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Mit Offenheit gegen die Stornierungen

Tourismus : Mit Offenheit gegen die Stornierungen

Wer sich nicht näher informiert, könnte meinen, die gesamte Eifel sei eine Katastrophenregion. Ein Eindruck, der zu Problemen bei Gastronomen auch in nicht von der Flut betroffenen Gebieten führt. Wie kann das Bild korrigiert werden?

Familie H. aus Berlin hatte ab Ende August einen zweiwöchigen Eifelurlaub in einer Ferienwohnung in der Nähe des Hochkelbergs gebucht. „Wir freuen uns so sehr, die Eifel kennen zu lernen!“, mailte das junge Ehepaar noch Anfang Juli. Zwei Wochen später dann zunächst ein Anruf: Ob die Eifel überhaupt noch erreichbar sei und mit welchen Versorgungslücken man rechnen müsse, wenn man komme. Der Hinweis des Gastgebers, dass man in der gebuchten Teilregion der Eifel keine Hochwasserschäden zu beklagen hat und die tatsächlichen Katastrophengebiete etliche Kilometer entfernt sind, half am Ende nicht: „Wir haben uns entschieden, die Reise in die Eifel auf Grund der derzeitigen dortigen Situation zu stornieren.“

Mit solchen Reaktionen sind derzeit Hotels, Pensionen, Ferienwohnungsbesitzer oder Campingplatzbetreiber immer wieder konfrontiert, auch wenn ihre Betriebe weitab der Überschwemmungsgebiete liegen. Seit dem vergangenen Sommer hatten sie sich angesichts des boomenden Inlandstourismus auf noch mehr Gäste eingestellt, welche die Eifel neu für sich entdecken. Doch gerade diese „Newcomer“ ohne Kenntnis der insgesamt 5300 Quadratkilometer großen Ferienregion scheinen nun abgeschreckt zu werden. Dabei sind Stornierungen alles andere als ein Beitrag zur Hilfestellung für Flutopfer, sondern im Gegenteil ein weiteres Problem.

Manche Gastgeber scheuen das Thema und wollen dazu öffentlich lieber nichts sagen. Ob der Grund dafür besonders viele Stornierungen sind, bleibt daher Spekulation. Andere packen das Thema bewusst an. Die Eifel Tourismus GmbH hat in sozialen Medien eine Kampagne gestartet: „Eine funktionierende Infrastruktur, geöffnete Ausflugsziele, Hotels und Restaurants sind in weiten Teilen der Eifel problemlos verfügbar“, lautet die Botschaft.

Julia Morbach, Leiterin der Reservierung im Hotel Löwenstein in Gerolstein, hält derartige Kampagnen auch für notwendig. „Wir haben nennenswerte Stornierungen, sogar bis in den Herbst hinein“, schildert sie eine Situation, die nicht mit der Lage des Hotels hoch über der Brunnenstadt oder überhaupt der Vulkaneifel erklärbar sei. „Es ist offenbar nicht bekannt, wie riesig und wie vielfältig die Eifel ist. Die Bilder der Katastrophe überlagern alles.“ Man brauche nun vor allem in den Herkunftsländern und -regionen der Touristen Werbung und Aufklärung, dass die Berichte aus dem Ahr- oder Erfttal nicht auf die gesamte Eifel zutreffen. „Der Kylltalradweg ist mit wenigen Kilometern Ausnahme, die umgeleitet werden, wieder befahrbar, für die Bahn gibt es Schienenersatzverkehr, sogar die im Gerolsteiner Land vom Hochwasser betroffenen Gebiete können also wieder touristisch genutzt werden.“ Die Befürchtung ist, dass in den Köpfen vieler noch längere Zeit „Eifel gleich Katastrophe“ hängen bleibt, auch wenn es nicht der Realität entspricht.

Das beste Gegenmittel scheint eine gute Kommunikation zu sein. „In den ersten Tagen nach der Flut kamen etliche Stornierungen“, berichtet Stefanie Becker von Kuchers Landhotel in Darscheid. Ein häufig genannter Grund für das Stornieren des Eifelurlaubs sei gewesen, dass man sich unwohl fühle angesichts der Berichte über das Leid im Ahrtal. „Das hat sich mittlerweile wieder gegeben. Wir haben viele Stammgäste, welche die Region kennen und wissen, dass es innerhalb der Eifel große Unterschiede gibt. Aber es wird viel mehr Beratung angefragt, die Gäste wollen vorab einschätzen, was genau sie vor Ort erwartet.“

Auch Hubert Drayer vom Michels Wohlfühlhotel in Schalkenmehren hat unmittelbar nach der Flut Folgen gespürt: „Gäste aus den betroffenen Gebieten sind früher abgereist, für einige andere war das Herkommen schwierig.“ Aber eine Stornierungswelle habe es nicht gegeben, lediglich mehr Informationsbedarf. Das Hotel geht auf seiner Homepage offen mit dem Thema um und schildert, dass weder das Haus noch die Umgebung vom Unwetter geschädigt wurden. Einzig bei der Anreise wird gebeten, das Krisengebiet zu umfahren.

Die Engpässe hierfür liegen jedoch nicht in der Eifel, sondern im Rheinland rund um das Kreuz Bliesheim. Sogar der Schmetterlingsgarten Eifalia in Ahrhütte, beliebtes Ausflugsziel auch für Touristen, ist ab 8. August wieder geöffnet und setzt ein Eifel­urlaubs-Ausrufezeichen mit

 Ein touristisches Wahrzeichen der Vulkaneifel: die Birresborner Eishöhlen.
Ein touristisches Wahrzeichen der Vulkaneifel: die Birresborner Eishöhlen. Foto: TV/Brunhilde Rings

Dank an die freiwilligen Helferinnen und Helfer angesichts der Flut, die den Schmetterlingsgarten hart traf.