Medizinische Versorgung in der Verbandsgemeinde Daun

Kostenpflichtiger Inhalt: Medizinische Versorgung in der Eifel : 100 000 Euro für eine Praxis-Nachfolge

Wohin mit den Patienten? Die Schließung einer Hausarzt-Praxis in Daun hat zu einer Versorgungslücke geführt. Die wollen Verbandsgemeinde Daun und Kassenärztliche Vereinigung wieder schließen und locken mit einer Prämie. 

Es herrschte große Betroffenheit, als im August in Daun und Umgebung die Nachricht vom plötzlichen Tod von Johannes Reineke die Runde machte. Sozial engagiert, in der Kommunalpolitik aktiv, und einer, der als Hausarzt das Vertrauen vieler Patienten genoss.

Die nun vor der Frage standen: Wie geht es für sie mit der ärztlichen Betreuung weiter? Die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin blieb laut der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz erfolglos, so dass die Praxis zum 1. Oktober geschlossen wurde.

Womit sich die Bürgerstiftung Gesunde Verbandsgemeinde (VG) Daun aber nicht einfach abfinden will. Im Stiftungsrat wurde vor einigen Wochen über die möglichst baldige Weiterführung der Praxis Johannes Reineke beraten. Aus Sicht des Gremiums ist das Thema ärztliche Versorgung für die VG von „zentraler Bedeutung und besonderer Wichtigkeit“.

Vor diesem Hintergrund geht die VG nun einen Weg, den schon viele andere Kommunen gegangen sind: Sie nimmt Geld in die Hand, um doch noch jemanden zu finden, der die Praxis weiterführt. 40 000 Euro stellt die VG zur Verfügung, hinzu kommen bis zu 60 000 von der KV. Sollte ein Allgemeinmediziner das Angebot annehmen, verpflichtet er sich nach Erhalt des Zuschusses mindestens für die Dauer von fünf Jahren in der VG Daun zu praktizieren.Sollte es mehrere Interessenten geben, liegt es an Bürgermeister Werner Klöckner, einen Interessenten auszuwählen und einen Vertrag zu unterzeichnen. Noch muss er sich allerdings nicht den Kopf zerbrechen, denn „leider haben wir noch keine Bewerbung auf die Veröffentlichung des Angebots“, berichtet VG-Pressesprecherin Doris Sicken.

Anders als beispielsweise die VG Asbach im Kreis Neuwied. Dort wurden im vergangenen Jahr ebenfalls 100 000 Euro ausgelobt für Ärzte, die sich in der Kommune niederlassen – mit durchschlagendem Erfolg: Vier Ärzte verpflichteten sich vertraglich, in der Westerwald-VG zu praktizieren.

In der VG Daun wäre man sicher schon mit einer ernsthaften Bewerbung zufrieden, denn die Schließung der Praxis von Johannes Reineke hat Konsequenzen – auch für für die übrigen Hausärzte in Daun und Umgebung. Sie stehen vor der Herausforderung, die Lücke zu schließen. „Wir haben vor der Schließung der Praxis Reineke gut 3500 Patienten betreut“, berichtet Alois Pitzen, der mit seiner Frau und seiner Schwester eine hausärztliche Praxis in der Kreisstadt betreibt. „Nun ist der Druck immens gewachsen. Wir gehen davon aus, dass es am Ende des laufenden Quartals 3800 bis 4000 sein werden – Tendenz steigend.“

Mediziner Carsten Schnieder vom Hausärztlichen Versorgungszentrum (HVZ) in Daun hatte zum Zeitpunkt der Schließung erklärt: „Alle Praxen sind voll. Es wird also für die Betroffenen ‚ungemütlicher‘.“  Noch sei die Vulkaneifel kein medizinisches Notstandsgebiet, aber sie drohe eines zu werden. Es gebe einfach zu wenig Ärzte. In Rheinland-Pfalz müsse pro Quartal jede Hausarzt-Praxis durchschnittlich 850 Patienten versorgen.

In der Amtszeit von Horst Seehofer (CSU) als Bundesgesundheitsminister seien 6000 Studienplätze gestrichen und der Arzt im Praktikum eingeführt worden, so dass der Nachwuchs zunächst nicht in die niedergelassenen Praxen komme. „Damit haben wir noch heute zu kämpfen“, sagt Schnieder. Die Landarztquote, die helfen soll, den Mangel zu beheben, greife erst in zehn bis 15 Jahren.

Zum Thema medizinische Versorgung will die Bürgerstiftung auch Studenten unterstützen. Sechs künftige Mediziner, die an der Universität Mainz studieren, werden im Frühjahr kommenden Jahres Praktika in mehrere Praxen in Daun absolvieren. Sie bekommen von der Stiftung einen einmaligen Zuschuss von 500 Euro und ihnen wird bei der Suche nach einer Bleibe geholfen.

Die Not in der Versorgung mit Hausärzten auf dem Land ist teilweise so groß, dass Kommunen selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen – wie nun auch die Verbandsgemeinde Daun. Foto: dpa/Stephan Jansen

Die damit verbundene Hoffnung des Stiftungsrats: „Vielleicht ist einer der Studenten ja so angetan von der Region, dass er sich vorstellen kann, hier als Hausarzt zu praktizieren“, sagt Doris Sicken.

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