Mutmaßlicher Drogendealer aus der Vulkaneifel vor Gericht in Trier

Kostenpflichtiger Inhalt: Justiz : Drogenprozess: Frostiger Ton zwischen Gericht und Verteidigung

Zur Erinnerung: Im November 2016 angelte die Polizei in Daun ein Paar aus dem Verkehr, in dessen Auto sich größere Mengen Drogen und verschiedene Waffen befanden.

Der Fahrer P. stand unter Drogeneinfluss, ebenso seine Stieftochter auf der Rückbank. Im Herbst 2018 sollte dem heute 38-Jährigen P. und dessen damaliger Freundin R. gemeinsam vor dem Landgericht der Prozess gemacht werden. Doch P. meldete sich vor Verhandlungsbeginn krank und seine Ex-Freundin ging alleine ins Verfahren, wobei sie den abwesenden P. schwer belastete.

Sie bestätigte fast alle Anklagepunkte gegen P., insbesondere den gewerbsmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln. Die junge Frau war wegen Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Seit September 2019 steht ihr Ex-Freund vor der Dritten Großen Strafkammer des Landgerichts. Hier räumte er ein, dass sich in seinem Auto Drogen befunden hätten – die aber hätte seine Freundin R. dort deponiert. Sie sei die Drogenhändlerin gewesen und habe ihn mit in die Geschichte reingezogen.

Das ist ein schöner Ansatzpunkt für Verteidiger Hagen Seipel. Seit zwei Verhandlungstagen ist der Anwalt aus Euskirchen nach Kräften bemüht, diese Version zu untermauern. Er besteht auf der Vernehmung eines Zeugern J., der bestätigen könne, dass er selbst regelmäßig bei R. „eingekauft“ habe und dass der Angeklagte P. erst durch die Frau an die Drogen herangeführt worden sei. Das Problem ist, dass der Zeuge zuletzt in einem Trierer Obdachlosenheim logierte und gegen ihn ein Haftbefehl besteht. Mit dem Hinweis, der Mann lasse sich nicht als Zeuge laden, weil er über keine ladungsfähige Adresse verfüge, hat der Vorsitzende Richter Armin Hardt bisher auf die Anhörung des Zeugen verzichtet.

Verteidiger Seipel besteht seit zwei Verhandlungstagen auf der Ladung des Zeugen. Er hat die Aussetzung des Verfahrens beantragt, bis der Zeuge J. gefunden sei. Die Spannung, die sich zwischen Seipel und Hardt aufbaut, ist spürbar. Seipel wiederholt gestern, was er früher über die Ex-Freundin seines Mandanten gesagt hat: „Sie gilt als schwierige Person und ist die einzige Belastungszeugin. Auch hat sie im eigenen Interesse eine Belastungsmotivation gegen meinen Mandanten.“

Ob der Zeuge J. gefunden wird, zeigt sich beim nächsten Sitzungstermin am 11. Dezember, 13 Uhr. Für den Fall, dass er erscheinen und aussagen sollte, hat Vorsitzender Hardt die Beteiligten darauf hingewiesen, ihre Plädoyers vorzubereiten. Hardt: „Sie müssen dann Zeit mitbringen.“ Falls der Zeuge nicht kommt, wurden gestern schon einmal Überbrückungstermine bis in den Januar festgelegt.

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