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Mendiger Lavakeller werden dreidimensional erfasst

Mendiger Lavakeller werden dreidimensional erfasst

Um festzustellen, welche Bereiche einsturzgefährdet sind, untersuchen Geologen die Lavakeller in Mendig. Dabei greifen sie auf eine neue Methode zurück: Mit einer digitalen Messschraube wird ein dreidimensionales Modell erstellt.

Mendig. Ein handbreiter Riss klafft in der massiven Steinsäule im Mendiger Lavakeller. Michael Rogall lässt den Strahl seiner starken Taschenlampe über den Spalt wandern, der vom Boden bis zur drei Meter hohen Felsendecke reicht. "An dieser Stelle haben wir einen unserer Messpunkte", sagt der Fachmann vom Landesamt für Geologie und Bergbau. Mithilfe einer digitalen Messschraube kann Rogall feststellen, ob sich der Spalt im Lauf der Zeit öffnet.
Rund 200 dieser Messpunkte gibt es im Lavakeller, sie alle werden regelmäßig überprüft, einige schon seit mehr als 20 Jahren. Anhand der Daten können die Geologen Schlüsse auf den Zustand der Lavakeller unterhalb der Stadt ziehen - und gegebenenfalls einsturzgefährdete Bereiche erkennen. "Es ist eine einfache Methode", sagt Rogall, "aber sie hat sich bewährt."
Wenige Millimeter Abweichung


Es ist aber auch eine Methode von gestern. Seit Anfang Juli läuft die auf fünf Jahre angelegte umfassende Untersuchung der Hohlräume, die mit einem Pilotprojekt im vergangenen Jahr getestet wurde. Nun wird nicht mehr nur an einzelnen Stellen gemessen. Jetzt werden die Hohlräume dreidimensional erfasst. "Mit dem 3-D-Scan erhalten wir ein Modell des Hohlraums", erläutert Rogall.
Die Methode ist verblüffend exakt. Beim 3-D-Scan gibt es alle zwei Millimeter einen Messpunkt. Dementsprechend liegt die Abweichung unter Tage im Millimeterbereich. Bis zur Erdoberfläche, die immerhin rund 30 Meter über der Sole des Lavakellers liegt, beträgt sie etwa zwei Zentimeter. Im Vergleich zur Methode mit den Messschrauben ist der 3-D-Scan etwa so, als könne ein Blinder plötzlich sehen. "Wir können zum Beispiel erkennen, ob sich die Decke absenkt oder ob einzelne Steine abgebrochen sind", sagt Rogall.
Das alles dient der Sicherheit der Stadt Mendig. Anhand der Veränderungen können die Geologen abschätzen, ob eine Gefährdung vorliegt, und gegebenenfalls Sicherungsmaßnahmen einleiten: vom Abstützen einsturzgefährdeter Bereiche bis hin zum Verfüllen kompletter Kammern. Auch dafür liefert der 3-D-Scan wertvolle Hinweise. "Da der Hohlraum beim Scannen ausgemessen wird, ist klar, wie viel Beton zum Verfüllen gebraucht würde", sagt Rogall.
Auf Basis des Scans können die Experten auch Karten anfertigen und sie mit der Situation über Tage abgleichen. Das ist zum Beispiel für die Stadtverwaltung wichtig, wenn es um die Ausweisung von neuen Baugebieten geht.
Viele Bereiche unzugänglich


Es liegt allerdings noch eine Menge Arbeit vor den Geologen. Bislang sind etwa 110 000 Quadratmeter an Hohlräumen kartiert worden - und damit erst gut ein Viertel der bekannten Hohlräume. "Es gibt vielleicht 400 000 Quadratmeter, die wir kartieren können", sagt Rogall. "An viele Bereiche kommen wir aber gar nicht heran." Das gesamte Kellersystem ist noch einmal doppelt so groß. Grobe Schätzungen gehen von etwa 800 000 Quadratmetern aus. Das entspricht in etwa der Fläche von 110 Fußballfeldern. Diese Fläche zu überwachen, ist eine Daueraufgabe, sagt Rogall. "Wir werden hier nie fertig."