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Millionen für die Rückkehr zur Natur

Millionen für die Rückkehr zur Natur

Millionenschweres Naturschutzvorhaben: Die Verbandsgemeinde Hillesheim will einen Antrag auf Fördermittel für die Renaturierung des Hillesheimer Baches und des Rudersbaches in Kerpen stellen. Die Kosten der Maßnahmen werden mit insgesamt rund 3,5 Millionen Euro angegeben, 90 Prozent davon fördert das Land Rheinland-Pfalz.

Hillesheim. Wird dem Antrag auf Fördermittel durch die Aktion Blau Plus des Umweltministeriums stattgegeben, könnte sich das gewohnte Bild in der Ortsmitte von Hillesheim, Kerpen und Bolsdorf in naher Zukunft stark verändern. Denn die Bäche sollen nicht nur außerhalb der Orte aus dem engen Korsett, in das sie gezwängt wurden, befreit werden. Sie sollen auch dort, wo es möglich ist, in den Orten selbst fließen - oberirdisch - und überdies der Bevölkerung zugänglich gemacht werden.
Projektdauer noch ungewiss


Mit der Erstellung des Gewässerentwicklungskonzeptes für den Hillesheimer Bach wurde das Ingenieurbüro Reihsner aus Wittlich beauftragt, das auch federführend am Umbau des Kyllufers in Gerolstein beteiligt ist - das Konzept für den Rudersbach hat das Planungsbüro Hömme aus Pölich entworfen.
Beide Projekte seien förderungswürdig, betonen Sebastian Reihsner und sein Kollege Elmar Gatzen, die ihre Planungsentwürfe den Räten vorstellen. "Es ist wichtig, die Anträge fristgemäß zu stellen, auch weil die Hochwasservorfälle der vergangenen Wochen es mit sich bringen, dass die Förderung verstärkt nachgefragt ist." Je früher ein Antrag vorliege, desto eher könnten die Projekte verwirklicht werden.
Welchen Zeitraum die Renaturierung der Bäche einnehme, ließe sich heute aber nicht sagen, sagen beide Ingenieure. Der Hillesheimer Bach wurde von der Quelle bis zur Mündung in fünf Bauabschnitte unterteilt, unter anderem soll im Bolsdorfer Tälchen ein Rückhaltebecken mit einem Volumen von 10 800 Kubikmetern entstehen. Den Rudersbach hat das Planungsbüro in drei Bereiche unterteilt.
Während der erste Bereich fast perfekt sei und "kaum einer Sanierung bedarf, sind innerhalb der Ortslage Kerpens einige Veränderungen vorgesehen", sagt Elmar Gatzen. Der Bach ist dort unter die Oberfläche verbannt worden, aber: "Die Förderung greift aber nur, wenn das komplette Gewässer so weit wie möglich renaturiert wird", erläutert Gatzen. Durch Kerpen soll der Bach wieder oberirdisch verlaufen. Der Straßenbelag im Ortskern müsse dazu stellenweise aufgerissen werden. Auch in Hillesheim sind im Stadtzentrum umfangreiche Arbeiten nötig, um den Hillesheimer Bach wieder an die Oberfläche zu befördern. In beiden Orten sollen zudem Plätze entstehen, die es den Einwohnern ermöglichen, sich am Wasser aufzuhalten - Sitzgelegenheiten und Wasserspielplätze inklusive. "Es ist immens wichtig, die Bevölkerung an den Planungen zu beteiligen", sagt VG-Chefin Heike Bohn mit Blick auf das umfangreiche Vorhaben.
Stadtbürgermeister Matthias Stein (Hillesheim) und Ortsbürgermeister Rudolf Raetz (Kerpen) sehen die geplanten Maßnahmen positiv. "Es ist ein Stück Dorfentwicklung", sagt Stein. Bereits vor rund 15 Jahren habe man im Stadtrat über ähnliche Pläne gesprochen. Kerpens Ortsbürgermeister Rudolf Raetz hebt vor allem den durch die Sanierung verbesserten Hochwasserschutz als großes Plus hervor, sieht aber auch Schwierigkeiten, den Bürgern ein erneutes Aufreißen der Straße schmackhaft zu machen. "Im historischen Ortskern ist die Straße rund zehn Jahre alt, es gibt enge Gassen, und die Parkplätze sind knapp." Auch Jürgen Mathar, Leiter des Fachbereichs für Bauen und Umwelt und für Gewässer in der VG zuständig, hat die Verbesserung des Hochwasserschutzes durch die Renaturierung der Bäche im Blick. "Im Augenblick kann sich niemand vorstellen, dass so ein Bach durch Kerpen oder Hillesheim marschiert und enorme Schäden anrichtet. Das kann aber morgen schon anders sein."Extra

Die Aktion Blau Plus ist ein Aktionsprogramm des Ministeriums für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz, das seit 1995 erfolgreich die Wiederherstellung von naturnahen Gewässerzuständen fördert. Dabei geht es stets nicht nur um das Gewässer selbst, sondern auch um die unmittelbare Umgebung und die Aufenthaltsqualität der Anlieger. Verlangt werden Schutzstreifen gegen landwirtschaftliche Nutzung an den Ufern, Rückbau der Verrohrungen und ein Verzicht auf die Begradigung der Bach- oder Flussläufe. Umbaumaßnahmen müssen durch die Obere Wasserbehörde genehmigt werden. Die Kosten für die Renaturierung des Hillesheimer Baches betragen schätzungsweise 2,61 Millionen Euro, für den Rudersbach schlagen sie mit rund 900 000 Euro zu Buche. Das Land fördert das Projekt mit 90 Prozent. now