"Mehr Sozial- als Arbeitsamt"

"Mehr Sozial- als Arbeitsamt"

DAUN. Die erste Bilanz der Kreisverwaltung über die Arbeit des Jobcenters ist durchwachsen. Der Start als Modellkommune, bei dem der Kreis für Sozialhilfeempfänger und Langzeitarbeitslose alleine regelt, war holprig. Auch die Fallzahlen stiegen stärker als erwartet. Trotzdem überwiegt die Zufriedenheit über die ersten guten Vermittlungsquoten.

Der 25-seitige Bericht über die Arbeit der Jobcenters von Januar 2005 bis April 2006 ist keine einfache Kost. Erst recht nicht für die betroffenen Personen. Die Aufgaben des Jobcenters einer Modellkommune sind komplex. Ist von "Fällen" die Rede, sind so genannte "Bedarfsgemeinschaften" (BedG) gemeint und dahinter verbergen sich mehrere Personen. Im April 2006 waren 2120 BedG mit 4037 Personen (davon 1319 Kinder und Jugendliche) registriert. "Weil noch Anträge in der Bearbeitung sind oder gegen etliche Empfänger Sanktionen laufen, wurde im April Geld nur an 1786 so genannter Zahlfälle ausgezahlt", erklärt Dezernent Berthold Schmitz. Insgesamt 1 029 556 Euro für knapp 3400 Personen - komplett aus Bundesmitteln finanziert. Im Bericht, der heute im Kreistag vorgestellt wird, ist auch die Rede von Qualifizierungsmaßnahmen und Arbeitsvermittlungen - mit konkreten Zahlen belegt. Allerdings ist nicht klar, wie viele der 4037 Personen, die zu den 2120 BedG gehören, tatsächlich arbeitslos sind. Schmitz erklärt: "Die Zahlen hat die Arbeitsagentur. Bei Jobcenter sind ja nur die Langzeitarbeitslosen, also ALG-II-Empfänger, erfasst." 1778 Menschen waren im Mai im Kreis arbeitslos

Doch er kennt die genauen Zahlen. Danach waren im Mai 2006 im Kreis Daun 1778 Menschen arbeitslos. 803 bezogen ALG-I von der Arbeitsagentur, 975 Menschen fielen in die Zuständigkeit des Jobcenters. Deren Vermittlung ist nicht einfach. Schmitz erklärt: "Ohne gesonderte Qualifizierungsmaßnahmen geht es nicht. Vielen fehlen die einfachsten Schlüsselkompetenzen." Jobcenter-Chef Franz-Josef Jax fügt hinzu: "Die soziale Betreuung steht häufig vor der Vermittlung. Das Jobcenter ist mehr Sozialamt als Arbeitsamt." So wurden 2005 insgesamt 501 Personen in spezielle Qualifizierungsprojekte wie Jugendberufshilfe, EDV-Kurse oder Praktika geschickt. In den ersten vier Monaten 2006 waren es 389. 430 Langzeitarbeitslose in Vollzeitjobs vermittelt

Im vergangenen Jahr konnten 295 Langzeitarbeitslose in Arbeit (davon 178 in Vollzeitjobs) sowie 32 Jugendliche in eine Ausbildung vermittelt werden. 2006 waren es 137 in Arbeit und elf in Ausbildung. Bei etwa der Hälfte der vermittelnden Langzeitarbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt wurden Eingliederungszuschüsse gezahlt. 2005 wurden dafür insgesamt 882 904 Euro und bislang in diesem Jahr 190 816 Euro ausgegeben. Einen erheblichen Batzen machen die Kosten der Unterkunft (KdU) aus, die zu einem Viertel von den Verbandsgemeinden gezahlt werden müssen. So wurden 2005 vom Jobcenter 4,44 Millionen Euro und bis April 2006 1,76 Millionen Euro für KdU bewilligt. Jax stellt sich allerdings vor seine Leute und erklärt: "Durchschnittlich wird an jede Bedarfsgemeinschaft 250 Euro für KdU gezahlt, und das ist weniger als wir erwartet hatten. In der Ursprungskalkulation hatten wir 300 Euro angesetzt. Der Landesdurchschnitt liegt bei 294 Euro." Als "größtes Problem" nennt Jax "den extremen Anstieg der Leistungsfälle". Der sei allerdings bundesweit zu verzeichnen. Landrat Heinz Onnertz schaut zufrieden auf die bisher geleistete Arbeit. Er sagt: "Immerhin haben wir innerhalb von drei Monaten geschafft, das Jobcenter aufzubauen und die finanzielle Versorgung der Betroffenen sicherzustellen. Die neuen Aufgaben können wir schultern." Neben dem Kreis Daun gibt es mit dem Kreis Südwestpfalz nur noch eine weitere Modellkommune in Rheinland-Pfalz. Bundesweit sind es 69.

Mehr von Volksfreund