Mit Pinsel und Spachtel nach Ruanda

Mit Pinsel und Spachtel nach Ruanda

Deutsche Handwerker helfen afrikanischen Kollegen: Norbert de Wolf und Jörg Baumann aus Trassem (Kreis Trier-Saarburg) haben das neue Projekt organisiert. Mit dabei sind auch zwei Eifeler: Kim und Kai Bill aus Üdersdorf.

Üdersdorf/Saarburg. Rheinland-Pfalz pflegt eine intensive Partnerschaft mit dem afrikanischen Ruanda. Jörg Baumann, Vorsitzender des Fachverbands Farbe, Gestaltung, Bautenschutz Rheinland-Pfalz, und Norbert de Wolf, Geschäftsführer des Verbands, haben nun ein neues Projekt: Sie haben die Aktion Geselle trifft Gazelle ins Leben gerufen. Damit wollen sie den Austausch zwischen Handwerkern fördern. Mit sieben Malergesellen aus Rheinland-Pfalz sind sie nach Gatagara in Ruanda aufgebrochen. Dort hilft der Trupp bei der Renovierung eines Medizinzentrums und einer integrativen Schule.
Neue Techniken lernen


Baumann und de Wolf stehen in engem Kontakt zu Michael Nieden, Geschäftsstellenleiter der Partnerschaft Rheinland-Pfalz und Ruanda in Mainz.
Und so wurde aus einer fixen Idee ein konkretes Vorhaben. "Dieses Projekt ist ein absolutes Novum. Noch nie haben sich unsere Maler an der Neugestaltung einer Schule in Ruanda beteiligt", sagt Baumann. "Ich war bislang noch nicht in Ruanda und bin selbst gespannt auf das Ergebnis."
Junge Malergesellen aus Rheinland-Pfalz arbeiten gemeinsam mit ruandischen Handwerkern im Gatagara Center, einem medizinischen Zentrum, und in einer integrativen Schule. Mit dabei sind auch zwei Eifeler. Kim Bill, 22 Jahre alt, kommt aus Üdersdorf. Sie hat mit ihrem Bruder Kai die Koffer gepackt. "Die Möglichkeit, anderen zu helfen und eine fremde Kultur kennenzulernen, war für mich die größte Motivation mitzumachen. Eine Urlaubsreise ist das nicht, aber ich war sofort begeistert", sagt die junge Frau.
Kai Bill ist mit 19 Jahren der Jüngste in der Gruppe und freut sich auf die Arbeit mit den ruandischen Handwerkern. "Das Malerhandwerk ist dort sicherlich ganz anders. Aber ich bin offen und gespannt, ob ich nicht auch neue Techniken lernen kann", meint er.
In Gesprächen und Präsentationen der Geschäftsstelle haben sich die Gesellen auf die Reise vorbereitet. Impfungen gegen Hepatitis, Meningitis und Tetanus waren nötig. Und die meisten Reisenden haben auch für den Notfall ein Mittel gegen Malaria im Gepäck. Jeder Geselle hat sich vorab einen Paten, meist einen Malerbetrieb, für das Projekt gesucht, der die Reise nach Ruanda mit etwa 1500 Euro pro Person finanziert. Im Gegenzug berichten die Gesellen nach ihrer Rückkehr mit Bildern oder Videos vom Verlauf des Projekts. Die Betriebe können bei ihren Kunden mit der Aktion werben.
Zwischenzeitlich ist die Gruppe gut in Kigali angekommen und hat eine erste Besichtigung in einer Farbfabrik unternommen.Extra

Ruanda ist seit 1982 Partnerland von Rheinland-Pfalz und mit 26 338 Quadratkilometern in etwa so groß wie Rheinland-Pfalz und das Saarland zusammen. Das kleine Land liegt knapp südlich des Äquators in Zentralafrika und hat rund 10 Millionen Einwohner, die zu 80 Prozent von der Landwirtschaft leben. Als ehemalige belgische Kolonie erhielt Ruanda am 1. Juli 1962 seine Unabhängigkeit. Seit jeher gibt es Spannungen zwischen den Tutsi und den Hutu-Stämmen, die 1994 mit einem Völkermord ihren Höhepunkt erreichten. Die Hauptstadt Kigali mit einer Million Einwohnern liegt in der Mitte. Das Projekt Gatagara Center befindet sich in der südlichen Provinz Nyanza, etwa 90 Autominuten südlich von Kigali. gin Weitere Infos zur Partnerschaft: www.rlp-ruanda.de. gin