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Mehr als 600 Fünft- und Sechstklässler von Schulen im Landkreis Vulkaneifel und von der Astrid-Lindgren-Schule Prüm haben die Theateraufführung „Trau dich!“ im Forum Daun erlebt.

Soziales : Plädoyer für die Rechte der Kinder: „Traut euch, Grenzen zu ziehen“

Mehr als 600 Fünft- und Sechstklässler von Schulen im Landkreis Vulkaneifel und von der Astrid-Lindgren-Schule Prüm haben die Theateraufführung „Trau dich!“ im Forum Daun erlebt. Hinzu kamen Angebote für Lehrer und Eltern. Und ganz konkrete Tipps zum Umgang mit sexuellem Missbrauch.

„Trau dich!“ – so lautete der Appell, der sich als roter Faden durch die Geschichten des ebenso betitelten Theaterstücks für Kinder von acht bis zwölf Jahren zog. Gespielt wurden Situationen, in denen es um die zwiespältigen Gefühle von Kindern ging, um ihre Abgrenzung gegen Übergriffe und um den Mut, einen anderen Menschen ins Vertrauen zu ziehen.

Ob nun der zehnjährige Vladimir von seiner Oma immer noch „Purzelbäumchen“ genannt wird und Schlabberküsse bekommt. Ob die zwölfjährige Paula ihrer Freundin zu erklären versucht, dass sie sich noch nicht fürs Küssen interessiert. Oder ob der Freund von Maja deren kleiner Schwester Alina oder der Schwimmtrainer seinem Schüler Luca viel zu nahe kommen.

Das seien durchaus Beispiele aus der realen Lebenswelt von Kindern dieses Alters, betonte im Gespräch mit unserer Zeitung Anne Schmidt von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die die Initiative „Trau dich!“ im Jahr 2013 gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestartet hatte.

Seither ist das Kinder- und Jugendtheater „Kompanie Kopfstand“ bundesweit mit dem Stück unterwegs – aktuell in Rheinland-Pfalz mit Daun als einem von fünf Aufführungsorten. Die Initiative besteht neben der Theateraufführung aus weiteren Bausteinen: Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer (18 Lehrkräfte nahmen in Daun teil) sowie Informationsabende für Eltern (mehr als 100 Eltern kamen zu den beiden Veranstaltungen in Daun und Gerolstein). An der Umsetzung vor Ort waren unter anderem die pro familia Beratungsstelle Gerolstein, die Jugendämter der Kreisverwaltungen Vulkaneifel und Bitburg-Prüm, der Caritasverband (CV) Westeifel sowie die Schulsozialarbeiter beteiligt.

Dass eine so umfassende und lang andauernde Kampagne ihre Berechtigung habe, liege an den hohen (wenn auch schwierig zu beziffernden) Fallzahlen von sexuellem Missbrauch, psychischer oder physischer Misshandlung oder Verwahrlosung, erklärte Anne Schmidt. Der Leiter des Jugendamts Vulkaneifel, Bruno Willems, nannte annähernd 500 entsprechende Meldungen an seine Behörde allein in den Jahren 2015 und 2016.

Umso wichtiger sei die am vom Jugendhilfeausschuss aufgestockte Stellenzahl für den Kinderschutzdienst (siehe Info), sagte er.

Zwei zentrale Botschaften hatte das Theaterstück mit seinen vier engagierten Schauspielern, mit viel Musik und einem überdimensionalen Stück Stoff als Bühnenbild, mit Einstimmung und Einbeziehung der Fünft- und Sechstklässler. Erstens: Kinder haben Rechte.

Und zweitens: Ein schlechtes Geheimnis darf man nicht für sich behalten. „Traut euch, Grenzen zu ziehen, und vertraut euch jemandem an, wenn ihr unangenehme Situationen erlebt habt“, gab ihnen daher auch Karin Knötgen vom Kinderschutzdienst des CV Westeifel mit auf den Weg.