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Mit Geduld und speziellen Methoden

Mit Geduld und speziellen Methoden

Das Autismuszentrum (ATZ) Trier hat jetzt - ein halbes Jahr nach der Inbetriebnahme - seine Nebenstelle im Haus Hommes in der Dauner Wirichstraße der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Einrichtung erleichtert den autistischen Kinder und ihren Eltern aus der Eifel die meist langjährige, oft lebenslange Therapie.

Daun. Als die Diagnose Autismus noch weitgehend unbekannt war und es Therapien so gut wie keine gab, machte ein Kinofilm über einen Autisten Furore: "Rain Man" mit Dustin Hoffman. An jenen Mann, der Defizite und unglaubliche Fähigkeiten gleichzeitig in sich trug, erinnerte Landrat Heinz Onnertz bei der Eröffnungsfeier für die Dauner Nebenstelle des ATZ Trier. "Dass wir jetzt hier in unserer Kreisstadt eine Einrichtung für autistische Menschen und ihr Umfeld haben, ist ein Glück für alle Betroffenen und Beteiligten aus der Eifel", sagte er mit Blick auf das wohnortnahe Therapieangebot.

Hilfe auf 220 Quadratmetern



Brigitte Pfeiffer-Jung, Vorsitzende des Elternvereins Autismus Mosel-Eifel-Hunsrück, blickte zurück: "Vor 25 Jahren hatten wir Visionen. Heute sind sie Realität geworden, und wir haben neben dem Zentrum in Trier nun auch noch eine wichtige Anlaufstelle mit ausreichend Platz und engagierten Therapeuten in Daun."

Ihren Vortrag über die Möglichkeiten der Autismus-Therapie eröffnete die Diplompsychologin und pädagogische Leiterin des ATZ, Irmgard Herold, mit dem Hinweis auf die Vielfältigkeit der Symptome und individuellen Ausprägung. "Sie reicht von leichten Verhaltensproblemen bei guten sprachlichen Fähigkeiten und einer mittleren bis hohen Begabung bis zur schweren geistigen Behinderung", sagte sie in Anspielung auf das Vorurteil, autistische Menschen säßen in einer Ecke und schaukelten.

Autismus sei eine tiefgreifende lebenslängliche Störung, die sich aber mit kontinuierlicher Hilfe verbessere. Zum Therapiekonzept erklärte Irmgard Herold: "Wir haben eine positive Grundeinstellung. Wir bieten Schutz, indem wir das Umfeld informieren." Und: "Wir haben die nötige Geduld und spezielle Methoden."

Wesentliche Module der Autismus-Therapie seien Diagnostik, Einzelförderung, Eltern- und Familienarbeit, Förderung in Kleingruppen, Netzwerkarbeit mit Kindergärten, Schulen, Ausbildungsbetrieben.

Die Betriebsstätte in Daun bezeichnete der organisatorische und kaufmännische Leiter Michael Hauck als Glücksfall. "Optimales Raumangebot, zentrale Lage, unkomplizierte Nachbarschaft", sagte er.

Deutschlandweit gebe es 45 Therapiezentren. Rheinland-Pfalz nehme in der Versorgung von Menschen mit Autismus aber einen hinteren Platz ein. Den Patienten stehen als Therapeuten Karin Schmid, Patrick Vorreiter und Anne Waxler zur Verfügung. Die Verwaltung erfolgt zentral vom ATZ Trier.

Auf einer Gesamtfläche von 220 Quadratmetern sind Gesprächs- und Therapieräume, ein Motorikraum, ein Büro und eine Küche eingerichtet. bb

EXTRA

THERAPIE UND BERATUNG



Das Autismuszentrum (ATZ) Trier besteht seit 1991. Es betreut therapeutisch Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit "Störungen aus dem autistischen Spektrum", und es berät Angehörige, Bezugspersonen und weitere Helfer. Einziger Gesellschafter ist der Elternverein Autismus Mosel-Eifel-Hunsrück, zu dessen Vorstand Brigitte Pfeiffer-Jung (Thörnich) als Vorsitzende und Werner Lehnen (Daun) als Kassenwart gehören. Kontakt: ATZ Trier, Medardstraße 4, 54294 Trier, Telefon 0651/99849960, E-Mail: info@autismus-trier.de, Internet: www.autismus-trier.de bb