Naturschützer im Einsatz für Wacholderheiden
Daun-Rengen/Bleckhausen · Naturschützer kümmern sich in Daun und Bleckhausen um den Erhalt von Wacholderheiden. Noch vor 100 Jahren prägten diese Kulturlandschaften das Bild der Eifel, seit Beginn der industriellen Landwirtschaft sind sie jedoch selten geworden.
Daun-Rengen/Bleckhausen. Mitten im Biotop lässt der angehende Forstwirt Mario Pickan seine Motorsäge aufheulen, zerkleinert Sträucher und Hecken. Andere Männer und Frauen werfen die Äste und Zweige in ein großes Feuer, das sie auf der Wacholderheide am Rabenberg bei Daun-Rengen entfacht haben.
Wird hier etwa ein ökologisch wertvoller Lebensraum zerstört? Das Gegenteil ist der Fall. Überließe man die Heide sich selbst, würden nach und nach andere Pflanzen den Wacholder verdrängen, obwohl der wenig Ansprüche an seinen Standort stellt. "Wo kein Baum mehr wächst, wächst noch der Wacholder", erklärt Gerd Ostermann, Biotopbetreuer im Landkreis Vulkaneifel. Aber: Gegen andere Arten kann er sich kaum durchsetzen.
Dass Wacholderheiden dennoch bis ins 20. Jahrhundert hinein das Landschaftsbild der Eifel prägten, hat zwei Gründe: Der eine sind die kargen Böden, auf denen kaum Getreide angebaut werden konnte, der andere sind die dornigen Nadeln des Zypressengewächses. Schafe und Ziegen, die auf dem mageren Rasen weideten, fraßen alles kahl. Nur den Wacholder verschmähten sie. Früher gab es praktisch in jeder Gemeinde Heideflächen, die oft bis zum Horizont reichten. Heute finden sich im Kreis Vulkaneifel größere Wacholderbestände nur noch in Bleckhausen, Demerath und eben auf der etwa fußballfeldgroßen Fläche am Rabenberg.
Die zwei Dutzend Freiwilligen, die sich auf Einladung des Naturschutzbunds (Nabu) eingefunden haben, um die Heide zu entbuschen, helfen dabei, die Landschaftsform zu erhalten. Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft verschwanden die Heiden. Statt die mühselige Schiffelwirtschaft (siehe Extra) zu betreiben, konnten die Bauern ihre Felder düngen und dauerhaft als Anbaufläche nutzen.
Dass die Heide am Rabenberg erhalten blieb, verdankt sie der Universität Bonn, die von den 1930er Jahren bis 2007 die angrenzenden Flächen für Feldversuche zur Ertragssteigerung nutzte. Die Heide sollte lediglich als Vergleichsobjekt dienen, als Beispiel einer rückständigen Wirtschaftsweise. "So muss man sich die Eifel vor 80 oder 100 Jahren vorstellen", sagt Josef Wagner, Vorsitzender des Naturschutzbunds Daun. Seit das Land Nordrhein-Westfalen das Gelände der Domäne Rengen verkauft hat, ist die Heide in Privatbesitz und wird vom Naturschutzbund ehrenamtlich gepflegt.
Wacholderheiden dienen einigen Pflanzen und Tieren als Lebensraum. Borstgras und Heidekraut sind typisch für saure Böden, am Rabenberg wächst auch die selten gewordene Arnika. Und von den stacheligen Zweigen geschützt bauen Neuntöter gerne ihr Nest. Die Wacholderheide bei Bleckhausen, mit drei Hektar heute die größte im Kreis Vulkaneifel, wurde daher bereits 1937 unter Naturschutz gestellt.
Weil die Heide eine Kulturlandschaft ist, bedarf sie regelmäßiger Pflege. Mit einem einmaligen Arbeitseinsatz ist es nicht getan. "Wichtig ist, dass direkt danach die Beweidung einsetzt", weiß Ostermann. Die Tiere treten die Samen in den Boden und helfen so bei der Verjüngung des Wacholderbestands. Schäfer Hermann Josef Sartoris wird daher künftig häufiger mit seiner Herde am Rabenberg zu sehen sein.
Ein weiterer Arbeitseinsatz ist für Samstag, 22. Oktober, auf der Wacholderheide bei Bleckhausen geplant. Wer mithelfen möchte, kann sich bei Josef Wagner unter Telefon 06573/99836 melden.
Extra
Bei der traditionellen Schiffelwirtschaft in der Eifel wurde vom Weideland eine torfähnliche Schicht mit Schaufeln abgetragen ("abgeschiffelt"), getrocknet und verbrannt. Die Asche diente als Dünger, so dass dort für drei Jahre der Anbau von Roggen, Hafer und Buchweizen möglich wurde. Dann ließ man für 15 bis 20 Jahre auf dem ausgelaugten Boden wieder Schafe und Ziegen weiden. In dieser Zeit siedelten sich Heidepflanzen wie Wacholder an. daj