfest am 26. und 27. August ist ein in der Region einzigartiges Spektakel. Historische Korrektheit steht bei Ritterturnier und Gaukelei nicht im Vordergrund.

 Haben eine große Anziehungskraft: die Ritterkämpfe beim Turnier. Foto: TV-Archiv

Haben eine große Anziehungskraft: die Ritterkämpfe beim Turnier. Foto: TV-Archiv

Foto: (m_wil )

Berufswunsch Ritter? Auf Zeit kann man sich den auf dem Manderscheider Burgenfest erfüllen. Jungs und natürlich auch Mädchen können mal ein echtes Kettenhemd ausprobieren, um zu sehen, dass allein das Rüstungstragen schon keine Leichtigkeit ist. Das ist eins der vielen Besonderheiten am Wochenende 26. und 27. August, wenn die Burgenstadt in der Eifel spielerisch das Mittelalter feiern lässt.

Immerhin 600 Ehrenamtliche von der Feuerwehr bis zur Frauengruppe machen dieses Angebot mit dem immer noch charmant familiären Flair möglich, das jährlich tausende Besucher schätzen. Was macht dieses Mittelalter-Spezial aus? Der TV gibt ein paar Hinweise:

Manderscheid hat seit 1332 Stadtrechte, wurde aber schon 973 erwähnt: Eindeutig im Mittelalter also! So alt soll auch die Oberburg sein, die aus dem 10. Jahrhundert stammt und Besitz der Erzbischöfe und zuletzt der Stadt Manderscheid wurde. Getrennt durch das Liesertal entstand ihr Gegenpart,die Niederburg, Sitz der Herren von Manderscheid und später Besitz des Eifelvereins. Sie wird ab 1133 erwähnt. Was die beiden Burgen verband? Feindschaft! Interessantes und friedfertiges Publikum gibt's jedoch zum Burgenfest allemal, denn das Mittelalter hat in der Moderne viele Freunde. Die lieben es auch, sich zumindest kleidungstechnisch in die Vergangenheit zu versetzen. Dabei versucht der eine möglichst historisch korrekt aufs Detail zu achten, während der andere Mittelalter mit Märchenhaftem oder Gruselfilm zu verwechseln scheint. Doch in Geschmacksfragen gilt Toleranz. So ist das alles kein Problem aber ein teils fast exotischer Hingucker allemal.

Tickets heißt heute, was man im Retro-Sprachstil zum Burgenfest nun Wegezoll nennt. Der Eintritt kostet für das ganze Wochenende 16 Euro für Erwachsene und fünf Euro für Jugendliche ab zwölf Jahre. Ein Tagesticket kostet zehn beziehungsweise vier Euro. Wer mittelalterlich gekleidet alias gewandet ist, zahlt sieben oder zwei Euro.
Turnierritter haben auf dem Burgenfest ihren ganz großen Auftritt. Sie sind leibhaftig im Lager der Löwenritter (mit sechs Pferden angereist) und Tomburg Ritter anzutreffen genauso wie die Falknerei zu Pferd und die sogenannten Manderscheider. Die demonstrieren nicht nur einen zeremoniellen Ritterschlag oder zeigen, was so ein Kettenhemd ausmacht, sondern kämpfen je um 14 Uhr und 21 Uhr im großen Turnier unter dem Motto "Die Rache des Drachen" hoch zu Ross gegeneinander. Großes Kino? Nein: echtes Spektakel vor aller Augen.

Einzug der Musikanten mit einer dem Anlass angemessenen zeremoniellen Festeröffnung ist samstags um 12 Uhr. Eine Stunde zuvor gab es schon die Festproklamation und die Stände des Handwerkermarktes bieten allerlei feil. Zeitgenössische Währung erwünscht! Dann soll das Wochenende vor allem eins sein: ein Spectaculum für Kinder und Erwachsene. Deshalb gesellen sich zu den Rittern auch Laternenbauer, Gewandscheider, Kinderschmied, Mandelröster und allerlei ähnliches Gefolge vom Jongleur, Gaukler, Taschenspieler, Magier und Barden bis zum Märchenerzähler. Latein muss keiner schreiben und schon gar nicht sprechen können, zumal die Aussprache naturgemäß nicht vom Hörensagen überliefert ist. Es ist ja auch keineswegs so, dass die Menschen in Manderscheid und Umgebung diese Sprache allesamt tatsächlich beherrschen. Zum Burgenfest wird sie aber gerne offiziell spielerisch reaktiviert. Vielleicht gibt's irgendwann einmal eine Urkunde zum Manderscheider Latinum, wer weiß? Zum gewünschten Genius Loci würde es passen.

Anfahrt ist nicht mit dem Ochsenkarren oder einem Vorläufer der Kutsche. Es darf schon ein Automobil sein. Die werden am Ortsrand geparkt und bevor das Fußvolk seine Zeitreise zurück ins Mittelalter beginnt, nutzt es die Annehmlichkeiten von heute: Ein kostenloser Park&Ride-Service, wie man so sagt, wird für alle Gäste angeboten. Ride? Nein, keiner muss reiten! Zu Niederburg und Turnierplatz fahren alle 15 Minuten Busse.
Leibliches Wohlergehen hängt für den Menschen auch beim Burgenfest trotz Spectaculum mit Essen und Trinken zusammen. Nun war das Mittelalter hierzulande ein Zeitalter der Hungersnöte, Kriege und Pest. Auch ein Eifeler Grundnahrungsmittel, die Kartoffel eroberte erst später Topf und Teller. Das klingt kulinarisch gesehen womöglich nach Entbehrungen während der Zeitreise. Nicht so auf dem Burgenfest. Keine Angst! Man muss sich nicht an Getreidebrei und Lieserwasser laben. Es gibt alles vom Rittertopf über heiße Chips über Käsespieße oder Schmandtaler und sogar eine Weintaverne unterhalb des Burgturms. Toiletten sind heutigen Ansprüchen angepasst, da kann einem das Mittelalter gerne gestohlen bleiben. An Sanitäranlagen haben die Veranstalter natürlich gedacht. Sie sind am Pfortenhaus und Ostturm auf der Wiese und in der Holzhütte zu finden.

Einmalig für die Epoche des Mittelalters ist ein besonders schöner Programmpunkt des Burgenfestes: "Niederburg in Flammen" nennt sich das große Brillant-Feuerwerk samstags gegen 22.15 Uhr. So etwas hätte man sich im tatsächlichen mittelalterlichen Manderscheid nie träumen lassen und wohl für schiere Hexerei gehalten! Sei's drum: Der Feuerwerker lässt sich für diese zauberhaften Minuten jedes Jahr etwas Neues einfallen, Ehrensache!
Runduminformationen zum Burgenfest am letzten Wochenende im August gibt es für alle, die zum Zeitreisenden werden wollen, nicht nur per berittenem Boten für ausgewählte Postempfänger oder gar Brieftaube sondern auch im Internet unter www. burgenfest.info. Ach ja: Handyempfang gibt es auf dem Gelände für D1 auch.

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