Naturbotschafter und ein mobiles Klassenzimmer

Boxberg · Die Mitarbeiter des Natur- und Geoparks Vulkaneifel wollen mit einem neuen Bildungskonzept, das sowohl auf Kindergartenkinder als auch auf Erwachsene zugeschnitten ist, die Menschen der Region für die Vulkaneifel begeistern - und sie so zu vielen Botschaftern der einzigartigen Landschaft machen. Jetzt haben sie ihre Pläne vorgestellt.

Boxberg. "Viele wissen nicht, dass sie in einem Natur- und Geopark leben", sagt Geschäftsführer Andreas Schüller. Deshalb haben er und seine Mitarbeiter als einziger von insgesamt 107 Naturparks in Deutschland einen Masterplan aufgestellt. Einer der Bausteine sieht vor, die Menschen in der Region für ihre Umgebung zu sensibilisieren, die Kompetenz bei Natur und Geologie zu stärken. Und letztlich soll das Wissen um die besondere Natur in der Vulkaneifel und die verstärkte Imagebildung auch dazu führen, dass mehr Menschen in der Region bleiben oder sogar dort hinziehen.
Schüller gibt zu, dass es schon eine ganze Reihe von Institutionen gibt, die Umwelterziehung anbieten. Beim Natur- und Geopark gehe es aber nicht um einzelne Aktionen, sondern Kontinuität. Das heißt, dass schon die Kinder sensibilisiert werden für die nahe Umgebung. Es geht um Ökologie, Ökonomie, Geowissenschaften sowie soziale und kulturelle Aspekte. Dabei sollen die Inhalte so gestaltet sein, dass die Themen in allen Stufen des Bildungssystems immer wieder aufgegriffen werden können.
Projektleiter sind der Geologe Achim Herf und der Biologe Birger Führ. Wie Herf erfahren hat, ist das Thema Geologie keineswegs zu schwierig für Kinder. "Es ist erstaunlich, welches Wissen und welche Interessen die Kinder bereits im Kindergarten haben."
Für Schüller und Herf ist es klar, dass sie die Bildungsarbeit nicht alleine mit ihrem kleinen Team leisten können. Deshalb möchten sie vor allem Erzieher und Lehrer weiterbilden, damit diese die Kenntnisse weitervermitteln.
Beispiel Gillenfeld


Ein Beispiel, wie eine solche Umweltbildung funktionieren kann, ist die Schule in Gillenfeld. Laut Werner Klöckner, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daun und Vorsitzender des Aufsichtsrats des Natur- und Geoparks, wird dort die Zusammenarbeit schon praktiziert. Klöckner: "Es ist vermutlich die erste Natur- und Geoparkschule der Welt." Die Schüler haben unter anderem einen Garten, in dem sie selber Essen anbauen können, und gehen auch häufiger hinaus in die Natur, um dort zu lernen.
Aber Hilfe gibt es auch von anderer Seite. Die Gästeführer in der Vulkaneifel sollen weitergebildet werden und dieses Wissen dann auch weitergeben. Weiterhin möchten die Mitarbeiter des Natur- und Geoparks Juniorranger ausbilden. Das sollten Mädchen und Jungen im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren sein, die ihr Wissen dann an andere Jugendliche vermitteln und Interesse wecken.
Ein Wunsch, der nach Möglichkeit noch in diesem Jahr realisiert werden soll, ist eine Art mobiles Klassenzimmer. Schüller und Herf denken dabei an einen kleinen Wohnanhänger, der mit einem normalen Auto gezogen werden kann und in dem alles Notwendige wie Lupen, Mikroskope und Ähnliches vorhanden sind.
Die Kosten für das Projekt werden mit rund 15 000 Euro veranschlagt. Diese werden zunächst aus den Mitteln des Naturparks bestritten. Klöckner hofft aber auf weitere Fördermittel, zum Beispiel aus dem europäischen Leaderprogramm.
Extra

Lernen in der Schule kann manchmal ganz schön blöd sein. Da sitzt man jeden Tag im selben Raum, schaut nach vorne zur Tafel. Das kann richtig müde machen. Viel schöner wäre es doch, nach draußen zu gehen und dort zu lernen. Da kann man die Dinge, über die man etwas erfahren möchte richtig sehen und anfassen. Zum Beispiel könnt ihr da Bodenproben nehmen und mit einem Mikroskop sehen, was für Tierchen da kreuchen und fleuchen. Oder Steine genau anschauen. Denn davon gibt es in der Eifel ganz viele unterschiedliche. Im Natur- und Geopark wollen sie jetzt noch viel mehr Kindern ermöglichen, nicht nur in der Schule, sondern auch draußen zu lernen. noj