Mit Geduld und Freundlichkeit

Mit Geduld und Freundlichkeit

Essen Menschen mit Demenz anders? Um diese Frage ging es bei einer Veranstaltung in Boxberg.

Boxberg/Daun/Gerolstein Zuhören und zuschauen, mitmachen und probieren, sich informieren: Diesen Appell richtete Gertrud Simonis vom Netzwerk Demenz Vulkaneifel (siehe Info) zu Beginn der Veranstaltung im Boxberger Bürgerhaus an die Teilnehmer.
So folgten sie sehr aufmerksam den Ausführungen von Vasil Marinow, dem Leitenden Arzt der Geriatrie am Dauner Krankenhaus. Sein Vortrag mündete unter dem zustimmenden Nicken der Angehörigen und beruflich und ehrenamtlich mit Demenz befassten Zuhörer in dem Satz: "Da Menschen mit Demenz sich nicht der Umwelt anpassen können, muss sich die Umwelt ihnen anpassen, und zwar mit viel Geduld." Zuvor hatte der Mediziner dargelegt, wie Demenz das Ernährungsverhalten beeinträchtigt. Häufig seien das Riechen, Schmecken und Schlucken gestört, das Ernährungsbedürfnis und das Durstgefühl vermindert, und Begleiterscheinungen wie Depressionen seien häufig mit Appetitlosigkeit verbunden, erklärte er. Und empfahl, das Essen und den Tisch ansprechend zu gestalten, Tischgemeinschaften zu bilden und Tischmanieren nicht zu korrigieren. Zum strittigen Thema "Magensonde zur künstlichen Ernährung" sagte Marinow, dass sie zwar eine ausreichende Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr ermögliche, einfach zu bedienen sei und auch wieder entfernt werden könne. "Aber es kann zu Komplikationen kommen, und eine Verbesserung der Lebensqualität und des gesundheitlichen Zustands ist nicht eindeutig erwiesen", betonte er.
Vergnügen und Nachdenklichkeit gleichermaßen lösten die Rollenspiele der Schüler des Oberkurses der Maria-Hilf-Fachschule für Altenpflege (Daun) aus.
In drei Szenen ging es um das Frühstück im Seniorenheim - im Negativbeispiel mit eiligem, bevormundendem, überforderndem und überfordertem Personal; in zwei positiven Beispielen mit Geduld und Freundlichkeit und der Einbeziehung der Wünsche und des Könnens der Bewohner. Wie der Esstisch vorbildlich oder auf keinen Fall gestaltet sein sollte, wurde an zwei Mustertischen deutlich gemacht. An einer weiteren Station informierten Schüler über die Vorteile der so genannten Essbiografie, einem Dokumentationsbogen, der die Vorlieben und Abneigungen an Ess- und Trinkgewohnheiten des Menschen mit Demenz enthält. Viel beachtet waren die Kochvorführungen der Diätassistentin Iris Lindemann (Weeze/Niederrhein). Sie gilt als Kapazität auf dem Gebiet der Ernährung von Senioren und der Organisation von Verpflegung in Senioren- und Pflegeheimen. Ihr Fachbuch "Mit Herz und Verstand" erreichte Bestsellerstatus.
Extra: NETZWERK DEMENZ


(bb) Das Netzwerk Demenz Vulkaneifel ist ein Zusammenschluss von 27 verschiedenen gesundheitspflegerischen Diensten, kommunalen Trägern und der Polizei im Landkreis Vulkaneifel. Das Netzwerk hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen in der Vulkaneifel zu verbessern. Erste Ansprechpartner sind die Pflegestützpunkte Gerolstein, Telefon 06591/9837946 und 9494082, und Daun-Kelberg, Telefon 06592/9848777 und 9848778.Extra: STIMMEN VON TEILNEHMERN


Peter Buller (54), Bereborn: "Da ich aus gesundheitlichen Gründen meinen Beruf als Zimmermann nicht mehr ausüben kann, pflege ich seit drei Jahren zu Hause meinen an Demenz und Parkinson erkrankten Schwiegervater. Vieles von dem, was der Arzt in seinem Vortrag gesagt hat, war mir schon bekannt. Aber seine Erklärungen waren trotzdem sehr hilfreich für mich, und ich habe Neues gelernt. Lernen ist immer gut!" Valentin Junglas (21), Daun: "Wir vom Oberkurs der Maria-Hilf-Fachschule für Altenpflege haben mit unserer Lehrerin Monika Schäfer die Wissensstationen für diese Veranstaltung vorbereitet. Ich finde es sehr erfreulich, dass wir unsere Arbeit hier präsentieren können und dass so viele Menschen hierher gekommen sind. Die Teilnehmer, die uns an den einzelnen Stationen besuchen, machen einen sehr interessierten und motivierten Eindruck." Ilse Schleuning (66), Darscheid: "Ich gehöre seit zwölf Jahren zu dem ehrenamtlichen Helferkreis Demenz und betreue seit acht Jahren ein Mal pro Woche eine an Demenz erkrankte Frau. An den Veranstaltungen des Netzwerks zum Weltalzheimertag nehme ich immer wieder gerne teil, da ja jedes Mal ein anderer Aspekt behandelt wird. Obwohl ich mich schon so lange mit dem Thema beschäftige, habe ich auch dieses Mal wieder einiges Neues erfahren. Ich kann diese Veranstaltung nur empfehlen, besonders auch den Angehörigen."