Mut zur (Markt-)Lücke

76, 77, 78…mein Freund Karl-Heinz und ich sind gerade bei einer Inventur der besonderen Art. Wir zählen die Schlaglöcher in der Bahnhofstraße in Daun, denn wir haben jetzt eine echte Marktlücke entdeckt.



Weltexklusiv werden wir die Schlaglöcher verkaufen, die Hälfte des Erlöses bekommt die Stadt. Mein lieber Mann, was sind wir doch zwei pfiffige Kerlchen. Auf so eine Idee muss man erst mal kommen.

"Ihr seid zu spät", meint Walburga lapidar, "irgendeine Gemeinde in Thüringen macht das schon längst." Was, von Ossis abgekocht? Das kann doch nicht sein! Wir Wessis sind doch die Erfinder der Marktwirtschaft. "Das sind wir auch nicht wirklich, wir behaupten es nur immer", erklärt uns Walburga. Langsam, aber sicher, beschleicht sich bei mir dann doch das Gefühl, vielleicht doch nicht an die richtige Frau geraten zu sein. Soll sie mich nicht unterstützen und nicht ständig mäkeln?

Egal, für solche destruktiven Gedanken habe ich jetzt keine Zeit. 112,113,114… Langsam wird es eng, 200 bräuchten wir schon. Die Ossis haben bis Donnerstag 155 Schlaglöcher verkauft, das müssen wir übertreffen.

Mal schauen, wie die das machen: Im thüringischen Niederzimmern kann man ein Schlagloch kaufen und dann nach der Sanierung eine Plakette mit einer Wunschaufschrift einlassen. Wie langweilig: Karl-Heinz und ich haben eine bessere Idee. Mut zur (Markt-)Lücke: Wir schneiden die Löcher aus der Straße, und die Käufer können sie mitnehmen.

Wie, gefährlich für Fahrzeuge? Als ob es eine Rolle spielt, ob das Loch drei oder 30 Zentimeter tief ist. Ah, da kommt Karl-Heinz mit dem Presslufthammer…