Milan und Storch durchkreuzen Windkraftpläne

Milan und Storch durchkreuzen Windkraftpläne

Die Windkraftplanung fürs Hillesheimer Land wird immer konkreter: Der Rat der Verbandsgemeinde (VG) hat eine von fünf potenziellen Eignungsflächen (bei Nohn) jetzt gestrichen: Hinter zwei weiteren (Hillesheim und Üxheim/Nohn) stehen große Fragezeichen, beim Großgebiet Kerpen/Berndorf/Üxheim/Wiesbaum soll ein dritter Gutachter für Aufklärung sorgen.

Hillesheim. Das Zuschauerinteresse an der jüngsten VG-Ratssitzung war wieder groß: Zwar nicht 50 Gäste - wie bei der ersten Vorstellung der Windkraftplanung - waren gekommen, aber immerhin noch zwei Dutzend Gäste. Da es sich dabei überwiegend um Windkraftgegner aus Nohn und Flesten handelte, herrschte nach der Präsentation weitgehend Ernüchterung. Denn es wurde aufgrund des Vogelschutzes nur die kleine potenzielle Windkraft-Eignungsfläche bei Nohn gestrichen. Bei einigen anderen Arealen wurden zwar deutliche Bedenken vorgebracht und weitere Untersuchungen in Sachen Natur- und Vogelschutz in Auftrag gegeben, die Planung mit den Flächen aber weiterverfolgt. Hier die Beschlüsse im Einzelnen:

Hillesheim (A): Die Fläche im Hillesheimer Stadtwald bleibt vorerst in der Planung. Und das, obwohl die Stadt Hillesheim dort keine WKA haben will. Sie hat das mit Rotmilan-Vorkommen und den Einwänden des Golfclubs begründet (der TV berichtete). Der sieht das Ende seiner Aktivitäten, wenn in der Nähe bis zu 200 Meter hohe Anlagen aufgestellt werden. Der VG-Rat hat das berücksichtigt und beschlossen, eine 800-Meter-Pufferzone um den Golfplatz als wichtiger touristischer Einrichtung zu ziehen. Dort dürfen keine WKA aufgestellt werden. Wenn diese Regelung auch juristisch Bestand hat, bedeutet das das Aus von WKA-Planungen für den gesamten Hillesheimer Stadtwald. Denn dann würde das Areal auf weniger als 40 Hektar reduzieren. Und dies wurde als Mindestgröße für eine Windpark-Fläche beschlossen, um eine Verspargelung der Landschaft zu verhindern.

Berndorf, Kerpen, Wiesbaum, Üxheim (B1, B2, C1): Für das Großgebiet hat der Rat eine weitergehende Untersuchung beschlossen und dazu einen dritten Gutachter beauftragt.
Reinhold Hierlmeier vom Büro BGH-Plan aus Trier, das neben Hillesheim auch die Windkraftplanung an der Oberen Kyll und in Gerolstein macht, sagte wieso: "Seit drei Jahren untersucht ein Büro aus Dortmund in Auftrag einer Windkraftfirma den Artenschutz in diesem Gebiet. Deren Aussagen liegen aber weit von denen der Gegenseite entfernt - des Vereins Sturm im Wald."

Wiesbaum (C2): Die kleine Fläche auf Wiesbaumer Gemarkung soll Teil eines großen Windpark mit der Gemeinde Dollendorf (NRW) werden. Da jedoch auch hier Rotmilan-Horste verzeichnet sind, soll eine tiefergehende Untersuchung Klärung herbeiführen.

Üxheim/Nohn (F): Der Bereich "Mordhügel", der rund 31 Hektar groß ist, bleibt vorerst weiter als Eignungsfläche in der Planung. Gemeinsam mit sieben Hektar auf der angrenzenden Seite der VG Adenau (Ortsgemeinde Trierscheid) reicht das zwar noch nicht für die Mindestgröße von 40 Hektar aus. Da die VG Adenau aber noch nicht entschieden hat, wo sie welche Flächen ausweisen will, soll erst nach diesem Beschluss endgültig gesagt werden, was mit der Nohner Fläche passiert. Solange wird an ihr festgehalten.

Nohn (H): Fallengelassen wurde die Fläche östlich von Nohn - wegen Rotmilan- und Schwarzstorch-Vorkommen.Meinung

Gerichtsverfahren sind absehbar
Es ist absehbar, dass neben der kleinen Nohner Fläche weitere Areale von der Windkraftkarte gestrichen werden. Ob dazu allerdings auch der Hillesheimer Stadtwald zählen wird, wie von der Stadt gewünscht, ist ungewiss. Erst muss die Schutzzone um den Golfplatz, die alle weiteren WKA-Planungen durchkreuzen würde, auch vor Gericht Bestand haben. Denn so ganz klaglos werden die Windkraftbetreiber dies wohl nicht hinnehmen. m.huebner@volksfreund.deExtra

Bürgermeisterin Heike Bohn (parteilos): "Mit dem Thema Windkraft ist bei uns viel Streit und Stress verbunden. Eine Lösung, die allen gerecht wird, werden wir nie finden. Für uns geht es darum, eine rechtlich einwandfreie Planung auf die Beine zu stellen." Willi Thielen aus Flesten vom Verein "Sturm im Wald": "Wir sind gegen jede Windkraftanlage im Wald. Die Eingriffe in die Natur und aufs Landschaftsbild sind zu massiv. Die Leute wissen gar nicht, was auf sie zukommt angesichts 200 Meter hoher Anlagen. Falls die Dinger stehen, wird es große Aufschreie geben. Doch dann ist es zu spät." Bernhard Jüngling, CDU-Fraktionssprecher im VG-Rat Hillesheim und Ortsbürgermeister von Nohn: "Wenn wir die Nohner Gebiete herausnehmen, könnte es passieren, dass auf Adenauer Seite Anlagen gebaut werden und es bei uns dann nicht mehr möglich ist." Planer Reinhold Hierlmeier: "Das Land sieht keine Ersatzaufforstungen für WKA im Wald vor, wenn es im Kreis mehr als 35 Prozent Waldfläche gibt. Und das ist in der Vulkaneifel der Fall." Jakob Blum (CDU): "Wir sollten die Flächen an der geplanten A1-Trasse für Windkraftanlagen nutzen." mhExtra