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Mehr Arbeit für Bauern und Jäger

Mehr Arbeit für Bauern und Jäger

DAUN/BITBURG/WITTLICH. Die europäische Schweinepest (ESP) rückt wieder näher: Weil um die Fundstellen der neuen positiven Fälle bei Ahrweiler und kurz hinter der nordrhein-westfälischen Grenze ein Sicherheitsgürtel von 30 Kilometern gezogen wird, sind Teile der Eifel zum gefährdeten Bezirk erklärt worden.

Auf die Bauern und Jäger kommen demnächst wieder viel Arbeit, Ärger und Sorgen zu. Das Mainzer Umweltministerium hat den Landkreis Daun, die Verbandsgemeinde (VG) Prüm sowie die Orte Burbach, Neuheilenbach und Balesfeld aus der VG Kyllburg zum gefährdeten Gebiet erklärt. Ebenso die Landkreise Ahrweiler, Cochem-Zell und Mayen-Koblenz. Bernkastel-Wittlich bleibt vorerst außen vor. Schon im Oktober 2005 war kurz hinter der Landesgrenze, auf nordrhein-westfälischer Seite, ein infizierter Frischling tot aufgefunden worden. Daraufhin wurden zwei Gemeinden im Landkreis Daun schon in die Gefahrenzone eingebunden. Mittlerweile sind in NRW mehr als 20 Schwarzkittel positiv getestet worden, auf rheinland-pfälzischer Seite zwei bei Ahrweiler. In dem neu ausgewiesenen Gefahrengebiet gelten Maßregelungen für Jäger und Landwirte. Ende Januar soll zudem eine "tierseuchenrechtliche Anordnung" veröffentlicht werden. Schon jetzt steht fest, dass am ersten Februarwochenende im gefährdeten Bezirk Impfköder ausgebracht werden. Kurt Alexander Michael, Präsident des Landesjagdverbands, rechnet vor: "Das betrifft im Kreis Daun 214 Reviere und im Kreis Bitburg-Prüm 95. Eifelweit werden je Impfung 81 000 Köder ausgebracht." Bei sechs Aktionen pro Jahr (angedacht ist die Maßregelung für zwei Jahre) würden die Jäger fast eine Million Köder ausbringen. Unentgeltlich. Die Jäger in der Region haben darin Erfahrung. Sie haben bis Oktober 2004 etliche Wochenenden mit dem Vergraben der Köder zugebracht. Im Landkreis Daun wurde im März 2002, im Kreis Bitburg-Prüm im Oktober 2002 und im Kreis Bernkastel-Wittlich im März 2003 der letzte positive Fall registriert.Gewebeproben vorgeschrieben

Im April 2005 wurden die strikten Vorsichtsmaßnahmen aufgehoben. Jäger-Sprecher Michael: "Sobald die EU zugestimmt hat, muss erlegtes Schwarzwild aus dem ausgewiesenen Gebiet aber wieder in Wildannahmestellen gebracht werden, schätzungsweise ab Februar." Im Landkreis Daun waren auf Druck der Jägerschaft vier der fünf Annahmestellen nicht abgebaut, sondern nur stillgelegt worden. Sie werden reaktiviert. Im Kreis Bitburg-Prüm werden zwei Stellen, in Pronsfeld und Neustraßburg, in Betrieb genommen. Der Kreis Bernkastel-Wittlich wäre da schlechter aufgestellt, denn vier der fünf Stellen wurden abgebaut. Immerhin hatte der Kreis mit 95 000 Euro Unterhaltungskosten im Jahr und 180 000 Euro Baukosten ein Vielfaches der Nachbarkreise dafür aufgebracht. Seit 24. März 2005 gehören die drei Landkreise zum so genannten "Monitoring-Gebiet". Das heißt, Blut- und Gewebeproben von jedem Frischling bis 30 Kilogramm sowie von jedem tot aufgefundenen Wildschwein werden im Landesuntersuchungsamt Koblenz untersucht. Für die "gefährdeten Bezirke" gilt diese Vorschrift ab sofort für jedes erlegte Stück Schwarzwild. Für die Bauern gilt, Hausschweine müssen vor Transporten untersucht werden. Leo Blum, Präsident des Bauernverbands Rheinland-Nassau: "Wir haben große Sorgen, denn ein Ausbrechen der Schweinepest könnte für einige Betriebe das Aus bedeuten." Der Bauernfunktionär macht die Jägerschaft für das erneute Risiko verantwortlich: "Die Jäger kriegen die Wildschweinepopulation nicht in den Griff. Dann braucht man sich im natürlichen Kreislauf nicht über eine Seuche zu wundern." Jäger-Funktionär Michael hält dagegen: "Die aktuellen Abschusszahlen widerlegen diese These." In der Region Trier wurden von April bis Dezember 2005 insgesamt 11 800 Wildschweine geschossen, 2500 mehr als 2004. Und gerade die Jäger aus den beiden Eifelkreisen Daun und Bitburg-Prüm haben ihrer Verantwortung Rechnung getragen. In Daun wurden mit 750 und in Bitburg-Prüm 500 Wildschweine mehr als im Vorjahr erlegt und gerade ihre Reviere wurden jetzt zum gefährdeten Bezirk. Michael: "Die Jäger sind es ganz alleine, die was tun. Meines Erachtens wurde auf nordrhein-westfälischer Seite etwas halbherzig geimpft." Sehr vorsichtig äußert er weitere Vermutungen: "In dem Revier eines Industriellen, wo die Schweinepest ausgebrochen ist, sollen die Schwarzwildbestände sehr hoch gewesen sein. Da hätte die Veterinärbehörde des Kreises Euskirchen wohl genauer hingucken müssen."