Nach Rauchgasunfall im Gerolsteiner St.-Matthias-Gymnasium: Schülern und Lehrern geht es wieder gut

Nach Rauchgasunfall im Gerolsteiner St.-Matthias-Gymnasium: Schülern und Lehrern geht es wieder gut

Der Vorfall im St.-Matthias-Gymnasium in Gerolstein, bei dem vier Schüler und vier Lehrer durch das Brennen einer Tonfigur eine Rauchgasvergiftung erlitten haben, hat ein Nachspiel: Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung und hat unter anderem den Kunstlehrer im Blick, der den Ofen bestückt und eingeschaltet hat.

Der Brennofen, aus dem der Qualm kam, der die Schüler und Lehrer vergiftete, war eventuell für den Betrieb in einer Schule gar nicht zugelassen. Foto: (e_gero )

Gerolstein. Die gute Nachricht zuerst: Alle Verletzten sind wieder gesund.
Beim Brennen einer Tonbüste am Freitag vergangener Woche im St.-Matthias-Gymnasium hatte es aus dem Ofen angefangen zu qualmen - zuerst leicht, dann immer stärker. Der Grund: An der Büste haftete noch Silikon, das verbrannte und dabei Qualm erzeugte. Dadurch haben acht Menschen eine Rauchgasvergiftung erlitten: vier Lehrer und vier Schüler.

Zunächst hatten die Einsatzkräfte - Feuerwehr, DRK und Polizei - keinen Hinweis darauf, dass jemand verletzt wurde. Die Sanitäter rieten dennoch, dass sich die Anwesenden im Krankenhaus untersuchen lassen sollten. Das haben einige auch getan. Während die vier betroffenen Lehrer sofort wieder entlassen worden sind, wurden vier Jungen (ein 14- und drei 15-Jährige) stationär aufgenommen.
Laut Kriminalhauptkommissarin Natalie John, die den Vorfall untersucht, "blieben zwei Schüler für einen Tag im Krankenhaus, zwei Schüler sogar bis Montag - es wurden deutlich erhöhte Co2-Werte im Blut der Jungs festgestellt." Davon hat die Polizei aber erst zu Wochenbeginn erfahren und daraufhin ihre Ermittlungen forciert. John: "Es steht der Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung im Raum."

Inzwischen hat die Polizei mit den Ärzten, einer betroffenen Lehrerin, der Schulleitung und zwei betroffenen Schülern und deren Eltern gesprochen. Die Vernehmung des Kunstlehrers, der den Ofen bestückt und eingeschaltet hat, steht noch aus. "Man kann es als fahrlässig bezeichnen, dass er das Silikon an der Tonfigur gelassen hat", sagt John, die noch auf einen anderen Punkt gestoßen ist: "Der Brennofen entspricht möglicherweise nicht den Unfallverhütungsvorschriften für Schulen." Laut Paragraf 26 heißt es: "Für Brennöfen sind Maßnahmen gegen die Abgabe von Gefahrstoffen in die Raumluft zu treffen (z. B. durch Entlüftung ins Freie)." Damit könnte es nach Einschätzung der Polizei weitere Verantwortliche geben. Die Ermittlungen dauern an.

Bislang zeichnet sich für die Polizei folgendes Bild ab:
Der Kunstlehrer hatte den Ofen, der in einem Raum im Erdgeschoss steht, mit einer großen Büste aus Ton (an der noch Silikon haftete) bestückt und ihn eingeschaltet. Dann hat er sich ins Wochenende verabschiedet. Der Brennvorgang sollte übers Wochenende laufen. "Laut Schule ist dies eine übliche Praxis", sagt John. Währenddessen war die Theater AG mit 15 Schülern im gleichen Geschoss mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Als die betreuende Lehrerin einen Besen aus dem Raum holen wollte, in dem der Ofen steht, bemerkte sie ungewöhnlichen Geruch. Sie rief einige Schüler und fragte, ob sie dies auch riechen würden. Danach versuchte sie - vergeblich - den Hausmeister zu erreichen. Sie schickte die Schüler aus dem Gefahrenbereich und holte zwei Kollegen zu Hilfe. Da es ihnen nicht gelang, den Ofen auszuschalten, wurde ein Kunstlehrer von zuhause um Hilfe gebeten. Der kam und zog den Stecker des Ofens. Es qualmte jedoch weiter - und immer stärker. Die Lehrerin setzte einen Notruf ab.
Währenddessen wollten die Lehrer die Fenster öffnen, die aber ohne Schlüssel nur zu kippen waren. Erst als die Schlüssel am anderen Ende der Schule besorgt wurden, gelang das Lüften. Die Feuerwehr, die mit 26 Kräften anrückte, hatte das Problem dann rasch im Griff: Sie blies den Rauch ab, öffnete den Ofen und brachte den qualmenden Tonkopf ins Freie.

Die Schulleitung wollte sich zunächst gegenüber dem TV zum Vorfall äußern, machte dann aber einen Rückzieher.
Am Donnerstag dieser Woche teilte Schulleiterin Jutta Schmitz mit, die Stellungnahme sei auf der Homepage der Schule zu finden. Bedingt durch das laufende Verfahren sei sie nicht befugt, weitere Auskünfte zu geben. Auf der Homepage wurde am Dienstagabend, viereinhalb Tage nach dem Vorfall, folgende knappe Mitteilung veröffentlicht: "Rauchentwicklung - Zwischenfall am SMG: Da sie dem Rauch in unterschiedlicher Intensität ausgesetzt waren, wurden vier Schüler und vier Lehrkräfte im Krankenhaus in Gerolstein untersucht.
Während die Lehrkräfte nach den Untersuchungen das Krankenhaus verlassen haben, wurden die Schüler dort für ein beziehungsweise zwei Tage behandelt." Überdies wird auf die Homepage der Freiwilligen Feuerwehr Gerolstein verwiesen.

Während die Schulleitung die konkreten Fragen des TV (Wie geht es den Verletzten? Wie alt sind die betroffenen Schüler? Wie kam es genau dazu, dass die Kinder sich verletzt haben? Sehen Sie ein Fehlverhalten von Lehrkräften?) nicht beantworten wollte, hat sie offenbar das Kollegium und die Elternvertretung rasch informiert.
Schulelternsprecherin Monika Streicher sagt: "Frau Schmitz hat am Freitagabend versucht, mich telefonisch zu erreichen. Zudem hat sie die Mail an die Kollegen auch an mich weitergeleitet. Darin informierte sie über den Vorfall und dass niemand zu Schaden gekommen war. Samstagnachmittag, nachdem klar war, dass es doch Verletzte gab, hat sie mich dann nochmals angerufen und mich ausführlich informiert." Grundsätzlich werde sie stets umfassend über die Vorgänge in der Schule informiert, sagt die Schulelternsprecherin: "Das klappt."