Motoren sind interessanter als Kühe

Motoren sind interessanter als Kühe

HILLESHEIM. Bald ist es wieder soweit: Alle, deren Herz an Oldtimern hängt, werden sich vom 8. bis 10. September in Hillesheim zum 15. Internationale Oldtimer- und Veteranentreffen einfinden.

"Neulich war ich in Heinsberg bei Aachen zu einem Oldtimer-Treffen. Da hörte ich, wie man durch den Raum rief: ,Ach, da kommt ja der Hillesheimer Mann', und schon war ich umringt", berichtet Manfred Bauer. Der Oldtimer-Narr aus der Eifel, den jeder nur "Pat" ruft, ist bekannt in der Szene - und eine der treibenden Kräfte beim Oldtimer- und Veteranentreffen, das am Wochenende in Hillesheim stattfindet. Nur wenige Besucher wissen von der großen Einsatzbereitschaft vieler, damit auch die 15. Auflage des Treffens wieder stattfinden kann. Der gesamte Vorstand und viele Helfer sind vonnöten. "Ohne sie wäre die Veranstaltung nicht möglich", hebt der Vorsitzende Manfred Bauer hervor.Mit zwölf Männern fing es 1991 an

Mit Touristikausfahrt im Stil der 50er- und 60er-Jahre über die Dörfer und einem Corso durch die Altstadt bietet das Programm verschiedene Darbietungen. Für Kinder gibt es einen Fahrsimulator mit Lenken, Gasgeben und Bremsen. Seit Jahren strömen am zweiten Wochenende im September mit den unzähligen Zuschauern auch Fahrzeuge unterschiedlichster Bauarten und Kennzeichen nach Hillesheim. Im Jahr 1991 mit zwölf Männern gegründet, wuchs die Interessengemeinschaft seitdem kontinuierlich auf mehr als siebzig Mitglieder an. Das erste Treffen im gleichen Jahr glich einem Senkrechtsart von Null auf Hundert. Die Idee dazu brachte Manfred Bauer vom Urlaub aus Ostfriesland mit und dachte: "Das wäre doch was für Hillesheim." Mehr als 100 Anmeldungen aus der Bundesrepublik, den Niederlanden und Belgien liegen vor, und täglich kommen weitere hinzu. Mit Karl Theo Grett verbringt der Vorsitzende und Ideengeber viele Stunden am PC in Sachen Werbung, Grafik und Design. Gab es anfangs nur Autos und Motorräder, sind nun auch Nutzfahrzeuge, Baumaschinen und Bulldogs zu besichtigen. "Leider ist der ehemalige Viehmarktplatz und heutige Messeplatz zu klein, um alle Fahrzeuge abzustellen", berichtet der Gründer. Schon als Schulkind fand Manfred Bauer den Umgang mit Motoren interessanter, als die fünf Kühe der Familie hüten. Waren es erst nur Seifenkisten, die er aus Kinderwagenrädern mit Seillenkung von Strohballenbändern baute, so entstanden später aus alten Fahrradteilen funktionstüchtige Drahtesel. Fand sich kein Mantel, dann fuhr man auf den Felgen. Regel-recht belauert wurde Ende der 40er-Jahre der Metzger aus dem Nachbardorf, wenn er mit seinem Motorrad zum Vieheinkauf nach Oberehe kam. Seine NSU Quick stellte er stets am Dorfeingang ab. "War er im ersten Haus verschwunden, kamen wir Jungs hinter Scheunen und Ställe hervor, liehen uns sein Zweirad und fuhren abwechselnd über die Feldwege", erinnert sich der Motorfan. "Meist merkten wir rechtzeitig, wenn der Tank leer war, und stellten das Gefährt wieder an der Hauswand ab. Das ging paar Mal gut, bis der Metzger aus Dreis merkte, was da abging." Aus einem Kindertretroller wurde ein Motorrad nebst Sozius mit einem Motor vom Schrottplatz. Sein Traumberuf, Autoschlosser zu werden, zerplatzte wie eine Luftblase, denn seine Mutter beschloss, ihn in die Lehre zur Firma Bauer nach Hillesheim zu geben. Als Kriegerwitwe wusste sie, dass Maurer bei der Heu- und Kartoffelernte dort frei bekamen, also lernte ihr Sohn Maurer. Und statt des Schraubenschlüssels nahm er Steine in die Hand. Seine Motorkenntnisse halfen ihm, an eisigen Wintertagen statt auf der Baustelle unter Dach Mischmaschinenmotoren zu reparieren. "Es war wie eine Sucht, mich interessierten Motoren, und das ist auch heute noch so", gibt der Vorsitzende der Oldtimer- Veteranen zu. Nach Feierabend ging er auf den Schrottplatz, vergaß darüber oftmals, rechtzeitig zum Kühe melken in Oberehe zu sein. Dann setzte sich eben seine Schwester auf den Melkschemel. Eines seiner ersten Autos war ein NSU Prinz 4. Dieses - noch fahrtüchtige - Modell besitzt er bis heute, wird aber nur bei besonderen Anlässen aus dem Winterquartier geholt. "Die Vorliebe für Autos und Motoren brachte mein Mann mit in die Ehe, und unsere beiden Söhne wurden zwischen Elefantentreffen auf dem Nürburgring und Begeisterung für das Hobby ihres Vaters groß", berichtet seine Frau Hedi. Sie nimmt Telefonate und Faxe entgegen, besorgt die gewünschten Unterkünfte und entlastet ihren Mann im Büro. Neu ist in diesem Jahr ein Bauernhof auf 20 Quadratmetern Fläche als Ausstellunsgelände, auf dem Modellen von einst bis jetzt gezeigt werden. So kehrt der Initiator des werbeträchtigen Oldtimer-Spektakels für ein Wochenende an die Wurzeln seiner Kindheit zurück. Weitere Informationen über das Programm vom 8. bis 10. September unter www.vulkan-ig.de/oldtimer.htm