Mittelständische Betriebe wollen Stück vom Kuchen
Gerolstein · Als große Chance fürs regionale Handwerk preisen die Planer die mit mehreren Millionen Euro veranschlagte Kindertagesstätte in der Raderstraße, die als Projekt in öffentlicher-privater Partnerschaft (englisch: public-private-partnership - PPP) gebaut und betrieben werden soll. Das Handwerk in der Eifel zweifelt da noch ein wenig.
Gerolstein. "Die Unterlagen sind gerade erst raus, wir kennen sie noch nicht. Daher lässt sich zu Details momentan noch wenig sagen", sagt Dirk Kleis, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft der Mosel-Eifel-Hunsrück-Region.
Grundsätzlich stehe das Handwerk sogenannten PPP-Projekten aber durchaus positiv gegenüber. Kleis sagt: "Wenn dadurch Projekte zustande kommen, die ansonsten wegen der leeren öffentlichen Kassen nicht realisiert würden, ist das natürlich eine gute Sache." Ob die mittelständischen Handwerksfirmen vor Ort davon aber profitierten, sehen die Kollegen laut Kleis aber durchaus skeptisch. Kleis: "Oft genug ist es ja so, dass Großunternehmen sich solche Aufträge an Land ziehen und wir leer ausgehen."
Daher ist es für die Handwer kerschaft von besonderem Interesse, wie genau ausgeschrieben wird. "Werden Pakete gebildet, dass auch kleine mittelständische Unternehmen mitbieten können? Werden die Abschlagszahlungen so vereinbart, dass ein kleines Unternehmen nicht komplett in Vorlage treten muss, sondern die Vorfinanzierung überschaubar bleibt?" nennt Kleis zentrale Fragen.
Dieser Tage sind die Unterlagen für den sogenannten Teilnehmerwettbewerb für den Kindergarten rausgegangen. Dabei können sich Firmen melden, die am Projekt Interesse haben. Unter ihnen wird laut Hans-Hosef Hunz aus dem Rathaus dann eine Vorauswahl anhand genauer Kriterien getroffen. Wer dann weiterhin im Rennen ist, erhält die eigentlichen Ausschreibungsunterlagen. Danach folgt die Auftragsvergabe.
Damit ist die Stadt Gerolstein Pionierin in Rheinland-Pfalz: Zum ersten Mal soll der Neubau einer Kindertagesstätte als PPP-Projekt realisiert werden. Bis zum Ende 2012 soll in der Raderstraße Raum für acht Kita-Gruppen geschaffen werden.
Der private Auftragnehmer soll dabei nicht nur für den Bau verantwortlich sein, sondern auch für die Planung von Fassaden und Dach - sowie für die Instandhaltung der Anlage über einen Zeitraum von 25 Jahren. Während der Bau der Kita mit rund 3,5 Millionen Euro veranschlagt ist, soll das Gesamtpaket inklusive der 25-jährigen Wartung und Instandhaltung der Anlage rund elf Millionen Euro schwer sein.
Nach Ansicht der Projektentwicklungsgesellschaft des Landes Rheinland-Pfalz (PER), die das Vorhaben betreut und jahrelange Erfahrungen auf dem Gebiet öffentlicher-privater Partnerschaften hat, ist das Kita-Vorhaben wegen des vergleichsweise geringen Bauvolumens von rund 3,5 Millionen Euro auch für Mittelständler interessant. So könnten auch kleine Firmen den Zuschlag bekommen, beispielsweise wenn sie sich zu einem Bieterkonsortium zusammenschlössen.
Kleis findet die Idee gar nicht schlecht. Er sagt: "Genau darüber haben einige unserer Firmen bereits Überlegungen angestellt und sich die Unterlagen angefordert." Schließlich würden schon jetzt viele Firmen Hand in Hand zusammenarbeiten. Kleis sagt selbstbewusst: "Man kennt sich, kann sich aufeinander verlassen. Und Kita können wir sowieso."
Und auch als Subunternehmer könnten Handwerker vor Ort ein Stück vom großen Kuchen abbekommen. Schließlich beinhaltet der Instandsetzungs- und Wartungsvertrag laut PER, dass Mängel innerhalb kürzester Zeit behoben werden müssten. Die Heizung in einer Kita könne beispielsweise nicht drei, vier Tage ausfallen. Daher haben Handwerker vor Ort nach Ansicht der PER gerade für diese Aufträge "einen systembedingten Wettbewerbsvorteil gegenüber Billiganbietern, gerade aus weiter Entfernung".
Das sieht Kleis genau so, sagt aber: "Auch hier muss man genau schauen, wie die kurzen Reaktionszeiten definiert sind. Wenn eine Lampe innerhalb weniger Stunden ausgewechselt, die Heizung innerhalb eines halben Tages wieder in Gang gesetzt werden muss, können das sicherlich nur Handwerker vor Ort leisten." Werde hingegen nur von rascher Mängelbeseitigung gesprochen, könne das alles heißen, so Kleis.
Die Projektentwicklungsgesellschaft Rheinland-Pfalz (PER) wird gemeinsam mit der Stadt Gerolstein und der Handwerkskammer Trier (HWK) am Mittwoch, 26. Oktober, 19 Uhr, eine Informationsveranstaltung im Rathaus Gerolstein anbieten. Berichtet wird über das Gerolsteiner Projekt und die Möglichkeiten für regionale Betriebe, sich an einer Ausschreibung zu beteiligen. Darüber hinaus werden HWK-Vertreter über ihre Erfahrungen beim ersten PPP-Landespilotprojekt Südbad Trier berichten. Anschließend stehen alle Beteiligten für Fragen zur Verfügung.