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Mit tierischer Freude zum Sangweiher - Frühlingsgefühle bei Glanrindern in Schalkenmehren

Mit tierischer Freude zum Sangweiher - Frühlingsgefühle bei Glanrindern in Schalkenmehren

Zum dritten Mal verbringen zwölf Glanrinder den Sommer und den Herbst im Naturschutzgebiet zwischen Schalkenmehren und Udler. Sie helfen dabei, die Grünfläche um das Gewässer frei zu halten.

Wer die Rinder am Sangweiher, kurz nachdem sie vom Anhänger kommen, beobachtet, könnte auf den ersten Blick meinen, es handele sich um junge Hunde oder gar Kampfstiere.
Da wird mit einem Vorderfuß mehrfach der Boden weggeschoben und wild durch die Nase geschnauft. Ein anderes Rind springt und rennt, schon fast übermütig, hin und her. "Das ist die Freude, dass sie jetzt wieder hier auf der Weide sind", erklärt Leo Kordel, Landwirt, der seine Tiere auf das Natur- und Vogelschutzgelände gebracht hat.
Dabei ist den Rindern das Gebiet bereits vertraut, denn sie sind schon im dritten Jahr hier. Die Rinder, die als nicht besonders sozial gelten, "und sich dauernd zanken", wie Kordel lachend erklärt, haben am Sangweiher ideale Bedingungen. Auf 35 Hektar können sich die zwölf Tiere ausbreiten und bei Bedarf aus dem Weg gehen. Besonders für die Tiere ist der Sangweiher, in dem sie sich im Sommer auch einmal abkühlen. Die Tiere sind aber nicht nur auf den Weiden rund um das Gewässer, um sich wohlzufühlen, sondern sie haben dort eine wichtige Aufgabe. Sie halten die Landschaft frei, indem sie das Gras abfressen und die Hecken, beispielsweise Weißdorn, Weiden oder Erlen. "Da hier sehr viel Grünland wächst, sind hier die Glanrinder richtig. Am Weinfelder Maar, wo sehr viel mehr Hecken sind, können die Ziegen besser agieren."
Der Pflanzen- und Tierwelt bekommt die Maßnahme sehr gut. Georg Möhnen, Naturschutzbeauftragter des Sangweihers berichtet: "Der Kiebitz, die Bekassine, ein schnepfenartiger Vogel, und die Feldlerche sind typische Vögel für den Sangweiher. Einige davon sind wieder vermehrt hier, seit der Weiher wieder Wasser hat, und die Grünflächen intakt sind."
Weiter sagt er: "Es wird aber schon einige Jahre dauern, und nicht mehr hundertprozentig so werden, wie zu Zeiten, als hier noch keine extensive Landwirtschaft betrieben wurde." Die Pflanzenwelt profitiert ebenfalls von den Naturschutzmaßnahmen. Am kleinen Zufluss zum Weiher aus Richtung Brockscheid kann man Sumpfdotterblumen, Seggen, Binsen und Sumpfschwertlilien sehen.
Vor einigen Jahren sah es hier noch ganz anders aus. Bis 1987 war hier kein Weiher mehr, sondern ein durch tiefe Entwässerungsgräben durchzogenes Gebiet. Ab 1981 hat der Naturschutzbund Daun begonnen, das Gelände aufzukaufen. Erste Renaturierungsmaßnahmen folgten. Seit 1983 ist der Sangweiher Naturschutzgebiet. "Der Weiher war ganz zugewachsen und wurde von Hand freigelegt. Man kann sagen, das hier ist eine natürliche Insel ohne intensive Landwirtschaft", erklärt Möhnen. Da die Wiesen nicht gedüngt werden, wachsen sie nicht ständig nach, und deshalb brauchen die Tiere die große Fläche.
Dafür sind viele Kräuter auf der Wiese, es ist ruhig und es gibt Bäume zum Unterstellen für das Vieh. Da ist es kein Wunder, dass die Rinder vor Freunde rennen, springen und mit den Hufen scharren, wenn sie nach dem Winter hier wieder ankommen.Extra: GLANRINDER


(chb) Die Glanrinder sind eine aussterbende Haustierrasse. Gab es im Jahr 1930 in Deutschland 40 000 Glanrinder, waren es Mitte der 70er Jahre noch 25. Um Inzucht zu vermeiden, hat man die Rinder mit anderen Gelbviehrassen gekreuzt, so dass es heute keine reinen Glanrinder mehr gibt. Die Glanrinder wurden von den Schwarz- und Rotbunten Rassen verdrängt, die mehr Milch lieferten, während die Glanrinder als Zugtiere, als Fleisch- und Milchlieferant genutzt wurden. Heute gibt es in Deutschland rund 2000 Glanrinder.