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Netzwerk will Angebote für Demenzkranke ausweiten

Netzwerk will Angebote für Demenzkranke ausweiten

Für Menschen mit Demenz und deren Angehörige wird derzeit im Landkreis Vulkaneifel ein Netzwerk aufgebaut. Gertrud Simonis vom Fachzentrum Demenz leitet das Projekt. Der Trierische Volksfreund hat ein betroffenes Ehepaar besucht.

Daun/Gerolstein. Gerlinde und Klaus Busch (Namen von der Redaktion geändert) leben in einem schönen, geschmackvoll eingerichteten Bungalow am Rand eines Dorfes im Landkreis Vulkaneifel. Ihre Tochter wohnt mit ihrer Familie im Nachbarkreis, ihr Sohn in einer zwei Stunden entfernten Großstadt.
Gerlinde Busch ist 63. Mit ihren kurzen blonden Haaren sieht sie jugendlich und sportlich aus. Klaus Busch (66) sitzt im Rollstuhl, ist halbseitig gelähmt, nimmt kaum mehr Anteil an seiner Umgebung und seiner Umwelt, und er ist vollkommen auf Hilfe angewiesen.
Immer mehr Fehler im Alltag


Die Diagnose, dass der Verwaltungsangestellte an einer gefäßbedingten Demenz leidet, wurde vor sechs Jahren gestellt. Die Krankheit ist nicht therapierbar und nicht heilbar. Binnen kürzester Zeit wurde Klaus Busch zum Pflegefall. An die ersten Anzeichen erinnert sich seine Frau noch gut.
"Er machte immer mehr Fehler im Alltag", erzählt sie. Stand ratlos vor der Mikrowelle oder dem Fernseher, kleckerte beim Essen, zögerte beim Autofahren, in eine Kreuzung einzufahren, zog sich bei Gesprächen im Familien- und Freundeskreis immer mehr zurück. "Dann ging es Schlag auf Schlag", berichtet Gerlinde Busch über den weiteren Verlauf. Zu Sprach- und Schluckstörungen kam das Unvermögen sich an- und auszuziehen, die Haare zu kämmen, die Zähne zu putzen.
Seit vier Jahren ist Klaus Busch auf Lift und Rollstuhl angewiesen. Den größten Teil der Pflege leistet seine Frau; abends kommt ein ambulanter Pflegedienst hinzu. Die ihm zustehenden 28 Tage Kurzzeitpflege im Jahr werden in mehreren Einheiten in Anspruch genommen.
"Es tut mir gut, jeweils für ein paar Tage auszuspannen", sagt Gerlinde Busch. Sehr wertvoll sei die Tagespflege mit Fahrdienst, die der Katharinenorden und der Caritasverband Westeifel am 1. September in Daun eröffneten (der TV berichtete). Seitdem wird ihr Mann einmal pro Woche dort betreut. Sie ist sehr dankbar, dass Juliane Heck vom Helferkreis Demenz einmal in der Woche für zwei Stunden ins Haus kommt. "Dann kann ich in Ruhe Behördengänge und Einkäufe erledigen", erklärt Gerlinde Busch. Und ihr tut gut, wenn sie sich beim monatlichen Gesprächskreis mit anderen Betroffenen austauschen kann.
Für die Diplom-Sozialpädagogin Gertrud Simonis, die für den Landkreis Vulkaneifel zuständige Fachkraft des Fachzentrums Demenz Eifel-Mosel-Ahr (siehe Extra), sind Gerlinde und Klaus Busch ein typisches Beispiel dafür, wie man Betroffenen und Angehörigen zur Seite stehen kann. Damit dies in Zukunft noch besser gelingt, ist vor kurzem ein regionales Demenz-Netzwerk ins Leben gerufen worden (siehe Hintergrund). bb
Extra

Das Caritas-Fachzentrum Demenz Eifel-Mosel-Ahr hat Anfang des Jahres seine Arbeit aufgenommen, um die Versorgung von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen zu verbessern. Zurzeit gibt es allein in Rheinland-Pfalz etwa 80 000 an Demenz Erkrankte; diese Zahl wird sich nach Prognosen bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln. Das Fachzentrum ist für die Landkreise Vulkaneifel, Ahrweiler und Bernkastel-Wittlich sowie für den Eifelkreis Bitburg-Prüm zuständig; Standorte sind in Gerolstein, Ahrweiler, Wittlich und Bitburg. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird von den Pflegekassen, den Landkreisen, dem Land Rheinland-Pfalz und der Caritas finanziert und von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung unterstützt. Ziel ist die "demenzfreundliche Kommune". bbExtra

30 Vertreter von Institutionen, Diensten und Pflegeanbietern haben Ende Oktober ein regionales Demenz-Netzwerk für den Landkreis Vulkaneifel gegründet. Durch die gleichberechtigte Kooperation der Mitglieder sollen bereits bestehende Angebote besser koordiniert oder neue aufgebaut werden. So sind weitere Angebote im sportlichen, musikalischen und künstlerischen Bereich, aber auch Selbsthilfegruppen für Menschen mit beginnender Demenz und deren Angehörige geplant. bb Das nächste Treffen der Demenz-Netzwerk-Gruppe Vulkaneifel ist am 23. Januar 2013 in Pelm. Kontakt und Info: Gertrud Simonis, Fachzentrum Demenz, Mehrgenerationenhaus, Raderstraße 9, Gerolstein, Telefon 06591/983646, E-Mail: g.simonis@caritas-westeifel.de