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Nach 17 Jahren geht der Chef von Bord

Kommunalpolitik : Nach 17 Jahren geht der Gerolsteiner Chef von Bord

Nach mehr als 40 Berufsjahren, zuletzt als Bürgermeister und Beauftragter der Verbandsgemeinde Gerolstein, geht Matthias Pauly in den Ruhestand. In „seinem“ Rathaus ist er nun verabschiedet worden.

Manchmal kommt alles anders als geplant. Denn eigentlich hatte sich Matthias Pauly im Frühjahr noch dafür entschieden, nach 17 Jahren als Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein und als sogenannter Beauftragter weiterzumachen. Dann hätte er – Wahlerfolg natürlich vorausgesetzt – an diesem Abend wohl die Ernennungsurkunde als Verwaltungschef der neuen VG Gerolstein bekommen. Stattdessen steht die Verabschiedung durch die Noch-VG mit vielen Gästen im Foyer des Rathauses auf dem Programm. Pauly hatte sich letztlich wegen eines Augenleidens, das sich abrupt verschlechtert hat und über dessen Verlauf es keine sichere Prognose gibt, letztlich gegen eine erneute Kandidatur entschieden.

Am 9. September 2001 gewann Pauly als CDU-Kandidat völlig überraschend gegen zwei Mitbewerber, darunter der damalige SPD-Stadtbürgermeister Georg Linnerth, die Urwahl um das Amt der Bürgermeisters der VG Gerolstein und trat am 1. Januar 2002 die Nachfolge von Adolf Rodermann an. 2009 wurde er im Amt bestätigt – wieder im ersten Anlauf, wieder ließ er zwei Gegenkandidaten hinter sich.

Die Liste der Redner ist lang: Sie reicht von Karl-Heinz Frieden, Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Gemeinde- und Städtebunds und persönlicher Freund Paulys, bis zu dem, der das Bürgermeisterbüro im Rathaus an der Kyll im Januar bezieht, den künftigen Bürgermeister der neuen VG Gerolstein, Hans Peter Böffgen.

Der nach vielen Irrungen und Wirrungen Mitte vergangenen Jahres dann doch auf den Weg gebrachte Zusammenschluss der derzeitigen Verbandsgemeinden Gerolstein, Hillesheim und Obere Kyll ist für den scheidenen Verwaltungschef nach eigenem Bekunden das beherrschende Thema seiner Amtszeit.

„Die spannende Zeit, die Verwaltungen zusammenzuführen, hat ihm bestimmt Freude gemacht“, sagt Aloysius Söhngen als Vorsitzender des Gemeinde- und Städtebunds Rheinland-Pfalz, der als Bürgermeister der VG Prüm die gute Nachbarschaft mit Gerolstein hervorhebt – auch wenn es in Sachen Fusion durchaus unterschiedliche Auffassungen gegeben hat.

Manchen „Sturm“, den die kontroverse Diskussion um den Zusammenschluss der drei Verbandsgemeinden mit sich gebracht hat, haben Pauly und Heinz-Peter Thiel „gemeinsam bestanden“, erinnert sich der Landrat. Er habe sich den respektvollen, besonderen menschlichen Umgang, der Pauly ausgezeichnet habe, zum Vorbild genommen.

Da der scheidende Verwaltungschef nun künftig mehr Zeit habe, als Mann mit dem grünen Daumen im heimischen Garten oder auf einem Grundstück in Baustert (Eifelkreis Bitburg-Prüm), woher Pauly stammt, zu arbeiten, gibt es vom Landrat eine Obstbaumsäge. Und das ultimative Lob, das ein Eifeler aussprechen kann: „Hos de got gemaach.“ Die Verabschiedung Paulys ist auch für einen langjährigen Wegfährten Gelegenheit, zu verkünden, dass er in den kommunalpolitischen Ruhestand geht: Josef Bach (78) aus Birresborn, der 1. Beigeordnete der Noch-VG.

Er hat dem Bürgermeister zwei Mal, 2001 und 2009, die Ernennungsurkunde überreicht, und lobt Pauly unter anderem für dessen zügige Sitzungsleitung – wobei die Angaben, wie lang die kürzeste Sitzung gedauert hat, auseinander gehen: Bach spricht von zehn, Pauly erinnert sich hingegen an 17 Minuten. Und noch ein Weggefährte: Egon Schommers (Neroth) würdigt als dienstältester Ortsbürgermeister der VG die Unterstützung Paulys für die Gemeinden und freut sich, dass der künftige Pensionär auch weiter im Gerolsteiner Land wohnen wird.

Für Matthias Pauly ist für die vielen lobenden Worte das richtige Maß gefunden worden: „Es hat gut getan, und es war nicht zu viel.“ Für ihn steht nach der Verabschiedung in „seinem“ Rathaus gleich ein weiterer bedeutender Termin an: die Hochzeit seiner Tochter.

Völlig von der Bildfläche verschwinden wird Pauly nach dem 8. Januar, wenn er Hans Peter Böffgen ins Bürgermeisteramt einführt, nicht. Im DRK und Eifelverein will er sich weiter engagieren, und auch auf der kommunalpolitischen Ebene kann es weitergehen – wenn die Wähler mitspielen: Pauly steht der Kandidatenliste der CDU für die Kreistagswahl im Mai.