Wirtschaft: Mehr Bewusstsein für eigene Vorzüge schaffen

Wirtschaft : Mehr Bewusstsein für eigene Vorzüge schaffen

Pflege, Gastronomie, Handwerk, Industrie: Kaum eine Branche klagt nicht über zu viele Jobs und Ausbildungsplätze, die unbesetzt bleiben. Damit wird der Fachkräftemangel zum Hemmschuh für die Entwicklung der ganzen Region. Doch dagegen wird etwas getan.

Im Vergleich zu Eifelregionen, die näher an Luxemburg oder am Köln-Bonner-Raum liegen, hat es die Vulkaneifel noch gut. Die Konkurrenz um Fachkräfte ist nicht ganz so hart wie dort. Die Aussicht, insgesamt an die zweihundert Kilometer jeden Tag vom preisgünstigen Eigenheim in der Eifel  in die Ballungsräume zu pendeln, ist weder zeitlich noch finanziell betrachtet extrem verlockend. Und dennoch ist der Fachkräftemangel als eines der größten Hindernisse für Wirtschaftswachstum auch hier längst angekommen. Nicht anders ergeht es den benachbarten Moselanern. Die jeweiligen Wirtschaftsförderungsgesellschaften sind miteinander vernetzt, setzen jedoch andere Schwerpunkte beim Kampf um gute Leute.

In der Vulkaneifel konzentriert man sich derzeit vor allem auf die Schärfung des Bewusstseins junger Leute für die Stärken der heimischen Arbeitgeber und Ausbilder. „Über alle Branchen hinweg bemühen wir uns, das vorhandene gute Nachwuchspotenzial aufzuklären und auch Rückkehrer zu motivieren“, erläutert Judith Klassmann-Laux, Chefin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Vulkaneifel, die Strategie. Ein „FunkenSprüher“-Wettbewerb für schulische und studentische Arbeiten stärkt die Vernetzung mit den Betrieben: Die Ergebnisse und Studien beziehen sich konkret auf Unternehmen, die in der Region ansässig sind, und auf deren Herausforderungen. Schüler- und Studierendenexkursionen in die Firmen hinein bescheren manchen Aha-Effekt in Bezug auf so genannte „hidden champions“, die weltweit innovativ am Markt sind, aber daheim als Job-Anbieter weniger bekannt.

Als wichtigstes Element bezeichnet Klassmann-Laux die „Eifel Starter“: Online und gedruckt gibt es Erfahrungsaustausch und Tipps, die sich gezielt an Schulen und kommende Schulabsolventen wenden. „Die Lossprechungsfeiern werden immer leerer“, schildert die WFG-Geschäftsführerin die Situation. „Und dagegen wollen wir jugendgerecht über vorhandene Berufsfelder und Ausbildungswege in der Vulkaneifel informieren.“ Nicht allein die akademischen, sondern auch die „normalen“ technischen oder handwerklichen Laufbahnen sollen in den Mittelpunkt: „Da werden die meisten Nachwuchskräfte benötigt!“

Im benachbarten Kreis Cochem-Zell ist man seit vier Jahren auf ZaC, wenn es darum geht, Unternehmen für die Notwendigkeit der Fachkräftesicherung zu sensibilisieren oder junge Leute für Jobs und Ausbildungen im Landkreis zu begeistern. ZaC steht für Zukunftsallianz Cochem-Zell, ist ein Netzwerk mit derzeit mehr als 130 Partnern und zugleich eine Art Strauß gebündelter  Maßnahmen. „Es ist noch immer nicht allen Chefs klar, dass sie was tun müssen und was sie tun können“, begründet Dirk Barbye die Notwendigkeit von niedrigschwelligen Angeboten wie Unternehmerfrühstück zum Diskutieren oder Unternehmens-Checks, die Stärken und Schwächen herausarbeiten mit dem Ziel, attraktiver zu werden. „Die Veranstaltungen werden aber gut angenommen“, freut sich der Fachbereichsleiter für Kreisentwicklung und Klimaschutz über die wachsende Aufmerksamkeit für das Thema Fachkräftesicherung. Eine Modernisierungsoffensive für das Gastgewerbe hat die Leitbranche des tourismusintensivsten Kreises in Rheinland-Pfalz im Blick. „Da besteht großer Handlungsbedarf“, so Barbye.

Aber auch in Cochem-Zell gehören Maßnahmen für den beruflichen Nachwuchs zum Paket: zum Beispiel eine Kompetenzstelle Berufsbildung, die mit allen weiterführenden Schulen des Kreises kooperiert, Ausbildungsmessen oder Pflegeaktionswochen. „Laut Prognos-Studien sind wir gut aufgestellt“, sagt der Wirtschaftsförderer, „aber der Erfolg unserer Angebote ist natürlich kaum wirklich messbar. Wir können Brennpunkte identifizieren und nie in unseren Bemühungen nachlassen. Doch wir wissen sogar aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, die geeigneten Menschen herzuholen.“

Wichtig sei es, in der öffentlichen Wahrnehmung mehr zu sein als ein „Anhängsel“ des Oberzentrums Koblenz, das viele Kräfte ansaugt. „Wir müssen mehr Bewusstsein für unsere eigenen Vorzüge schaffen!“ Darin besteht das Gemeinsame beider Landkreise: Das Standortmarketing muss sichtbarer werden.

Info unter:
www.wfg-vulkaneifel.de

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