Mehr als nur neue Etiketten

Daun · Anders als bei der Brotfabrik, für die nach mehr als 60 Jahren Produktion in Daun im Frühjahr das endgültige Aus kam, hat ein anderes Traditionsunternehmen der Kreisstadt eine neue Chance bekommen: der Dauner Sprudel. Dort ist in den vergangenen Monaten viel passiert.

Foto: klaus kimmling (e_daun )

Daun. Bange Blicke richteten sich vor einem Jahr auf gleich zwei Traditionsunternehmen in Daun: Sowohl die Brotfabrik mit ihren damals fast 100 Beschäftigten als auch der Dauner Sprudel mit gut 30 Mitarbeitern gingen im Herbst 2014 in die Insolvenz. Die Hoffnung, für beide würden sich Interessenten für eine Übernahme finden, zerschlug sich. Am 3. Februar wurde das Aus für die Brotfabrik verkündet. Anders beim Dauner Sprudel: Beim vor 115 Jahren gegründeten Getränkeproduktionsbetrieb konnte der Insolvenzverwalter, der Dauner Rechtsanwalt Hans-Albrecht Brauer, Mitte März mitteilen, dass die Firma verkauft sei. Die neuen Besitzer: Nicole Voj aus Köln, Inhaberin einer Immobilien- und Marketingfirma, und Maximilian Westhoff aus dem hessischen Bad Nauheim.
Ein Schritt, der wohl überlegt sein wollte, denn es war kein Geheimnis, dass einige Millionen Euro nötig sein würden, um die Firma wieder wettbewerbsfähig zu machen. "Es war uns klar, dass viel zu tun ist, um den Betrieb nach oben zu bringen", sagt Nicole Voj. Seit März firmiert das Unternehmen unter dem Namen "Dauner & Dunaris Quellen GmbH & Co.KG", die Zeit danach wurde "für die Konsolidierung und Strukturierung der Firma genutzt", sagt die geschäftsführende Gesellschafterin.
Mit 21 Mitarbeitern ist sie gestartet, mittlerweile sind es 29, "plus zwei Leiharbeiter und die zwei Geschäftsführer", sagt die 47-Jährige, die seit dem Frühjahr permanent zwischen Köln und Daun pendelt. Unterstützt wird sie von ihrem Mann, der sich vor allem um die Firma in Köln kümmert. Wie groß fällt der Anteil ihrer Arbeit für Daun aus? "105 Prozent", sagt sie - mit einem Augenzwinkern.
"Es ist richtig Zug drin"


Zu den "altgedienten" Mitarbeitern gehört Johannes Lorig. Er ist seit 25 Jahren dabei, hat also die nicht einfachen Zeiten bis hin zur Insolvenz erlebt. "Vor einem Jahr hatten alle Angst um den Fortbestand der Firma und damit natürlich um den eigenen Arbeitsplatz", erzählt er. Umso froher ist er nun um die Entwicklung in den vergangenen Monaten. "Es läuft wesentlich besser als zuvor, es ist richtig Zug drin", sagt Lorig. "Ich bin zuversichtlich, was die Zukunft des Unternehmens angeht, und diesen Optimismus teilen meiner Einschätzung nach wohl alle Mitarbeiter."
Auch optisch ist einiges passiert: Die Flaschen haben neue Etiketten, das Produktionsgebäude ist saniert worden und hat einen neuen Anstrich bekommen, der Fuhrpark ist komplett neu, und derzeit wird an der Einzäunung des Betriebsgeländes gearbeitet. Warum ist das nötig? "Bei uns geht es um Lebensmittel, bei denen strenge Hygienevorschriften eingehalten werden müssen. Das können wir nur, wenn es einen kontrollierten Zugang zur Produktionsstätte gibt", erklärt die Geschäftsführerin. Außerdem gehe es darum, dass das Unternehmen im Liesertal deutlicher wahrgenommen werde als bisher. Nicole Voj: "Wir wollen eine gute Adresse sein, nach innen wie auch nach außen. Und es soll sichtbar sein, dass es aufwärtsgeht."
Die Firma baut weiter ganz auf Produkte in Glasflaschen, denn "das können wir am besten, wobei wir PET auf lange Sicht nicht völlig ausschließen." Die Marktschwerpunkte sind Rheinland-Pfalz, das Saarland, Nordrhein-Westfalen und ein Teil der Benelux-Staaten.
Es ist viel passiert seit dem Kauf der Betriebsstätte Anfang des Jahres, aber wie viel Geld investiert wurde und was der Erwerb gekostet hat, will Nicole Voj nicht preisgeben. Nur so viel: "Es sind ausschließlich Eigenmittel der Familien Voj und Westhoff."Extra

Die Dauner&Dunaris Quellen GmbH ist der kleinste der drei Mineralwasserhersteller im Vulkaneifelkreis: Der Gerolsteiner Brunnen hat rund 750 Mitarbeiter, die Nürburg-Quelle in Dreis-Brück 110. Die Geschichte der Getränkeproduktion in Daun begann vor mehr als 100 Jahren. Franz Groß erhielt die Genehmigung, die zahlreichen Quellen im Liesertal zu nutzen. Im Oktober 1900 begann die Firma "Heilquelle Vulkan". 1925 übernahmen die Dauner Familien Hommes, Groß und Schneider die Fabrik, der sie den Namen "Dauner Sprudel" gaben. Von 1979/80 bis 1999 gab es eine Zusammenarbeit mit der Königsbacher-Brauerei Koblenz. sts