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Mit Anpacken für die Dorfjugend

Mit Anpacken für die Dorfjugend

Der Trierische Volksfreund (TV) und die RWE Rhein-Ruhr suchen "Helden im Alltag". Zehn Kandidaten, die sich beworben haben oder von Dritten vorgeschlagen wurden, sind von einer Jury ausgewählt worden. Der TV stellt die Bewerber in dieser Woche vor. Am Wochenende (11./12. Dezember) können die Leser telefonisch abstimmen, wer ihr Favorit ist.

Daun-Rengen. (bb/bjö) Um ein Held zu sein, brauche man Überwindung, meint Bernd Hohlweck (62). "Für mich ist die Vereinsarbeit alltäglich, und sie macht mir Spaß", sagt er. "Deshalb fühle ich mich auch nicht als Held." Der Informatiker und EDV-Kaufmann, der 1968 als Wehrpflichtiger nach Daun kam und seit 1974 in Rengen lebt, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Das Vereinsleben in dem Bergarbeiterdorf im Saarland, aus dem er stammt, habe ihn geprägt, erzählt er. "Und ich bin von der hohen integrativen und sozialen Funktion von Vereinen und besonders von Sportvereinen fest überzeugt", betont er.

Zum SC kam er 1974 als Fußballer, bis zu seinem 55. Lebensjahr spielte er bei den Alten Herren. Bis er sich 1982 aus beruflichen Gründen zurückzog, war Bernd Hohlweck Vorstandsmitglied beim SC. Vor rund zehn Jahren habe er dem damaligen Vorstand den Impuls gegeben, dass mit dem Verein "was passieren müsse", erinnert er sich. Und dann habe er selbst mit angepackt. 2001 übernahm er an der Seite von Werner Saxler , Franz Hubo, Uwe Diederich, Heinz Düx und Helmut Johannes den Vorsitz. Sie stellten einen Zehnjahresplan auf, boten mehr Breitensport an und waren immer auf Sponsorensuche. Die Mitgliederzahl hat sich seitdem mehr als verdreifacht - von 75 auf über 260.

Die Freizeitmannschaft Nerdlen gehört heute dem SC Rengen an. Es sind ein Sportlerheim und eine Boule-Spielanlage im Bau. "Wir träumen von einem neuen Sportplatz mit Flutlicht", sagt Bernd Hohlweck. Er nennt als eine Philosophie der Vorstandsarbeit: "Wer ausscheidet, hat seinen Nachfolger ein Jahr lang vorbereitet" und zieht als Resümee: "Es läuft wunderbar, aber man darf die Hände nicht in den Schoß legen." Das Wichtigste seien Ideen und Begeisterte, die sie umsetzten.

Den größten Erfolg sieht Hohlweck in der Gründung der Mädchen- und Frauenabteilung Fußball im Jahr 2006. "Wir haben ein sehr engagiertes, junges Trainerteam", erklärt der SC-Vorsitzende. Zur Pflege von Kameradschaft und Zusammenhalt in den Mannschaften und der gesamten Abteilung werde nicht nur Fußball gespielt. "Fahrten zu Länder- und Bundesligaspielen, Trainings- und Zeltlager, Saisonabschluss- und Sommerfest, Weihnachtsfeier", zählt Hohlweck auf. 2007 richtete der SC im Beisein von DFB-Präsident Theo Zwanziger die Hallenkreismeisterschaft des Fußballverbandes Rheinland aus, 2008 und 2009 erhielt der Club den Ehrenamtspreis des Fußballkreises Eifel, 2010 veranstaltete der Verein seinen ersten eigenen Ehrenamtstag.

Hermann Hein aus Daun-Neunkirchen hat Hunderte von kleinen Fans aus dem Pützbachtal. Inzwischen sind viele seiner "Kinder" erwachsen geworden. Der 71-Jährige hat vor 17 Jahren die Ferienfreizeit für benachteiligte Kinder beim Sportverein Neunkirchen-Steinborn (SV) gegründet. Doch der Vater von vier Kindern weist die Bezeichnung "Held des Alltags" zurück: "Ich hatte eine geniale Idee gefunden und sie in die Tat umgesetzt." Über die Anerkennung freue er sich, meint aber: "Ich bin ein Kinderfreund und kein Held."

Mit dieser Intention bringt er die Ferienaktion seines Vereins gleich beim ersten Mal auf den ersten Platz des Landeswettbewerbs der Sportjugend Rheinland-Pfalz. Drei weitere Male in Folge verteidigt er den Platz. Insgesamt ist der SV Neunkirchen-Steinborn elf Mal unter den Erstplatzierten.

Im Herbst 1993 hat Hein erstmals von dem landesweiten Wettbewerb unter den Sportvereinen gehört. Kindern, die nicht in den Urlaub fahren können, soll Spiel und Sport während der Sommerferien angeboten werden.

Der damalige Vorsitzende des SV: "Ich informierte einige Eltern von der Idee. Auf Anhieb traf ich auf Begeisterung." 14 Betreuer legen die Prinzipien fest: Jedes Kind aus den Gemeinden Neunkirchen, Stein- und Pützborn kann teilnehmen, unabhängig von einer Vereinsmitgliedschaft. Kinder, die Urlaub in den Gemeinden machen, sind ebenfalls eingeladen. Die Teilnahme ist kostenfrei bis auf die Eintrittsgelder. "Als die Ferienfreizeit begann, hatten wir 90 Anmeldungen."

Acht Veranstaltungen gibt es in den Ferien, darunter Barfußwanderungen, Rundflüge, Theater- und Zirkusaufführungen, Detektivausbildungen. Der Förster nimmt die Kinder in den Wald mit. Zu den Klassikern gehören die Zeltlager, Kochen, Backen sowie Schwimmen im Spaßbad. Hein besorgt die Sponsoren und damit die finanziellen Mittel. "Was wir damals angestoßen haben, hat bis heute Bestand."

Einige Hundert Kinder profitieren von der Aktion. "In die Hunderte geht auch die Zahl der Betreuer." So lange es diese gebe, sei ein Ende nicht abzusehen. "Im Zweifel wird es immer mehr Eltern geben, die sich keinen Urlaub leisten können." In den 17 Jahren sei es nicht nur einfach, aber unterm Strich immer schön gewesen. Die Ferienfreizeit gehöre inzwischen zum Terminkalender, wie der Karneval und die Dorfkirmes. Werde dagegen verstoßen, hagele es Protest. Als Hein 2009 nach 20 Jahren als Vorsitzender aufhört, verabschieden sich die Kinder von ihm mit Blumensträußen.