Mit Spiel und Ehrlichkeit

Mit Spiel und Ehrlichkeit

Besonders vor den olympischen Winterspielen in der russischen Stadt Sotschi, angesichts von Russlands hartem Umgang mit Homosexuellen und vor dem Hintergrund des Coming-Outs des ehemaligen Profi-Fußballers Thomas Hitzlsperger ist das Thema Homosexualität in der öffentlichen Diskussion. Seit 2009 gibt es das Projekt "SchLAu" in Trier. Lokales Teammitglied Natanael Klein erklärt, was dahinter steckt.

Trier. Einen sicheren Raum für alle Jugendlichen, um sich zu entfalten - das wollen die Helfer bei dem Projekt "SchLAu - Schwul Lesbische Aufklärung" mit ihrer Arbeit schaffen. Das Projekt leistet seit 2000 Aufklärungsarbeit an Schulen in Nordrhein-Westfalen. 2009 fand es seinen Weg nach Rheinland-Pfalz und betreibt mittlerweile vier ehrenamtlich organisierte Teams in Trier, Mainz, Kaiserslautern und Koblenz. Das Team, das im schwul-lesbischen Zentrum Trier Schmit-z seinen Sitz hat, kann von allen Schulen in der Region für die Klassenstufen acht bis zehn gebucht werden.
Mit Spiel und viel Ehrlichkeit werden die Themen Homosexualität, Bisexualität und Transsexualität angesprochen und auseinandergenommen. Dabei geht es in erster Linie nicht einfach nur darum, Unterstützung für homosexuelle Schüler zu bieten, sondern den anderen zu zeigen, dass es normal ist, anders zu sein, erklärt das lokale Teammitglied Natanael Klein. "Wir wollen den Kindern beibringen, dass es wichtig ist, die Schublade halb offen zu lassen", sagt der Student.
Beschönigt wird bei "SchLAu" nichts. Sich zu outen und offen auszuleben, wer man ist und wie man ist, ist häufig nicht leicht. Natanael Klein spricht aus Erfahrung: "Ich komme aus einem sehr christlichen Haushalt und habe es als schwer empfunden, mich zu outen." Auch wenn andere Familienmitglieder unterstützend waren, hat sein Vater das Thema zwei Jahre lang nicht aufgreifen wollen. "Wir müssen auch klarmachen, dass es nicht immer gut läuft."
Zimperlich darf man als Teammitglied bei "SchLAu" nicht sein, denn die Fragen, die die Schüler während des Workshops stellen, sind meist sehr persönlich. Aber genau das ist laut Klein auch erwünscht. "Das schöne ist grade, dass die Kinder noch nicht auf politische Korrektheit achten. Ihre Fragen sind direkt." Direkte Fragen lassen auch direkte Antworten zu, hier wird nicht um den heißen Brei geredet, sondern mit Vorurteilen aufgeräumt. Das ein oder andere Klischee bestätige der Student auch, zum Beispiel mit seiner Vorliebe für Musicals: "Wir wollen zeigen, dass Homosexuelle auch nur Menschen sind." Natürlich können in drei Schulstunden nicht immer ganze Welten verändert werden. "Aber wir wollen Denkanstöße geben." amb
Weitere Informationen zum Projekt und Kontakt zu der lokalen Gruppe gibt es unter
www.schlau-rlp.de