Mit Zerstörungswut gegen die kleinen Waldbewohner

Mit Zerstörungswut gegen die kleinen Waldbewohner

Wo ist er geblieben, der Ameisenhaufen am Rande des Spazierweges im Heiligenstein? Diese Frage stellte sich TV-Leserin Clara Zins-Grohé. Ihre Vermutung: "Er ist offensichtlich zweibeinigen Wildschweinen zum Opfer gefallen." Dabei wüssten manche Menschen nicht, wie wichtig der Erhalt der Waldameisen sei.

Gerolstein. In Wohngebieten sind sie nicht gerne gesehen, doch für die Natur sind sie unerlässlich: Waldameisen. Südöstlich von Gerolstein, am Eifelsteig nahe dem Heiligenstein, hat eine Kolonie vor einigen Jahren ihren Hügel zusammengetragen. "Der war bestimmt sieben oder acht Jahre alt", vermutet Clara Zins-Grohé. Doch als sie vor rund zwei Wochen dort spazieren ging, fand sie den Bau fast vollständig zerstört.
Kaum mehr als zehn Zentimeter hoch sei er noch gewesen, wo er doch zuvor mindestens Kniehöhe gehabt habe. In den Überresten hätten Flaschen gesteckt, überall habe Müll gelegen, erinnert sich Zins-Grohé. Selbst Mountainbikespuren hätten mitten durch das Nest hindurchgeführt. Den Müll habe sie selbst weggeräumt, doch die Ameisen seien zu diesem Zeitpunkt schon abgewandert. Vielleicht bauen sie in der Nähe einen neuen Hügel, vielleicht kehren sie noch einmal zurück, genau lässt sich das noch nicht sagen.
Dass die Zerstörung menschlichen Ursprungs ist, zeigen die Spuren recht eindeutig. "Er ist offensichtlich zweibeinigen Wildschweinen zum Opfer gefallen", schreibt Zins-Grohé an den TV. Ob nun aber Jugendliche in der Nähe gefeiert haben, ob Mountainbiker absichtlich über den Hügel gefahren sind oder womöglich Pilzsammler ihn mutwillig zerstört haben, lässt sich nicht sagen. Dabei profitieren gerade Pilzsammler von den Ameisen, die die Pilzsporen verbreiten. Trotzdem sei es vorstellbar, das einige aus Wut, weil die Ameisen die Pilze angeknabbert haben, deren Zuhause zerstört hätten.
Als Reaktion auf die Zerstörung habe sie Kontakt zum Hegering aufgenommen. Dieser habe ihr zugesagt, durch einfache Konstruktion aus drei Holzbalken, die pyramidenförmig über den Ameisenhügel gestellt und mit Maschendraht bedeckt werden, den Vandalismus einzudämmen. cli

Extra

Ameisen sind wichtige Indikatoren für Umweltveränderungen. Als Staaten bildende Insekten weisen sie eine hohe Ortsbindung auf, oft über viele Jahre hinweg. Es gibt neun heimische Waldameisenarten, die auffällige Nesthügel errichten. In einem großen Waldameisenhügel können mehr als eine Million Arbeiterinnen leben. Zusammen haben sie etwa ein Gewicht von drei bis vier Kilogramm. Manche Ameisenvölker haben nur eine Königin, andere wiederum tausende. Die ungeflügelten Arbeiterinnen werden bis zu sechs Jahre alt - eine Waldameisenkönigin kann bis zu 30 Jahre leben. Eine Waldameisenarbeiterin kann etwa das 20-fache ihres Eigengewichtes tragen. Ein großes Ameisenvolk verzehrt etwa 100 000 Beutetiere an einem Tag. Der Kuppelbau über dem unterirdischen Nestbereich bietet manchmal mehr als einer Million Waldameisen Schutz vor Feinden. Außerdem gewährt er für die Brutaufzucht die wichtigen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen. red

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