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Neuausrichtung für neue Kunden

Neuausrichtung für neue Kunden

Ist der Mountainbike-Trailpark Vulkaneifel zehn Jahre nach dem Start noch attraktiv genug? Wie soll er sich entwickeln? Wie können weitere Crossradler in die Region gelockt werden? Diese Fragen stehen im Zusammenhang mit der aktuellen Neuausschreibung des Auftrags, den Trailpark zu vermarkten und zu betreiben.

Daun/Gerolstein. Drei Jahre lang hat die Tourismus- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (TW) Gerolsteiner Land den Trailpark Vulkaneifel, mit 750 Kilometern ausgeschilderter Strecke eines der größten Mountainbikenetze Deutschlands, vermarktet. Für 2017 ist der Vertrag nicht verlängert worden. TW-Geschäftsführer Hans-Peter Böffgen sagt: "Mitte Juli haben wir das Kündigungsschreiben aus dem Dauner Rathaus erhalten." Eine offizielle Begründung gibt es nicht, bei den Besucherzahlen gibt es eine leichte Steigerung, Böffgen vermutet aber die unterschiedliche Auffassung zu Vermarktungsstrategien als ausschlaggebend. Er sagt: "Wir waren stets ein Verfechter davon, dass wir mit externen Partnern zusammenarbeiten, die Tourenpakete im Trailpark anbieten. Andere wollen aber, dass der Park selbst wieder als Anbieter auftritt." Die Palette reicht von einfachen Ein- oder Mehrtagestouren über Grundlagentechniktraining für Anfänger bis zum Spezialkurs für Cracks. Anbieter ist unter anderen die Organisation MTB-X-Perts um Geschäftsführer Gregor Mainzer.
Werner Klöckner, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daun und Vertreter des größten Anteilseigners des Trailparks Vulkaneifel (siehe Extra), bestätigt die unterschiedliche Sichtweise. Er sagt: "Auch wenn es begrüßenswert ist, dass sich da ein freier Markt entwickelt hat: Ich halte es für überlegenswert, dass die Organisation auch selbst wieder Produkte anbietet." Er spricht aber nicht von einer Kündigung, sondern davon, dass der Vertrag nicht verlängert und nun eben neu ausgeschrieben werde. "Daran kann sich jeder beteiligen." Bis Mitte November soll die Entscheidung über den künftigen Partner gefällt sein.
Zeit, nochmals hinzuschauen


Klöckner meint: "Es ist an der Zeit, dass wir noch mal auf den Trailpark schauen, um zu sehen: Ist da noch eine Entwicklung möglich? Schließlich wollen wir eine der bedeutendsten Mountainbike-Regionen bleiben."
Vor allem im Bereich der Vermarktung über soziale Netzwerke sieht er Nachholbedarf. Daher bringt er auch die Gesundland-Vulkaneifel-Genossenschaft ins Gespräch, "denn dort haben wir auf dem Gebiet social media hohe Kompetenz". Zudem sieht er die Möglichkeit, "hohe Synergieeffekte zu erzielen, wenn wir das Gesundland und den Trailpak zusammen vermarkten. Bislang lief das ja eher parallel". Auf die Frage, ob sich der Trailpark damit weg vom Vulkaneifel-Parcours mit anspruchsvollen, schweißtreibenden und rasanten Strecken bewege und sich hin zu einem Areal für Genussradler entwickele, sagt Klöckner: "Wir brauchen beides und müssen darauf achten, die Abgebote vorzuhalten, die die Kunden wollen. Anspruchsvolle Streckenanteilen gehören natürlich dazu."
Daher sollte seiner Ansicht auch nochmals eine wissenschaftliche Untersuchung in Auftrag gegeben werden - wie zum Start des Trailparks. Damals hatten Leute der Sporthochschule Köln Vorschläge für das Streckennetz erarbeitet, zudem haben Mitarbeiter der Uni Trier Teilnehmer des Vulkanbike-Marathons befragt, wie zufrieden sie mit der Streckenführung und Gästebetreung sind. "Das sollten wir alles mal auf den neuesten Stand bringen, da die ergebnisse zehn Jahre alt sind", sagt Klöckner. Dem müssten aber erst alle Projektpartner zustimmen, "denn so etwas kostet natürlich Geld".
Ruf nach mehr Qualität


Gerade in MTB-Sportler-Kreisen wird bereits seit geraumer Zeit der Wunsch geäußert, das Streckennetz qualitativ zu verbessern - weg von vielen (eintönigen) Kilometern über Wirtschaftswege, hin zu mehr Adrenalin-Trails und Technik-Angeboten wie in der umfunktionierten Lavagrube Koulshore.
Im Rahmen der Neuausschreibung von Betrieb und Vermarktung des Trailparks wird das aber nicht diskutiert. Klöckner: "So weit sind wir noch nicht."
Das gilt auch für einen weiteren Punkt: die Erweiterung des Areals (siehe Hintergrund).
Meinung

Investieren und aufpolieren
Der Trailpark Vulkaneifel setzt seit Jahren Maßstäbe im Mountainbikesport in Deutschland: Und doch ist er kein Selbstläufer! Denn viele andere Regionen buhlen um die steigende Zahl der Mountainbiker - mit modernen Bikeparks und starken Erlebnisrouten. Und dafür wird mächtig investiert, weil das steigende Potenzial der Sportart erkannt wird. Das beste Beispiel ist der geplante MTB-Park am Idarkopf mitten im Naturpark Hunsrück-Hochwald. Im zehnten Jahr des Bestehens ist es daher höchste Zeit, mit zusätzlichen Angeboten die Attraktivität zu steigern, um eine der Top-Adressen für den MTB-Sport in Deutschland zu bleiben. Das Streckennetz sollte um technisch anspruchsvolle Routen (Single-Trails) erweitert, der Technik-Parcours in der Koulshore aufgepeppt und über eine Freeride- oder Downhillstrecke nachgedacht werden. Das kostet Geld, zieht aber wie andernorts vor allem junge Fahrer in Scharen an. Noch lebt der Trailpark Vulkaneifel von seinem Namen, der Glanz der frühen Tage ist aber bereits etwas verblasst. m.huebner@volksfreund.deExtra

Entsprechend der Streckenlänge auf dem jeweiligen Gebiet ist auch der Kostenanteil der beteiligten Projektpartner am Trailpark Vulkaneifel aufgeteilt. VG Daun 49,64 Prozent, VG Gerolstein 5,36 Prozent, VG Kelberg 16,37 Prozent, VG Wittlich-Land (ehemals VG Manderscheid) 17,30 Prozent, VG Ulmen 11,33 Prozent. mhExtra

Auch viele Nachwuchsradler – hier die Eifelrider aus Darscheid – fahren im Trailpark Vulkaneifel. Ziel muss es sein, ihnen ein attraktives Angebot zu schaffen. Damit sie bei der Stange bleiben.Foto: privat Foto: (e_daun )

Laut Bürgermeister Werner Klöckner und TW-Geschäftsführer Hans Peter Böffgen gibt es vonseiten der Vertreter der VG Wittlich-Land den Wunsch, den Trailpark auf ihr Gebiet auszudehnen. Bislang gehört dazu ja nur der Bereich der ehemaligen VG Manderscheid. Bis es soweit ist, dürfte es aber noch dauern. Klöckner weiß: "Die Ausweisung eines Streckennetzes ist eine komplizierte Sache, bei der viele Beteiligte gehört werden müssen." Vor allem mit der Jägerschaft habe es viele intensive Gespräche gegeben - und nicht immer führten die dazu, dass interessante Trails durch den Wald ausgewiesen wurden. Zudem betont Klöckner: "Und die Beschilderung kostet richtig Geld. Ich weiß nicht, ob das so bekannt ist." Für den gesamten Trailpark lagen die Kosten dafür laut Klöckner bei rund 200 000m Euro. mh