Markus Thielen aus Gillenfeld hat eine große Leidenschaft, die ihn quer durch Europa und noch weiter führt: das Dudelsackspielen

Freizeit : Im Schottenrock durch Europa

Markus Thielen aus Gillenfeld hat eine große Leidenschaft, die ihn quer über den Kontinent und noch weiter führt: das Dudelsackspielen. 

Was ist denn nun drunter – unterm Schottenrock? „Strümpfe und Schuhe“, sagt Markus Thielen lächelnd. Und unterm Rock? „Die Zukunft“, höre man die Schotten sagen. Kein Wunder, dass man sich die Frage immer wieder stellt bei solchen Ausflüchten. Aber dann erzählt Thielen eine Begebenheit, bei der sich die Frage von selbst beantwortet: Mit eigenen Augen habe er gesehen, dass ein waschechter Schotte seinem dringenden Bedürfnis freien Lauf ließ. „Es gibt schon noch welche, die die alte Tradition pflegen und nichts darunter tragen“, gesteht er schließlich.

Markus Thielen ist Schreinermeister und Chef eines Bestattungsinstituts in Gillenfeld und lebt für seine Leidenschaft – das Dudelsackspielen. Die Begeisterung für diese Musik habe ihn schon ein Leben lang begleitet, sagt er. Mittlerweile ist er zum Profi geworden. Seine Leidenschaft äußere sich manchmal mit Gänsehaut, selbst wenn man noch keinen Dudelsack höre oder sehe, „ich weiß, da kommt gleich was“.

Ein krasser Unterschied zum früheren Leben, war Markus Thielen doch schon mal mehrere Jahre Bassist in verschiedenen Heavy Metal Bands in Trier. Zudem betrieb er Hundesport und besitzt auch heute noch zwei französische Bulldoggen und einen Rottweiler. Außerdem ist er Harley-Davidson-Fan, mit der er oft auch unterwegs zu musikalischen Auftritten ist.

Angefangen hat alles mit einem Geschenk seiner Frau Corina. „2006 hat sie mir eine Karte für die Veranstaltung Edinburgh Military Tattoo (heute Royal Edinburgh Tattoo, siehe Extra) in Schottland geschenkt“, sagt Thielen. Und nach der Tour stand für ihn fest: „Ich will selbst spielen, jetzt oder nie“. Kurzerhand hat er sich bei den Dudeldorfer „Lion Pipes & Drums“ gemeldet. Dort wurde er unter anderem von dem Amerikaner Sean Dettmers unterrichtet, der ihn schon im darauffolgenden Jahr mitnahm zur Winterschool in Brüggen (NRW), wo er Unterricht von einem Lehrer des College of Piping aus Glasgow erhielt und eine Prüfung in Level fünf ablegte. „Das war wie ein militärischer Drill“, erzählt Thielen, der ihn aber weit gebracht habe.

Denn kurz darauf erhielt er das Angebot, bei den britischen Streitkräften in Mönchengladbach mitzuspielen und zwar in der Band Crossed Swords. Natürlich lehnte er nicht ab und fuhr fortan ein Mal im Monat am Wochenende in die Kaserne zu den Proben. Ab diesem Zeitpunkt ging es für Markus Thielen mit verschiedenen Bands, je nach Ort vor bis zu 1500 Zuschauern, quer durch Europa und bis nach Moskau. „Einmal haben wir für Putin und seine Gäste gespielt“, sagt der 51-Jährige.

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Seine Profikarriere bei den renommiertesten Bands mit rund 300 bis 600 Aktiven sei auch ein willkommener Ausgleich zu seinem eigentlichen Beruf. „Als Bestatter ist man ja immer mit traurigen Menschen zusammen.“ Aber wie passt das mit seiner häufigen Abwesenheit zusammen? „Wenn ein Sterbefall vorliegt und ich nicht da bin, springen meine Neffen für mich ein“, sagt Thielen.

Und ein Auftritt im vergangenen Jahr mit den Bläck Föös in der Lanxess Arena in Köln dürfte da ebenfalls für Abwechslung gesorgt haben. Im musikalischen Terminkalender für 2018 steht bislang jeden Monat mindestens eine Veranstaltung fest. Auch die Dudeldorfer Band kommt dabei nicht zu kurz. Inzwischen ist er Pipe Major im Verein, was bedeutet, dass er die musikalische Leitung innehat. Einen Wermutstropfen gibt es bei Markus Thielen dennoch: „Es ärgert mich, dass ich nicht schon früher damit angefangen habe.“

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