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Mehr auf Eignung schauen

Mehr auf Eignung schauen

Mehr Chancen für Schüler, bessere Mitarbeiter für Betriebe: Der Arbeitskreis (AK) Schule/Wirtschaft der Verbandsgemeinde (VG) Hillesheim ist nun unter dem Dach der Landesarbeitsgemeinschaft. Die Mitglieder erhoffen sich dadurch weitere Fortbildungsmöglichkeiten und neue Impulse für ihre Arbeit zugunsten von Schülern und Betrieben.

Hillesheim/Wiesbaum. (vog) Zur Gründungsversammlung des 34. regionalen Arbeitskreises (AK) Schule-Wirtschaft auf Landesebene kamen 30 Besucher. Bereits seit 2005 agieren im Hillesheimer Land zwei Dutzend Teilnehmer (Eltern, Lehrer, Ausbilder) im AK Schule/Wirtschaft. Heike Bohn, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Hillesheim, sagte: "Der AK ist wichtig, um für junge Menschen neben der Schule gute berufliche Möglichkeiten zu schaffen." Mehr Weiterbildungsmöglichkeiten und neue Impulse sollen mit dem Beitritt verbunden sein.

Klare Fakten führte Nicole Hülskamp vom Forschungsinstitut der deutschen Wirtschaft (Mitglied im Bundesverband Schule/Wirtschaft) an. Die promovierte Volkswirtin zeigte auf, dass in Rheinland-Pfalz 2020 16 Prozent weniger Schüler einen Ausbildungsplatz suchen werden. Sie warnte: "Weniger Menschen bedeuten nicht automatisch geringere Arbeitslosenquoten, denn das Handicap ist die Qualifizierung."

In Rheinland-Pfalz würde jeder 13. Jugendliche die Schulausbildung abbrechen, ein Viertel aller Berufsschüler den Abschluss nicht schaffen. Weil "jeder Kopf zähle", sollte Ganztagsunterricht Pflicht und mehr Praxis in die Schule gebracht werden. Monika Buhr-Schenk, Leiterin der Hillesheimer Hauptschule, pflichtete ihr bei: "Von den 20 Schülern, die bei uns seit zwei Jahren freiwillig die Hausaufgabenbetreuung nachmittags mitmachen, haben sich bei 16 die Noten deutlich verbessert."

Eklatante Defizite bei Schülern angeprangert



Werner Maas, technischer Leiter der Firma Bilstein & Siekermann, monierte die mangelnden Mathematik-Kenntnisse der Bewerber: "Von 29 Teilnehmern beim Einstellungstest hatte die Hälfte katastrophale Ergebnisse." Buhr-Schenk sagte dazu: "Viele Schüler kommen schon mit Defiziten von der Grundschule. Wir brauchen mehr Förderlehrer."

Auf Hinweise aus dem Publikum, dass mehr nach der Eignung statt nach Interessen bei der Berufswahl geschaut werden sollte, sagte Berufsberater Arno Schmidt: "Wir machen schon zwei Jahre vor der Schulentlassung Tests, die auch die Neigungen und Talente berücksichtigen."

Dirk Hannowsky, Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft, zeigte die Fortbildungsmöglichkeiten, vor allem für Lehrer, auf. Kritisch äußerte sich Peter Steffgen, Leiter der Hillesheimer Realschule. Er sagte: "Das hört sich alles so an, als ob die Schulen versagen. Dabei vermitteln wir schon die Inhalte, aber die Schüler nehmen es nicht ernst genug. Ketzerisch könnte gesagt werden, dass demnächst die Firmen die Lehrpläne machen sollen."

Mehr Informationen unter www.schulewirtschaft.rlp.de oder im Rathaus in Hillesheim bei Günther Linnertz, Telefon 06593/801-23.