Nach Gerolsteiner Geiselnahme: Mitarbeiter der Behörden fühlen sich sicher

Nach Gerolsteiner Geiselnahme: Mitarbeiter der Behörden fühlen sich sicher

Der Macheten-Angriff auf einen Mitarbeiter im Gerolsteiner Sozialamt hat eine Debatte über die Sicherheit der Beschäftigten ausgelöst - auch in den anderen Kommunalverwaltungen im Kreis. Zusätzliche Vorkehrungen sind aber nur im Gerolsteiner Rathaus Thema.

Gerolstein/Daun/Hillesheim/Kelberg/Jünkerath. Eine Machete. Damit bedroht ein Mann ´´ einen Mitarbeiter. Er hat ihn in seiner Gewalt. Fast eine Viertelstunde lang. Seine Begründung: Seine Heizung funktioniere seit geraumer Zeit nicht mehr, und niemand kümmere sich darum.

So etwas kennt man nur aus der Großstadt? Weit gefehlt: Am 10. Februar geschah genau das im Rathaus in Gerolstein (der TV berichtete). Zwar entwaffnete die Polizei den Mann und nahm ihn fest, ohne dass jemand körperlich verletzt wurde. Doch der betroffene Beamte ist aber nach wie vor krankgeschrieben und kämpft damit, die Folgen der lebensbedrohlichen Situation psychisch zu verarbeiten. Die beiden weiteren Rathausmitarbeiter, eine junge Frau und ein Mann, sind mittlerweile wieder im Dienst.

Die Rathausspitze macht sich bereits seit dem Vorfall Gedanken, wie die Sicherheit der Mitarbeiter erhöht werden kann. Bürgermeister Matthias Pauly sagte auf TV-Anfrage: "Ich habe mit den Fachbereichsleitern und dem Personalrat bereits darüber gesprochen, was gemacht werden könnte. Noch ist aber keine Entscheidung gefallen. Wir werden in aller Ruhe nachdenken." Auch seien die betroffenen Mitarbeiter gefragt worden, was sie sich wünschen. Vier Lösungsmöglichkeiten stehen laut Büroleiter Hans-Josef Hunz im Raum: erstens ein Seminar, wie man sich am besten in solchen Situationen verhalte. Zweitens eine technische Lösung wie ein Alarmknopf unter dem Schreibtisch, drittens ein Umstellen des Mobiliars in den Büros und viertens den Umzug der betroffenen Mitarbeiter in ein anderes Büro. Hunz sagt: "Wir werden mit Sicherheit keine Security vors Haus stellen."

In den anderen öffentlichen Verwaltungen im Kreis wird unterschiedlich mit dem Thema umgegangen.

Verena Bernardy, Pressesprecherin der Kreisverwaltung sagt: "Wir haben in allen Abteilungen mit Publikumsverkehr bereits seit Jahren ein Sicherheitssystem, mit dem über den PC die Kollegen im Notfall alarmiert werden können. Darüber hinaus planen wir kein weiteres Sicherheitskonzept."

Ein Fall wie im Gerolsteiner Rathaus wird als absolute Ausnahme gesehen. Zwar kommt es "in Bereichen, in denen Menschen in schwierigen Lebenssituationen, sozialen Schwierigkeiten, Sucht- oder Drogenproblemen, betreut werden, immer wieder mal zu verbalen Auseinandersetzungen", sagt Bernardy. Aber weder hätten das Aggressionspotenzial noch die Anzahl solcher Fälle zugenommen.

Auch im Rathaus in Daun ändert sich nichts. Arnold Schneider, Büroleiter der Verbandsgemeindeverwaltung Daun, sagt: "Verbale Bedrohungen kommen bei uns so gut wie nicht vor." Für zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen werde daher auch kein Bedarf gesehen.

Gleiches gilt für das Rathaus in Hillesheim. So sagt Bürgermeisterin Heike Bohn: "Ich halte es für überzogen, aus dem Gerolsteiner Fall für uns größere Konsequenzen zu ziehen. Es handelt sich um einen absoluten Einzelfall, der so oder ähnlich bei uns noch nie vorgekommen ist." Ganz selten gebe es verbale Entgleisungen den Rathausbeschäftigten gegenüber. Bohn sagt: "Mir ist wichtig, dass das Rathaus während der Öffnungszeiten den Menschen offen steht. Ein Sicherheitskonzept könnte ja nur so aussehen, dass die publikumsintensiven Bereiche durch Glasscheiben gesichert sind. Das will natürlich niemand. Ich plane auch nicht, ein Sicherheitskonzept zu erstellen."

Im Rathaus in Kelberg werden nach Worten von Büroleiter Johannes Saxler ebenfalls "keine Konsequenzen in Erwägung gezogen". Er erläutert: "Körperliche Bedrohungen hat es im Rathaus in Kelberg bislang nicht gegeben. Es kommt zwar äußerst selten mal zu verbalen Anfeindungen. In der Regel glätten sich die Wogen aber noch im gleichen Gespräch wieder."

Aus dem Rathaus in Jünkerath gab es keine Antwort auf unsere Anfrage.