1. Region
  2. Vulkaneifel

Gesellschaft: Mit ganzem Herzen für die Frauen

Gesellschaft : Mit ganzem Herzen für die Frauen

Nach fast dreißig Jahren als Gleichstellungsbeauftragte sowohl für die Frauen im Vulkaneifelkreis wie für die Beschäftigten der Kreisverwaltung geht Edith Peters in den Ruhestand. Doch die Soziologin wird sich weiterhin für die „heißen Eisen“ engagieren.

Dass sie in den letzten Wochen ihres Amtes noch so viele Turbulenzen rund um ein klassisches Frauenthema haben würde, ahnte Edith Peters nicht. „Die Lage der Geburtshilfe in der Region hätte ich mir sehr anders gewünscht“, sagt sie und weiß, dass mit ihrem Abschied als Gleichstellungsbeauftragte zwar auf vieles Erreichte zurückblicken kann, jedoch genauso viele Themen Dauerbrenner sind, die sich nicht erledigt haben – weder in der Vulkaneifel noch anderswo. „Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen wurde schon in den 1980er Jahren diskutiert“, erinnert sie sich.

„Neu ist, dass sie dabei die Situation von Frauen mitberücksichtigt wird, die Angehörige pflegen. Vieles bleibt wie ein roter Faden, zum Beispiel ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen oder Armut, die besonders Frauen mit ihren Erwerbsbiografien trifft. All das wird mich auch künftig interessieren.“

Von Müdigkeit ist bei ihr keine Spur. Edith Peters wird also weiterhin sichtbar bleiben, etwa beim Internationalen Frauentag am 8. März, der in der Vulkaneifel traditionell mit einem Event im Hillesheimer Kino gewürdigt wird. Wenn sie über das spricht, was Frauen aller Altersklassen umtreibt, dann bezieht sie sich immer mit ein. Für sie ist das Amt nicht nur eine theoretische Weichenstellung, sondern genauso praktisches Handeln.

Die konkreten Beratungen bringen ihr Grenzerfahrungen nahe, etwa wenn es in Kooperation mit der Polizei oder der Caritas um Hilfen in akuten Notlagen durch häusliche Gewalt geht.„Seit 1990, als ich meine Arbeit aufnahm, ist ein ganz dichtes und gut funktionierendes Netzwerk entstanden, auch mit meinen Kolleginnen in den Nachbarkreisen.“ Schnelle, effektive Unterstützung sei so möglich, bis hin zu einer Unterbringung im Trierer Frauenhaus. Auf der anderen Seite mache es Spaß zu sehen, wie Mädchen und ganz junge Frauen die klassischen Rollen hinterfragen und Lust bekommen, berufliche Männerdomänen zu erobern. „Wir müssen nur zusehen, dass das gesellschaftliche Klima keine Rückschritte begünstigt. Die Gefahr ist da.“ Angesichts dessen will sie anderen Frauen erst recht Mut machen, sich kommunalpolitisch zu engagieren und sich in die Räte wählen zu lassen. „Wir brauchen die Sichtweise von Frauen, um gute Entscheidungen zu treffen!“

Edith Peters gab für ihre eigene Tätigkeit der CDU den Vorzug, ist jedoch genauso gern zum Beispiel mit der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen vernetzt. „Frauen sollten parteiübergreifend an einem Strang ziehen“, ist sie überzeugt.

Als Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten oder als Sprecherin für Gleichstellung beim rheinland-pfälzischen Landkreistag konnte sie oft über den Tellerrand schauen, wie Frauen in den Städten und auf dem Land leben.

Da sieht sie im ländlichen Raum durchaus Vorteile. „Frauen waren und sind auf den Höfen oft starke und selbstbewusste Persönlichkeiten, die Selbstständigkeit gewohnt sind.“ Ausschließlich Hausfrau zu sein war auch für sie selbst nie eine Option. Nach dem Abitur in Daun ging Edith Peters zum Soziologie-Studium nach Trier, die Bereiche Arbeit, Personal und Organisation waren ihre Schwerpunkte.

Doch ihr Heimatdorf Neroth blieb ihr Lebensmittelpunkt, weil es mit einem beruflich oft reisenden Ehemann und in der Nähe ihrer Eltern leichter war, zwei Kinder zu erziehen und selbst berufstätig zu sein. Den Kampf für eine Kita führte sie auch aus eigenem Wissen um die Bedürfnisse erwerbstätiger Frauen.

„Es bleibt viel zu tun“, so ihr Fazit. „Aber das macht nicht mutlos. Ich bin da zuversichtlich“, sagt sie und klingt dabei, als plane sie schon wieder nächste Projekte.

Einen harten Schnitt in einen zurückgezogenen Ruhestand werde es tatsächlich nicht geben, auch wenn sie ihre Nachfolgerin bereits eingearbeitet hat und alle Themen bei ihr in guten Händen weiß. Ruhestand heißt für Edith Peters dann vor allem die Zeit, gemeinsam mit ihrem Ehemann mehr zu reisen und zu schauen, wie es Frauen auf anderen Kontinenten oder in anderen Ländern ergeht.