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Mietangebote für Flüchtlinge: Meist gute Erfahrungen im Vulkaneifelkreis - Doch auch Schimmelwohnungen sind dabei

Mietangebote für Flüchtlinge: Meist gute Erfahrungen im Vulkaneifelkreis - Doch auch Schimmelwohnungen sind dabei

Der Kreis Vulkaneifel sucht weiter nach Wohnraum für Flüchtlinge, um möglichst viele Menschen dezentral unterzubringen. Der große Teil der von der Bevölkerung angebotenen Wohnungen entspricht den gängigen Standards - doch vereinzelt gibt es auch negative Erfahrungen.

Daun/Hillesheim. Am Anfang der Geschichte steht ein Brief. Die Verfasserin äußert darin ihr Unverständnis dafür, dass die Verbandsgemeinde (VG) Hillesheim den Mietvertrag für ihre Einliegerwohnung kündigt. Seit März sei dort eine albanische Familie untergebracht, die nun umziehen müsste, schreibt die Vermieterin. "Es wird dringend Wohnraum benötigt, doch die VG will die Wohnung nicht weiter bezahlen. Gründe dafür werden mir nicht genannt. Das passt doch nicht zusammen", klagt die Frau. "Drei möblierte Zimmer, Küche, Bad und Fußbodenheizung für 400 Euro, alles in bestem Zustand", sagt sie.

Ein Beschwerdebrief geht auch an die Bürgermeisterin der VG Hillesheim, Heike Bohn. "Die Wohnung ist viel zu feucht", erklärt die Verwaltungschefin, warum die Wohnung gekündigt wurde. "Da können wir keine Familie mit zwei Kindern wohnen lassen." Einige Wände seien von Schimmel befallen, ein Leben in dieser Wohnung sei "schlicht und einfach gesundheitsgefährdend", sagt Bohn.
"Wir suchen wirklich händeringend nach angemessenen Unterkünften", berichtet Verena Bernardy von der Kreisverwaltung. Dabei spielten gehobene Ansprüche keine Rolle, "doch bewohnbar müssen die Räume schon sein - und menschenwürdig."Gute Erfahrungen


Sie habe bisher gute Erfahrungen mit den Wohnungsangeboten gemacht, sagt Bernardy. "99 Prozent davon sind völlig in Ordnung, die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist bemerkenswert." Ferienhäuser, das leer stehende Elternhaus oder ungenutzte Geschäftsräume werden angemietet, um Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf zu verschaffen. Über einen längeren Zeitraum habe die Erstaufnahmeeinrichtung in Trier wöchentlich rund 20 Menschen in die Vulkaneifel geschickt, in dieser Woche habe sich diese Zahl aber praktisch verdoppelt. "Wir können nicht voraussehen, was noch auf uns zukommt und freuen uns über jedes Wohnungsangebot", sagt Verena Bernardy.

Grundsätzlich würden alle Unterkünfte im Vorfeld auf ihren Zustand überprüft. Das ist eine der Aufgaben, die Maria Gilles für das Sozialamt der VG Hillesheim übernimmt - neben der täglichen Betreuung der zumeist jungen Flüchtlinge. Auch sie kennt die eingangs erwähnte Wohnung: "Ich habe davor gewarnt", sagt sie. "Es ist aber leider dennoch ein positiver Entscheid gefallen, sehr wahrscheinlich aus der Not heraus."

Die VG hat inzwischen 20 Wohnungen für Flüchtlinge angemietet, die Maria Gilles vorher in Augenschein genommen hatte. "Alle in sehr gutem Zustand", sagt sie. Doch auch ihr seien bereits Angebote begegnet, über die sie nur den Kopf schütteln könnte: "Da waren einige desolate Häuser dabei, in denen man keinen Menschen wohnen lassen könnte."Große Unterstützung


Die Aussicht auf eine monatliche Überweisung seitens der VG hätte dabei wohl im Vordergrund gestanden - und nicht die Bereitschaft, zu helfen. "Noch ist die Unterstützung aus der Bevölkerung sehr groß", sagt Gilles. "Wir hoffen, dass das so bleibt, denn hier in der Eifel verteilt sich der Flüchtlingsstrom gut."
Klagen mag die Sozialarbeiterin nicht hören. "Nach dem Krieg hat dieses Land 14 Millionen Menschen aufgenommen, obwohl es damals ungleich ärmer war." Sie könne sich noch gut an die Zwangseinquartierungen von Flüchtlingen in Privatwohnungen erinnern. "Davon kann heute keine Rede sein."Meinung

Kontrolle funktioniert
Die Aufnahme und Integration der Flüchtlinge ist für den Kreis die wohl größte Herausforderung seit den Nachkriegsjahren. Und was bisher geschafft wurde - Hut ab! Vor allem vor den Ehrenamtlichen, die nicht lange lamentiert, sondern sich engagiert haben. Angesichts der großen Zahl an Flüchtlingen bleibt es nicht aus, dass den Verwaltungen das ein oder andere "unmoralische" Wohnungsangebot gemacht wird. Was aber nicht überrascht, denn die Not von Menschen ist immer auch ein Geschäft - und zwar ein richtig großes. Und auch wenn nun mal eine untaugliche Wohnung gemietet wurde - die Kontrolle funktioniert. Gut so, denn die Flüchtlinge haben Anspruch auf menschenwürdige Unterbringung. s.sartoris@volksfreund.deExtra

Mietwohnungen statt Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge: Nach diesem Prinzip verfährt der Kreis nach wie vor. Allerdings muss er auf die stetig wachsende Zahl der Asylbewerber reagieren. Beim Kreis geht man davon aus, in diesem Jahr rund 700 Flüchtlinge aufzunehmen, aber es ist damit zu rechnen, dass sich diese Zahl noch deutlich erhöhen könnte. Deshalb wurde beschlossen, neben den bereits bestehenden Gemeinschaftsunterkünften im Jugendzentrum in Steineberg und im Hotel Zur Reichspost in Kelberg zwei weitere einzurichten. Ab November wird eine Unterkunft in Jünkerath in Betrieb genommen, ein Altbau, der zuvor als Seniorenheim genutzt wurde. 60 Plätze entstehen dort, bei Bedarf kann bis auf 100 aufgestockt werden. Außerdem hat der Kreis einen Vertrag mit den Besitzern der Burg Kerpen unterschrieben. In dem ehemaligen Landschulheim wird ab dem 1. Dezember Platz für 15 Flüchtlinge sein, wenn erforderlich, können bis zu 36 untergebracht werden. sts