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Mittelamerikanischer Brauch in Eifeler Variante

Brauchtum : Da haut man doch besonders gern drauf

Alte Tradition, neu interpretiert: Die Kinder der Stadtkyller Familie Bungartz haben eine Piñata gebastelt. Die Form: ungewöhnlich. Das liegt daran, dass sie sehr aktuell ist.

Und noch mal ordentlich draufgehauen: Bei dieser Piñata, siehe Foto, macht man das doch besonders gern. Gebastelt haben sie Eva (11 Jahre), Heidi (9) und Erik Bungartz (7) aus Stadtkyll, zusammen mit ihren Eltern Katie und Gerd.

Sie sieht aus wie das Coronavirus – und wenn das weltweit dauerhaft zerstört werden könnte, würden sich alle freuen, nicht nur in Stadtkyll.

Piñatas (vermutlich vom Spanischen „Piña“, Ananas) kennt man vor allem aus den mittelamerikanischen Ländern: Dort werden die Figuren, meist aus Stoff oder Pappmaché und oft in Tierform, traditionell bei Festen mit Süßigkeiten gefüllt und aufgehängt, vor allem bei Kindergeburtstagen. Die Kinder, deren Augen dazu verbunden sind, schlagen dann mit einem Stock oder Stab so lange dagegen, bis die Piñata platzt und ihren leckeren Inhalt freigibt.

Inzwischen sieht man solche Figuren immer öfter auch in Deutschland. Familie Bungartz brachte den Brauch aus Katies Heimat, dem US-Staat Wyoming, mit in die Eifel: Denn auch in den Vereinigten Staaten sei der Brauch, von Mexiko aus hinaufgewandert, mittlerweile fast überall zu erleben. Also haben sie jetzt zusammen diese besondere Corona-Piñata gebastelt – das sei doch, sagt Vater Gerd, eine gute Idee, „um uns und unsere Kinder daran zu erinnern, dass die Corona-Pandemie nicht vorbei ist“.

Zumal es vielen Eltern nicht leicht falle, den Nachwuchs „immer wieder an die Einhaltung der Regeln und Einschränkungen zu erinnern“.

 Deshalb haben Katie und Gerd Bungartz – die Eltern sind beide promovierte Molekularbiologen, das mag bei der Ideenfindung durchaus geholfen haben – mit ihren Kindern die Corona-Piñata gebaut. Und sie inzwischen auch zertrümmert, wie sich das gehört: Denn Eva feierte diese Woche ihren elften Geburtstag.

Die Stadtkyller Piñata ist also hinüber. Das echte Virus aber, sagt Gerd Bungartz, „wird uns leider noch etwas erhalten bleiben“. Deshalb bleibe in seiner Familie die Sorge groß, dass es mit der Eindämmung nicht funktioniere. Und dass vielleicht doch aus der Schule irgendwann der Anruf komme mit der Nachricht, dass man eine oder mehrere Klassen schließen müsse, weil sich jemand irgendwo angesteckt habe.

„Man muss alle immer wieder ermahnen“, sagt Gerd Bungartz, auch angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen in der Bundesrepublik und vielen weiteren Ländern. Der beste Weg zur Eindämmung sei, sich vernünftig zu verhalten und auch draußen Acht zu geben. Aber genau diese Dinge Kindern immer wieder erklären zu müssen, sei eben für alle Eltern eine Herausforderung.

Auch Katie und Gerd Bungartz haben bereits im Labor mit Viren gearbeitet, die sie in Zellkulturen einschleusten, um deren Reaktion zu beobachten.

Mit einem Impfstoff, auch wenn Russland bereits seinen „Sputnik“ bereithalte, rechnet Bungartz frühestens im Sommer 2021. Denn internationaler Standard sei, die Entwicklungsphase 3 abzuwarten – in der die Impfstoffkandidaten an einer großen Zahl von Gesunden und Covid-19-Erkrankten getestet werden.

Erst wenn feststeht, dass ein Präparat nicht nur die erhoffte immunisierende Wirkung hat, sondern zugleich auch ohne gravierende Nebenwirkungen funktioniert, soll es auf den Markt kommen. Alles in allem, schätzt auch Katie Bungartz – sie arbeitet in einem Unternehmen, das unter anderem auch Labor-Ausstattungen und Corona-Testgeräte herstellt – „brauchen wir noch eine lange Zeit, bis wir eine Lösung haben“.Eins aber stehe bereits fest: „Ich glaube, auf die nächste Pandemie sind wir besser vorbereitet.“