Mit Freude, Fleiß und Forscherdrang

Mit Freude, Fleiß und Forscherdrang

Petra Greis hat aus Köln das Ortsfamilienbuch der Pfarrei Nohn mit den Filialorten Borler, Dankerath, Senscheid und Trierscheid erstellt. Persönlicher Anreiz der von Kindheit an am Leben ihrer Vorfahren interessierten jungen Frau war, dass ihr Großvater Josef Reinarz aus Nohn stammte.

Nohn/Köln. (bb) Gedruckt und veröffentlicht hat das 742 Din-A-4-Seiten umfassende Ortsfamilienbuch der Pfarrei Nohn die Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde (WGfF) unter der Nummer 228. Gewidmet hat ihn Autorin Petra Greis ihren Großeltern Josef und Margarethe Reinarz in Niederehe. "Ich habe das Glück, dass mich solche Großeltern begleiten und begleitet haben", schreibt sie im Vorwort. Was es mit diesem Glück auf sich hat, erläutert die 39-Jährige, als sie dem Trierischen Volksfreund das Ortsfamilienbuch (siehe Hintergrund) vorstellt - auf dem "Heunenhof" nahe Monreal; dort machen sie und ihr Mann gerade ein paar Tage Urlaub. "Ich habe mich schon als Kind sehr für alles interessiert, was meine Großeltern erzählten", erinnert sich Petra Greis, die 1968 in Gerolstein geboren ist, die ersten achten Jahre ihres Lebens in Gönnersdorf und Jünkerath-Glaadt verbrachte und dann mit ihrer Familie nach Köln zog. Dort machte sie die mittlere Reife; sie ist heute als kaufmännische Angestellte tätig.Die Taufeinträge beginnen im Jahr 1663

Die Eltern ihrer Mutter haben ungarische Wurzeln. Über deren Leben in einem kleinen Dorf in Südungarn, ihre Vertreibung von dort, ihre Eingewöhnung in der Eifel und ihr Leben hier hat Petra Greis bereits vor über zehn Jahren ein Buch geschrieben: die Chronik der Familie Kling, ein einziges Exemplar von 200 Seiten. Und wenn sie sagt "die andere Seite auch", meint sie die Familie ihres Vaters, die Reinarz' aus Nohn und die Maurens aus Niederehe. Und wenn sie erklärt: "Ich habe mich gesteigert", meint sie, dass die Chronik dieser Familien 300 Seiten umfasst, in sechs Exemplaren vorliegt und demnächst ausgebaut werden soll. Auf die Idee, ein Ortsfamilienbuch zu erstellen, habe sie ein WGfF-Mitglied bei ihren Recherchen für die Familienchronik gebracht.Nun also 742 Seiten, auf denen 11 141 Menschen aus 718 Orten zu 3288 Familien verknüpft wurden. Petra Greis bearbeitete die Kirchenbücher der Pfarrei Nohn und der dazu gehörigen Filialorte Borler (mit Heyer), Dankerath, Senscheid und Trierscheid. Die Taufeinträge beginnen im Jahr 1663; aus datenschutzrechtlichen Gründen ist eine Einsicht zurzeit nur bis zum Jahr 1899 möglich. Dem Familienteil hat Petra Greis Ortsbeschreibungen mit Fotos vorangestellt. Stück für Stück habe sie sich in die alten Buchstaben hineingearbeitet, erzählt sie dem TV. Bei den ausführlicheren Einträgen in lateinischer Sprache habe sie die Unterstützung eines Experten gehabt. Etwa als der Pastor von Nohn am 2. September 1833 vermerkte, dass sich eine 36-jährige Frau über dem Küchenherd erhängt habe. Oder bei der Mitteilung, dass einen Mann nach einem feucht-fröhlichen Ausflug nach Heyroth auf dem Heimweg der Schlag getroffen und man ihn am nächsten Morgen tot unter einem Baum gefunden habe. Auch bei der Bemerkung über den Wanderlehrer aus Trierscheid, der seinem 29-jährigen Sohn angedroht hatte, "dass er meiner auf lebenslänglich nicht als Vater zu suchen habe und meines Brotes essen werde"; der junge Mann hatte sich zweimal "ohne Bescheid" von seiner Familie entfernt.Käufer hat das "Ortsfamilienbuch der Pfarrei Nohn" (Auflage: 250 Stück, Preis: 48 Euro) bereits in Amerika, Frankreich und Würzburg gefunden. In Nohn soll es im Laufe des Jahres bei einer Veranstaltung in Anwesenheit der Autorin zu haben sein. Zudem kann es bei ihr bestellt werden. Kontakt: Petra Greis, Klinger Straße 1, 51143 Köln, Telefon 02203/87509, E-Mail: petra.greis@gmx.net.HNTERGRUND Ein Ortsfamilienbuch ist eine personengeschichtliche Sekundärquelle, in der nicht nur die Kernfamilien (Vater, Mutter und deren Kinder) zusammen aufgeführt werden, sondern für die Familien wird auch die Verknüpfung ihrer Genealogie hergestellt. Das heißt, bei Vater und Mutter wird auf ihre jeweiligen Eltern verwiesen und bei den Kindern auf ihre Heirat. Die Primärquellen sind in der Regel die Kirchenbücher. Der Aufbau eines Ortsfamilienbuchs ist weitgehend normiert: Die Familien werden alphabetisch und dann innerhalb eines Familiennamens chronologisch geordnet. (bb)