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Mit Duke um die Wette quietschen

Mit Duke um die Wette quietschen

DAUN. Trotz ihrer Behinde-rung versprüht Hanna Reitz Energie und Lebensfreude, wenn sie in den Raum kommt. Seit einer Delfin-Therapie im August, die sie dank der Spenden zahlreicher Vereine und Privatpersonen aus der Region erleben durfte, hat die vierjährige Hanna Fortschritte gemacht. Dem TV schilderte Familie Reitz Eindrücke von ihrer Reise zu den Delfinen.

Begrüßungsrunde im Sand unter Palmen, Wassertemperatur: 30 Grad. Das klingt nach Traumurlaub, doch die Zeit in Florida bedeutete für Hanna auch ein Stück harte Arbeit. Drei Wochen lang hieß es jeden morgen nach dem Frühstück: ab ins Therapiezentrum, wo Physio-Therapeut Jack MacIntosh und Delphin Duke schon auf sie warteten.Jede Antwort eine schwere Entscheidung

Gemeinsam mit fünf anderen Kindern und deren Therapeuten wurde zu Beginn des Tages ein Lied für jeden angestimmt, bevor Hanna mit Jack zu ihrer Plattform in der kleinen Bucht ging. "Womit möchtest du spielen, mit dem Ball oder dem Reifen?" fragte Jack. Für Hanna, die nicht sprechen kann, waren solche Fragen jedes Mal eine schwere Entscheidung. Sie musste auf eines der beiden Kärtchen zeigen, auf denen die Spielsachen abgebildet waren. Sie entschied sich oft für den Ball, den ihr großer grauer Freund Duke mit der Nase zurück brachte. "Möchtest du ins Wasser, ja oder nein?", wollte Jack weiter wissen. War Hannas Antwort "Ja", musste sie mit beiden Händen nach Jacks Daumen greifen. Auch das bedeutete für Hanna eine riesige Anstrengung, denn wegen ihrer Spastik konnte sie bisher kaum Bewegungen der Arme und Beine kontrollieren. Als Belohnung durfte sie sich dann an Dukes Rückenflosse festhalten und mit ihm durch die Lagune schwimmen. Sehr gern mochte Hanna auch, wenn der Delphin ihre Füße streichelte oder ihr sogar ein Küsschen gab. Hannas Eltern Kerstin und Johannes Reitz haben auf der Reise auch einiges gelernt. "Wir wussten ja vorher gar nicht, ob sie überhaupt etwas versteht, und haben jeden Wunsch so gut es ging erraten", erinnert sich Mama Kerstin. "Jetzt haben wir viel mehr Vertrauen in Hannas eigene Fähigkeiten, selbst zu entscheiden." Es braucht viel Geduld, Hanna bei einfachen Fragen die Kärtchen hinzuhalten und abzuwarten, bis sie auf den Apfel oder auf die Banane zeigt. Trotzdem versuchen ihre Eltern und die Erzieherinnen im Kindergarten, diese Methode beizubehalten. Auch wenn es an manchen Tagen weniger gut funktioniert, findet auch Johannes Reitz, dass seine "Hexe" sich enorm entwickelt hat: "Sie verfolgt das Geschehen um sich herum viel aufmerksamer." Insgesamt ist Hanna viel lebendiger als vor der Delphintherapie. So fordert sie zum Beispiel ein versprochenes Plätzchen lautstark ein oder beschwert sich unmittelbar, wenn ein anderes Kind ihr ein Spielzeug wegnimmt. Man kann die Wirkung der Therapie nicht genau nachweisen, aber dass Delphin Duke einen bleibenden Eindruck bei Hanna hinterlassen hat, wird deutlich, wenn das Florida-Video läuft. Hört sie die vertrauten Stimmen von Jack und Duke, dann strahlt Hanna übers ganze Gesicht und quietscht vor Freude mit Duke um die Wette.