Nachts sind Taxis Mangelware

Nachts sind Taxis Mangelware

DAUN. Taxi-Suche - das kann im nächtlichen Daun zu einer Geduldsprobe werden, denn nur die wenigsten Unternehmer in Daun sind dann noch unterwegs. Und wer Pech hat, findet überhaupt kein Transportmittel mehr.

Öfter im Jahr kommt Marie-Luise Pantenburg, die aus Daun stammt und seit 28 Jahren in Bayern wohnt, in ihre Heimatstadt und trifft sich dort mit ihrer besten Freundin. Die wiederum stammt aus Darscheid. Das Wiedersehen wird gemütlich beim Griechen oder Italiener gefeiert, anschließend gehts durch die Dauner Kneipen. Was in der Nacht vom ersten auf den zweiten Weihnachtstag aber danach passierte, sorgte bei Marie-Luise Pantenburg für Ärger. Zehn Mal versucht - keine Reaktion

"Unsere gute Laune änderte sich jäh, als wir ab Mitternacht verzweifelt versuchten, telefonisch ein Taxi zu bestellen, das meine Freundin nach Darscheid zurück bringen sollte. Einige Stunden lang haben wir und die Bedienungen in zwei Lokalen es bestimmt zehn Mal versucht, aber wir haben niemand erreicht.", berichtet Marie-Luise Pantenburg. "Manchmal konnte man auf eine Mailbox sprechen, aber darauf hin kam auch kein Taxi", sagt sie. "Es ist doch ein Unding, dass man an einem Feiertag hier kein Taxi bekommt, und es ist auch kein Einzelfall, denn es ist mir schon öfter passiert", regt sie sich auf. Marie-Luise Pantenburg ging von einem Tag- und Nacht-Dienst aller Taxiunternehmen aus, aber so etwas gibt es in Daun nur bei einem Unternehmen, wie eine Nachfrage des TV bei den vier Taxi-Betrieben ergab. Normalerweise ist eine Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft via Taxikonzession vorgesehen. Aber die Umsetzung dieser Vorgabe ist in einer Kleinstadt wie Daun mit seinen kleinen Unternehmen nicht so leicht möglich. "Eine Nachtbereitschaft lohnt sich für mich nicht, da ich nur ein Taxi habe und deshalb niemanden einstellen kann und ich nicht auch noch nachts fahren kann. Wenn jemand anruft, gehe ich nicht ans Telefon, weil ich eben schlafe", sagt Ingrid Melle, Inhaberin des Taxibetriebs Blonigen. In der Silvesternacht hatte sie beispielsweise nur zwei vorbestellte Fahrten. Auch Klaus Römer von Taxi Römer sieht in einem ganzwöchigen Nachtbetrieb keinen Sinn. "Die ganze Nacht auf Kundschaft zu warten, ist in Daun einfach nicht vertretbar, weil hier nach Mitternacht nichts mehr läuft. Ich fahre alleine, und wenn ich die ganze Nacht in Bereitschaft wäre, wie soll ich dann morgens die bestellten Fahrten absolvieren?", fragt Römer. Am Wochenende fährt Römer bis etwa 2 Uhr in der Nacht, solange eben die wenigen Kneipen noch geöffnet haben. Zumindest Freitag- und Samstagnacht hat Markus Berns, der vor einem Jahr den Taxibetrieb Ganser mit fünf Fahrzeugen übernommen hat, einen Nachtdienst mit einem Fahrer. Aber auch für ihn lohnt sich der Betrieb nicht: "Es gibt in Daun keinen Bahnhof und nur ein paar Kneipen, und wenn nachts gar nichts läuft, macht der Fahrer eben Feierabend. Ich lege Geld drauf bei den wenigen Fahrten." Zur Kritik von Marie-Luise Pantenburg, dass niemand erreichbar war, erklärt Berns, dass "ein Funkloch hier vielleicht die Ursache war." Nächtliche Anrufe würden automatisch zum Handy des Fahrers umgeleitet. Die vierte Taxifahrerin in der Kreisstadt, Gabi Schüller aus Steinborn, besitzt auch nur eine Taxikonzession, steht aber auch in der Woche für Nachtfahrten zur Verfügung. Am Wochenende arbeitet ein zusätzlich eingestellter Fahrer für sie. "Wenn das Taxi allerdings auf einer großen Tour unterwegs ist, dann muss der Kunde natürlich warten", erklärt sie. Einen guten Rat haben Ingrid Melle wie auch die anderen Dauner Taxiunternehmen für die Kunden parat, die spät noch eine Droschke brauchen. "Wenn jemand vorher Bescheid sagt, dass er in der späten Nacht ein Taxi braucht, dann ist das kein Thema und er wird auch garantiert abgeholt."