Nach fünf Jahren Aus für das Erfolgsmodell

Nach fünf Jahren Aus für das Erfolgsmodell

"Eine Erfolgsgeschichte" nennen Berthold Schmitz, Verena Bernardy (Kreisverwaltung) und Franz-Josef Jax (Jobcenter) das Programm des Landkreises Vulkaneifel "zur Integration besonders benachteiligter Jugendlicher" - kurz "Juma". Dennoch wird es nach fünf Jahren Ende des Jahres eingestellt.

Daun. Im Naturschutzgebiet "Sangweiher" bei Mehren sind in diesen Tagen fünf junge Männer dabei, die Ränder der Tümpel zu begradigen, die zuvor mit der Baggerschaufel ausgehoben worden waren. "Sie laufen mit Wasser voll, und dann können Pflanzen darin wachsen", sagt einer der jungen Arbeiter. Die fünf haben Reisighaufen aufgeschichtet - "für Schlangen, Lurche und Frösche als Unterschlupf", erklärt ein anderer. Drei Wochen soll ihr Einsatz am Sangweiher dauern. "Dann haben wir in Steinborn zu tun", erzählen sie.
Dass die jungen Männer jetzt so konzentriert und gewissenhaft am Sangweiher im Einsatz sind, ist nicht selbstverständlich. Denn eigentlich sind sie arbeitslos und - wie es im Fachjargon heißt - "benachteiligt mit Integrationshemmnissen". Soll heißen: Ihnen fehlt es an Sprachkenntnissen, am Hauptschul- oder an einem Berufsabschluss, ihr Umfeld ist negativ, sie schätzen sich und ihre Zukunft falsch und unrealistisch ein, sie sind seelisch oder körperlich krank. Deshalb haben sie vom Jobcenter einen Platz in der "Juma" bekommen. Und deshalb sind auch der Arbeitspädagoge Ghotamreza Asgari (Demerath) und der Garten- und Landschaftsbauer Lutz Lambrecht (Utzerath) an ihrer Seite.
"Ich habe zuerst eine KFZ-Lehre und dann die Qualifizierung für den Beruf des Tischlers abgebrochen", erzählt ein 19-Jähriger dem TV. Seit April habe er einen Platz bei der "Juma". "Die Arbeit macht Spaß, und es ist besser, als zu Hause rumzuhängen", erklärt er. Ein Gleichaltriger berichtet, dass er nach dem Hauptschulabschluss Koch werden wollte, aber keine Lehrstelle gefunden habe. Er jobbte als Gerüstbauer und ist nun bei der "Juma". Hier erhalte er auch Unterstützung, wenn er Bewerbungen schreibe. "Ich möchte Bäcker oder Lagerverwalter werden", sagt er.
Der gebürtige Iraner Ghotamreza Asgari ist seit 2009 im Auftrag des Jobcenters Anleiter von arbeitslosen Jugendlichen. "Überwiegend fleißig", bescheinigt er ihnen. "Allerdings muss ich jede kleinste Aufgabe neu stellen und die Jugendlichen an jede Arbeit heranführen und ihre Ausführung überwachen", erklärt er.
Jugendliche für Beruf fit machen


Die Arbeiten vergibt die Kreisverwaltung, etwa der Sachbearbeiter bei der Unteren Naturschutzbehörde, Ulrich Buchs. "Ich bin ein überzeugter Freund der ,Juma\'", sagt er. Es werde "prima Arbeit" geleistet; es seien Maßnahmen umgesetzt worden, die es ohne "Juma" nicht gegeben habe, betont Buchs.
Von dem Erfolg der "Juma" sind auch die Verantwortlichen beim Jobcenter und bei der Kreisverwaltung überzeugt: Berthold Schmitz als Geschäftsbereichsleiter und Franz-Josef Jax als Leiter des Jobcenters. Jax skizziert die Geschichte der "Juma" (siehe Hintergrund), er nennt als weitere Einsatzorte Basberg und Bleckhausen, das Weinfelder und Gemündener Maar, den Dronketurm, die Kyllwiesen.
"Im Vordergrund steht aber immer, dass der Jugendliche sich für den Schulabschluss, eine Ausbildungsstelle oder den Arbeitsmarkt positiv entwickelt", betont Jax. Diese Entwicklung sollte sich innerhalb eines halben Jahres abzeichnen.
"Die meisten haben eine gute Entwicklung genommen", berichtet Berthold Schmitz. Kreispressesprecherin Verena Bernardy liefert die Zahlen dazu: Von den 103 Jugendlichen, die seit dem 16. Oktober 2006 einen Platz in der "Juma" hatten, sind 30 in die Ausbildung oder die Arbeit vermittelt worden. Für Franz-Josef Jax eine "sehr hohe Quote". Dass die Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen im Landkreis Vulkaneifel nur 3,3 Prozent beträgt und davon nur 1,1 Prozent vom Jobcenter betreut werden, bewertet er als "nahe am Idealzustand dank ,Juma\'". Und da der Bund zum 1. Januar 2012 drastische Mittelkürzungen für die Betreuung von Arbeitslosen angekündigt habe, laufe die "Juma" Ende des Jahres aus. Bislang gab es pro jahr 50 000 euro Zuschuss. Das sei vertretbar, denn der Bedarf sei ja auf ein Minimum zurückgegangen, erklärt Jax.