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Mit Tränen gehen die Clowns

Mit Tränen gehen die Clowns

Dass der Karneval eine ernste Sache ist, zeigt sich seit Jahren in vielen Vereinen. Es kommen immer weniger Zuschauer zu den Kappensitzungen, überall wird Nachwuchs für die Bühne gesucht - und auch Helfer hinter den Kulissen gibt es immer weniger. Die Folge sind Vereinsauflösungen, so wie aktuell in Gerolstein und wahrscheinlich bald in Uersfeld.

Gerolstein/Uersfeld. Konfetti, Luftschlangen, bunte Kostüme, etwas Alkohol und viel Spaß am Leben, so sieht Karneval für die meisten Jecken aus. Doch oben auf der Bühne, hinter den Tresen, im Saal beim Bedienen und hinter der Bühne arbeiten diejenigen, die das alles erst möglich machen.
"Es sieht überall schlecht aus. Ein paar Blöde sollen alles organisieren und auch arbeiten, alle anderen wollen nur feiern", sagt Franz-Josef Jax von der Narrenzunft Blau-Weiss Uersfeld.
So wie es momentan aussieht, gehen in der ehemaligen Karnevalshochburg Uersfeld bald die jecken Lichter aus.
Der Verein ist erst 2000 als Nachfolger des damaligen Vereinsringes gegründet worden. Vor einem Jahr war es schon einmal "fünf vor zwölf", weil sich mangels anwesender Mitglieder kein neuer Vorstand bilden konnte. Damals konnte der Niedergang noch einmal abgewendet werden. Jetzt dasselbe Problem: Bei zwei Versammlungen wollte sich niemand zum Vorstand wählen lassen.
"Die Tendenz ging schon damals dahin, dass es sowieso keinen Sinn mehr macht und man den Verein auflösen sollte", sagt Jax. Schon bei der Prunksitzung der jüngsten Session in Uersfeld waren viele Plätze des Saales leer. "Und wenn es darauf ankommt zu helfen, ist niemand da. So eine Veranstaltung kann man nicht aus dem Ärmel schütteln. Wenn da immer nur wenige kommen, werden die auch irgendwann sauer", sagt Jax.
In Gerolstein bietet sich das gleiche Bild: Im Vereinslokal "Zur Schauerbach" wurde bei der letzten Mitgliederversammlung die Auflösung des Karnevalsclubs Sarabodis Blau-Weiß 1991 Gerolstein einstimmig beschlossen. Bereits vorher war die Internetadresse gesperrt worden.
An der Wand hängen die Orden der vergangenen 21 Jahre. Auf dem Orden von 2004 heißt das Motto "Ein Herz für Sarabodis". Ex-Geschäftsführer Ralph Theveßen sagt: "Es ist traurig, wenn sich ein funktionierender Verein auflösen muss. Nicht, weil wir Streit haben oder kein Geld da ist, sondern weil sich kein neuer Vorstand findet. Das tut mir im Herzen weh, aber mit fünf Leuten kann man keinen Karnevalsverein machen", sagt er. Der erste Vorsitzende Michael Baillivet musste aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten, ein Nachfolger fand sich nicht. Und das, obwohl der Verein zuletzt 123 Mitglieder hatte.
Peter Müller, seit fünf Jahren Präsident der Rheinischen Karnevals-Korporationen, der 1200 Mitgliedsvereine aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Hessen und Nordrhein-Westfalen angehören, sieht aber keinen Trend hin zu vermehrten Vereinsauflösungen. Hier und da komme es zwar zu Zusammenlegungen wie Möhnen- und Karnevalsvereinen in einem Dorf oder auch Kooperationen über Dorfgrenzen hinweg. Dafür gebe es aber auch immer wieder Neugründungen. Er sagt: "Während ich hier tätig bin, hat sich unsere Mitgliederzahl gehalten." Dennoch sieht auch er, dass es "schwieriger wird, genügend Aktive für die Sitzungen zu finden". Er schlägt daher eine Mischung aus traditionellem Dorfkarneval mit einheimischen Akteuren und dem Party-Karneval mit auswärtigen Bands oder Rednern vor, "da das vermehrt das junge Publikum wünscht".