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Mit 230 PS durch den Hillesheimer Wald

Mit 230 PS durch den Hillesheimer Wald

Rund 250 Bäume fällt das Forstamt in dieser Woche entlang der Bundesstraße 421. Die viel befahrene Straße zwischen Hillesheim und Birgel ist deshalb bis einschließlich Samstag komplett für den Verkehr gesperrt. Für Autofahrer bedeutet das Umwege.

Hillesheim/Birgel. Motorsägenlärm schallt durch den Wald. Dann fällt eine riesige Fichte krachend auf die Bundesstraße. "Bei diesen Temperaturen sind die Bäume zerbrechlich wie Eis", erklärt Werner Eich. Der Forstarbeiter und sein Team fällen in dieser Woche morsche Bäume entlang der Bundesstraße 421 zwischen Hillesheim und Birgel. "Wir suchen nach Gefahren für den Straßenverkehr", sagt Eich. "Was Menschen gefährden kann, kommt weg." Dazu gehören nicht nur die Äste, die direkt über die Straßen ragen - auch ganze Bäume in der zweiten Reihe stellen eine mögliche Gefahr dar. Denn sie könnten beim Umknicken andere Stämme mitreißen - und die wiederum auf die Straße krachen.
Rund 250 Bäume, meist Fichten, wurden von Waldarbeitern mit roten Strichen markiert. Jetzt werden sie von Eich und seinen zwei Teams gerodet. Seit Montag sind die Männer am Rande der B 421 am Werk. Die viel befahrene Straße - laut Landesbetrieb Mobilität fahren hier jeden Tag 2600 Autos entlang - ist deshalb bis einschließlich Samstag komplett gesperrt. Für den Verkehr ist eine Umleitung über Oberbettingen ausgeschildert (siehe Karte).
Sicherheit im Wald


Eich appelliert an das Verständnis der Autofahrer - schließlich dient seine Arbeit auch ihnen. "Ganz in der Nähe ist vor Kurzem ein morscher Ast auf ein Auto gefallen. Es wurde glücklicherweise niemand verletzt, aber der Sachschaden betrug 15 000 Euro." Die Rodungen seien unabdingbar für die Sicherheit des Straßenverkehrs. Und damit die Forstarbeiter in Ruhe ihrem gefährlichen Job nachgehen können, müsse die Straße gesperrt werden.
100 Bäume pro Tag


Einige Hundert Meter weiter in Richtung Hillesheim ist Peter Hoffmann mit dem Harvester, einer baggerähnlichen Holzerntemaschine, am Werk. 230 Pferdestärken treiben den Koloss an, die mit seinem stählernen Greifarm Baum um Baum packt, abschneidet und dann in viereinhalb Meter lange Stücke schneidet (siehe Extra). "Was der Harvester an einem Tag schafft, dafür hat ein Zweierteam früher eine Woche gebraucht", sagt Werner Eich, als Hoffmann der Maschine eine Pause gönnt. Bis zu 200 Festmeter Holz, also rund 100 Bäume, kann Hoffmann mit dem Ungetüm an einem Tag fällen - wenn er freie Bahn hat. "Bei der normalen Durchforstung, bei der nur einzelne Bäume gefällt werden, sind es immerhin noch zwischen 100 und 150 Festmeter", erklärt Eich.
Hoffmanns Harvester fällt und zerkleinert das Holz nicht nur, sondern vermisst es dabei auch. An Feierabend weiß der Fahrer deshalb genau, was er geschafft hat: "Durchmesser, Länge, Qualität - alles wird vom Computer erfasst", erklärt Hoffmann. Dann steigt er wieder in die acht Meter lange Maschine, manövriert sie auf ihren sechs Rädern haarscharf an einem Straßenschild vorbei - und schnappt sich die nächste Fichte. Der Harvester ist jedoch kein Spielzeug.
"Die Bedienung erfordert höchste Konzentration", sagt Werner Eich. "Außerdem muss der Fahrer immer darauf achten, ob nicht jemand im Gefahrenbereich ist." Denn auch an den breitesten Schildern und Warntafeln, mit denen die Bundesstraße abgesperrt ist, würden sich immer wieder Autofahrer vorbeimogeln. "Drei Unbelehrbare sind bereits am ersten Tag hier durchgekommen", erzählt Eich und schüttelt den Kopf. Die Autofahrer hätten sogar schon Absperrungsbaken und Pylone verschoben. "Und das alles für eine Abkürzung von 700 Metern."Extra

7,5 Meter lang, drei Meter breit: Im Zuständigkeitsbereich des Forstamts Hillesheim kommt ein Harvester des amerikanischen Herstellers John Deere zum Einsatz. Die Maschine kostet rund 500 000 Euro und wiegt 20 Tonnen, die sich auf sechs große Räder verteilen. Der Greifarm ist zehn Meter lang. Angetrieben wird der Harvester von einem Dieselmotor mit neun Litern Hubraum. Die Höchstgeschwindigkeit: 25 Kilometer in der Stunde. sen