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Mehr als vier Wände und warmes Wasser - Wie ein Runder Tisch im Vulkaneifelkreis Flüchtlinge einbinden will

Mehr als vier Wände und warmes Wasser - Wie ein Runder Tisch im Vulkaneifelkreis Flüchtlinge einbinden will

Der Vulkaneifelkreis rechnet für das Jahr 2015 mit 300 neuen Flüchtlingen, die ihm zugewiesen werden. Die Verwaltung hilft ihnen dabei, eine Unterkunft zu finden. Damit ist sie ausgelastet. Um die Menschen in die Gesellschaft einzubinden, soll nun ein Runder Tisch helfen.

Daun. Die Menschen entkommen Kriegen, Terror, Verfolgung, Armut. Ob in Syrien, Eritrea oder dem Kosovo. Sie haben das Ziel, auf einem unbekannten Flecken Erde ein neues, unbeschwertes Leben zu führen.
Jeden Tag hören Mitarbeiter der Kreisverwaltung Vulkaneifel die Geschichten, die Flüchtlinge erzählen - und helfen ihnen beim Neuanfang. Mitarbeiter kontaktieren die Immobilienbesitzer in der Region ab, damit die Menschen ein Dach über dem Kopf haben.
Doch der Verwaltung geht es um mehr als vier Wände, Heizung, Herd und warmes Wasser. Für Pressesprecherin Verena Bernardy ist es wichtig, die Menschen "in unserer Gesellschaft zu integrieren".Austausch zur Integration


Allein leisten könne der Kreis das nicht. Wie die Einbindung dennoch gelingen kann, damit hat sich der Kreistag in seiner Sitzung am Montag beschäftigt.
Und einen ersten Ansatz entwickelt. Künftig soll es einen Runden Tisch geben, der öffentlich stattfindet und an dem unterschiedliche Teilnehmer die Angebote für Flüchtlinge besprechen sollen: Beauftragte für Migration, helfende Organisationen, Bürger oder Mitglieder der Fraktionen des Landtags. Ein erstes Treffen gab es bereits Ende Januar.
Wie die Helfer über einen Austausch hinweg zusammenarbeiten können, soll sich in den Gesprächen ergeben. Für Landrat Heinz-Peter Thiel ist es an der Zeit, Ideen zu bündeln. Von Sprachkursen bis hin zu Möbelspenden. Zumal auf den Kreis enorme Herausforderungen warten. In diesem Jahr rechnet Thiel wegen der vielen Krisen weltweit mit einem starken Anstieg an Flüchtlingen.

Ging die Verwaltung zunächst von 200 Menschen aus, die dem Kreis Vulkaneifel 2015 zugewiesen werden, rechnet sie nun schon mit 300. Seit Jahresbeginn sind schon 75 neue Flüchtlinge in die Region gekommen. Thiel sagt: "Wir können bei Hilfsangeboten moderieren und Unterstützung leisten."

Eva Pestemer von den Grünen reicht das aber noch nicht aus. Ihr fehlt die klare Ausrichtung des Runden Tisches. "An welche Abteilung ist er angedockt?", fragt sie und vermisst so einen Ansprechpartner, der Ideen des Gremiums nach außen trägt und umsetzt.

Hildegard Slabik-Münter von den Linken forderte eine Koordinierungsstelle, die Angebote zusammenfasst und eine zentrale Telefonnummer bei Rückfragen anbiete. Viele Fragen, die am Runden Tisch noch zu klären sind.Ausgelasteter Kreis


Denn geht es darum, den Kreis bei diesen Aufgaben in die Pflicht zu nehmen, sieht Thiel diesen ausgelastet.
Erst im Herbst habe die Verwaltung eine neue Teilzeitkraft angestellt, die darum bemüht sei, den Flüchtlingen bei einer Unterkunft zu helfen.
Thiel nimmt auch die Hilfsorganisationen in die Pflicht, wenn es um die Integration geht: "Ich sehe keinen Bedarf für eine neue Stelle - und wir können auch keine neue schaffen."Meinung

Erst reden, dann bitte handeln
Was muss eine Region leisten, damit sich Flüchtlinge in ihrer neuen Heimat wohlfühlen - und nicht ausgegrenzt? Die Frage will der Vulkaneifelkreis beantworten und am Runden Tisch zunächst Hilfsangebote bündeln. Das darf nur ein erster Anfang sein. Irgendjemand muss auch das Handeln übernehmen. Über Ideen zu reden, ist wichtig. Diese zu strukturieren, bekannt zu machen und an Betroffene heranzuführen, ist noch wichtiger. f.schlecht@volksfreund.deExtra

Die Gesamtaufwendungen des Landkreises für die Flüchtlingspolitik werden für die Vulkaneifel im Jahr 2015 auf mindestens 1,2 Millionen Euro geschätzt. Der Eigenanteil des Kreises beträgt dabei gut 630 000 Euro. Die Kosten pro Asylbewerber belaufen sich auf bis zu 800 Euro monatlich im Gesamtschnitt, sagt Verena Bernardy von der Kreisverwaltung Vulkaneifel. Der Betrag setze sich zusammen aus der Miete und dem Regelsatz, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Dazu kommt das Krankengeld, das je nach Unterbringungsform und Krankheitsbild im Betrag erheblich schwanken könne. Das Land erstattet pauschal pro Person monatlich einen Betrag von 513 Euro. flor