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Meinungsunterschiede in der Ring-freien Zone

Meinungsunterschiede in der Ring-freien Zone

Erstmals seit Jahren gab es auf der Internationalen Tourismus-Börse keinen Stand des Nürburgrings - für Eifel-Tourismus-Chef Klaus Schäfer "völlig unverständlich". Wirtschaftsministerin Eveline Lemke spricht von einer Verschnaufpause und kündigte an, 2014 werde es wieder eine Ring-Präsenz geben.

Berlin/Prüm. Früher war mehr Eifel! Das hätte man - frei nach Loriot - beim Anblick der 400 Quadratmeter großen Präsentation der Rheinland-Pfalz-Tourismus GmbH (RPT) bei der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) feststellen können. Erstmals seit Jahren kein Nürburgring-Stand, und statt Getränken aus dem Hause Bitburger wurde Fachbesuchern Hachenburger Pils aus dem Westerwald offeriert. Letzteres fand Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Eifel-Tourismus GmbH (ET) "absolut in Ordnung, auch wenn ich hier lieber unsere Hausmarke sähe. Aber grundsätzlich ist es gut, wenn regionale Biere als Kulturträger eingesetzt werden". Nicht anfreunden mochte sich der 42-Jährige hingegen mit dem Fehlen eines Nürburgring-Stands: "Das ist ein großer Verlust und mir völlig unverständlich. Der Ring ist eine Weltmarke und sollte die Öffentlichkeit suchen."
Das aber sah die zuständige Ministerin Eveline Lemke (48) ganz anders. "Der Nürburgring braucht eine Verschnaufpause. Ich bin froh, dass nach den vielen Turbulenzen Ruhe eingekehrt ist", erklärte die Grünen-Politikerin und kündigte an, nach dem Neuanfang werde es auf der ITB 2014 "wieder eine Ring-Präsenz am Rheinland-Pfalz-Stand geben." Diesmal wurde sie offensichtlich von vielen Automobil-affinen ITB-Besuchern vermisst, was Schäfer zur "Amtshilfe" bewog: "Das ET-Team nimmt sich der Interessenten an und notiert ihre Anliegen oder Fragen und gibt sie samt Kontaktdaten an die Ring-Kollegen weiter."
Vennbahn-Freigabe im Sommer

 Ministerin Eveline Lemke am ITB-Stand der Eifel-Tourismus GmbH (ET). Links ET-Chef Klaus Schäfer, Mitte Werner Klöckner, Aufsichtsratsvorsitzender der Rheinland-Pfalz-Tourismus GmbH (RPT). TV-Foto: Roland Morgen
Ministerin Eveline Lemke am ITB-Stand der Eifel-Tourismus GmbH (ET). Links ET-Chef Klaus Schäfer, Mitte Werner Klöckner, Aufsichtsratsvorsitzender der Rheinland-Pfalz-Tourismus GmbH (RPT). TV-Foto: Roland Morgen


Originäre Ansprechpartner waren die Eifel-Touristiker in Sachen Vennbahn und hatten auch eine relativ verbindlich Ansage parat. Der 125 Kilometer lange Bahntrassenradweg von Aachen durch das Hohe Venn nach Troisvièrges/Luxemburg werde voraussichtlich ab Sommer durchgehend befahrbar sein. Endlich. Denn die Komplett-Freigabe war bereits für Herbst 2012 geplant. Aber dann machten Fledermäuse in einem Luxemburger Tunnel und Vogelbrut auf belgischem Terrain einen Strich durch die Zeitrechnung und naturschutzrechtliche Abstimmungen und Ausweichtrassen nötig. Der Eröffnungstermin steht noch nicht konkret fest, aber der Fertigstellungsdruck ist groß: Dem rund 14,5 Millionen Euro schweren internationalen Großvorhaben wurde eine maximale Förderphasen-Verlängerung von neun Monaten gewährt. Klartext: Geld, das bis zum Ablauf dieser Frist nicht verbaut ist, wird nicht ausgezahlt.
Klaus Schäfer setzt große Hoffnungen in Europas längsten Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse: "Das wird eine ganz große Zugnummer für uns." Die Eifel kann\'s gebrauchen, nachdem 2012 die Gäste- und Übernachtungszahlen leicht zurückgegangen sind. Stetig aufwärts geht es nach Einschätzung des Cheftouristikers mit der Zufriedenheit der Eifel-Gäste: "Da können wir noch so viel Werbung, aber wenn die Leistung nicht stimmt, rächt sich das. Deshalb bin ich glücklich sagen zu können, dass Gastronomie und Hotellerie bei unserer Qualitätsoffensive engagiert mitziehen und sich der Herausforderung stellen."
Für die Bitburger Braugruppe ist das Herausforderung ITB offenbar abgehakt. Derzeit gebe es keine Pläne, noch einmal bei der Rheinland-Pfalz-Präsentation auf der weltweit größten Tourismus-Messe Flagge zu zeigen, erklärt Geschäftsführungssprecher Werner Wolf (56) auf TV-Anfrage. "Wir haben in intensiven Gesprächen mit der RPT neue inhaltliche Impulse für die seit rund 20 Jahren bestehende Zusammenarbeit gesucht, sind dabei aber leider zu keinem positiven Ergebnis gekommen. Vor diesem Hintergrund haben wir uns nach einer erneuten wirtschaftlichen Prüfung unseres Engagements entschieden, die Partnerschaft nicht fortzusetzen", so Wolf.