Nächste Etappe pro A1-Lückenschluss zwischen Kelberg und Adenau

A1-Ausbau : Nächste Etappe pro A1-Lückenschluss zwischen Kelberg und Adenau geschafft

Das Planfeststellungsverfahren für die A1 wird noch 2017 eröffnet. Laut Andy Becht, Staatssekretär im Verkehrsministerium, werden diesen Freitag die Unterlagen eingereicht.

Auf diese Nachricht haben viele gewartet: „Verkehrsminister Volker Wissing hat nach der Regierungsbildung angekündigt, dass 2017 das Planfeststellungsverfahren für die A.1 eröffnet wird. An diesem Freitag werden wir die Unterlagen einreichen und die Planfeststellung somit auf den Weg bringen“, sagte Andy Becht, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Verkehrsministerium, bei einer von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier organisierten Diskussionsveranstaltung zum Autobahnprojekt in Daun. Zu der waren rund 200 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung sowie viele Bürgermeister und interessierte Bürger in den Firmensitz des Dauner Unternehmers Peter Lepper gekommen. Es war dort bereits die zweite Veranstaltung zu diesem Thema binnen weniger Jahre.

Konkret geht es bei der Ankündigung von Becht um das 10,5 Kilometer lange rheinland-pfälzische Teilstück zwischen den Anschlussstellen Kelberg und Adenau, das gut 200 Millionen Euro kosten soll.

Wann die ersten Bagger anrollen, kann damit noch nicht gesagt werden. Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Wissing (FDP) hat als Ziel ausgegeben, bis 2021 Baurecht zu haben. Die gesamte Lücke der A.1 auf der rheinland-pfälzischen und nordrhein-westfälischen Seite beträgt 25 Kilometer. Hans Ludwig, Spediteur aus der Vulkaneifel, der erst kürzlich in seinen Firmensitz am Autobahnende an der Anschlussstelle Kelberg erheblich investiert hat, sagte: „Ich biete an, die Akten persönlich mit einem LKW nach Koblenz zu bringen.“ In der dortigen Zentrale des Landesbetriebs Mobilität (LBM) läuft das Planfeststellungsverfahren zum A1-Lückenschluss.

Bechts Information sorgte spontan für Applaus unter den Gästen, einige sagten verwundert: „Das hätte ich jetzt nicht geglaubt! oder „Wow, das sind mal gute Neuigkeiten!“ Peter Adrian, Präsident der IHK Trier, meinte, dass bei vielen Unternehmern in der Region in Sachen A.1 „die Frustrationsgrenze bereits überschritten“ sei, einige hätten gar den Glauben an den Lückenschluss bereits verloren.

Co-Gastgeber Peter Lepper berichtete: „Wir sind 1977 nach Daun gekommen, weil uns ein günstiger Grundstückspreis angeboten und uns versichert wurde, dass der Lückenschluss bald kommt. Jetzt warten wir 40 Jahre darauf. Ein Desaster erster Güte.“

Spediteur Ludwig gestand in der Diskussionsrunde ein, „dass wir ein Ärgernis für viele Menschen sind, da wir mit unseren LKW durch die Dörfer fahren müssen, aber wir können es leider nicht ändern, denn die Produkte müssen ja zu den Kunden.“ Die damit verbundenen großen Umwege und der Zeitverlust bedeuteten für ihn, wie auch für viele andere Unternehmer, deutlich höhere Kosten. Laut einer Berechnung von IHK und Landesbetrieb Mobilität (LBM) werden durch den Lückenschluss jährlich 66,5 Millionen Kilometer weniger Auto und LKW gefahren. Heinz-Peter Thiel, parteiloser Landrat des Kreises Vulkaneifel, meinte daher auch unmissverständlich: „Wir brauchen jetzt keine Alternativen oder neue Gutachten mehr, sondern den Lückenschluss der 25 Kilometer. Das wird DER Impulsgeber für die Region sein. Nichts anderes ist vergleichbar.“ Denn die Eifel sei „verkehrstechnisch schlecht versorgt und über viele Jahre einfach vergessen worden“. Dafür verantwortlich machte er die rheinland-pfälzischen Landesregierungen – gleich welcher Couleur und Zusammensetzung – der vergangenen 50 Jahre. „Sie haben zu wenig für unsere Region gemacht.“

Was sie und ihre Mitarbeiter in den vergangenen Jahren alles für das Schließen der Autobahnlücke getan haben, skizzierte Edeltrud Bayer, Leiterin des LBM Trier. Dort wird der Lückenschluss geplant. Auf die Frage, weshalb alles so lang dauere und man kaum Fortschritte sehe, führte sie vor allem das komplexe Planungsrecht sowie die „verschärften Richtlinien in Sachen Umweltschutz“ an. Bayer: „Für jede bedrohte Vogelart müssen wir ein Gutachten erstellen lassen, und das dauert jeweils ein Jahr.“

Auch der „Kampf um die Flächen – rund 900 Hektar werden auf RLP-Seite für den Autobahnbau und Ausgleichsflächen benötigt – gestalte sich schwierig. „Denn viele Landwirte wollen nichts abgeben, da sie um ihre Existenz fürchten“, sagte Bayer. Inzwischen stünden aber rund 50 Prozent zur Verfügung. Dass nun die „16 Aktenordner eingepackt und vorgelegt werden, damit das Planfeststellungsverfahren eingeleitet wird“, wertet sie als einen „entscheidenden Schritt“. Sie gab sich zuversichtlich. „Wir werden das mit der A.1 schaffen.“

Kommentar
Dranbleiben!
Erstens die Nachricht, dass dem A.1-Lückenschluss (gemeinsam mit anderen Projekten) die höchste Priorität im Bundesverkehrswegeplan eingeräumt wird. Zweitens die Zusage, dass das dafür nötige Geld (mehrere 100 Millionen Euro) bereitsteht. Und nun, drittens, die Ankündigung, dass an diesem Freitag die Unterlagen eingereicht werden, damit das Planfeststellungsverfahren für das rheinland-pfälzische Teilstück der A.1 endlich eröffnet werden kann. Das alles zeigt: Es kommt Bewegung in das Verkehrsinfrastrukturprojekt, das wie kein anderes für die Eifel, ja die gesamte Region Trier, höchste Bedeutung hat. Und das ist eine gute Nachricht!

Man darf aber nicht dem Irrglauben verfallen, dass damit schon bald die Bagger anrollen und die Region in absehbarer Zeit näher an den Großraum Köln und das Ruhrgebiet angebunden sein wird.

Denn wenn die bereits etliche Jahrzehnte dauernde Endlosgeschichte A.1 eines gelehrt hat, dann dies: Von alleine tut sich gar nichts!

Daher ist es wichtig, den öffentlichen Druck aufrechtzuerhalten, permanent auf Landes- und Bundespolitik einzuwirken, das Thema am Kochen zu halten. Das geht durch solche Veranstaltungen wie dem Forum in Daun, das vorbildlich von Unternehmerseite ins Leben gerufen wurde. Das funktioniert aber auch durch solch öffentlichkeitswirksame Aktionen wie die Sammlung von 34.000 (!) Unterschriften für den Lückenschluss, die 2012 in der Staatskanzlei in Mainz überreicht worden sind. Warum nicht noch einmal so etwas initiieren?

Es gilt: Dranbleiben!

m.huebner@volksfreund.de