Neubaugebiet mitten im Ort: Viel Bewegung in Kelberg - Arzt gesucht, Postdienstleister gefunden, Häuslebauer bereit
Kelberg · Ein Unternehmen für eine neue Postfiliale ist gefunden, ein Arzt wird noch gesucht. Im Neubaugebiet mitten im Dorf werden die ersten Häuser gebaut. Bestehende Firmen expandieren, ein weiterer Betrieb siedelt sich an, ein Fachmarkt hat seine Tore geschlossen. In Kelberg tut sich was.
Kelberg. Wenn Ortsbürgermeister Wilhelm Jonas sagt: "Natürlich haben wir Wünsche und Pläne, aber an erster Stelle stehen die Dinge, die notwendig und finanzierbar sind", hat er den Haushalt der 2200-Einwohner-Gemeinde Kelberg im Blick. Für das laufende Jahr geht der 55-Jährige, der seit Ende 2007 Ortsbürgermeister ist, von 1,4 Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen aus. 2,5 Millionen Euro waren es noch 2013 gewesen. Weil weniger Gewerbesteuer floss, auch weil einzelne Unternehmen große Investitionen tätigten, musste Kelberg vergangenes Jahr 800 000 Euro aus den Rücklagen entnehmen.
Die Firma Rowa-CareFusion als weltweit tätige Firma für Apothekeneinrichtungen ist weiter auf Erfolgskurs. Nach der kürzlich erfolgten Übernahme durch einen amerikanischen Konzern (der TV berichtete) ist in Kelberg eine massive Erweiterung geplant.
Der Betrieb soll um das Doppelte vergrößert werden. Das dürfte neue Jobs, aber zunächst weniger Gewerbesteuereinnahmen bringen. Die erforderlichen Flächen hatte sich die Ortsgemeinde bereits 2008 gesichert.
Expandiert wird auch im Industriegebiet Obere Steinrausch. Zwar war nach dem Brand mehrerer Hallen Ende 2013 eine Firma nach Nerdlen abgewandert; doch eine weitere Firma baute an Ort und Stelle eine neue Halle. Positiv verlaufe die Entwicklung des dort ansässigen Internethandels - "50 Mitarbeiter, und die vierte Halle ist im Bau", berichtet Jonas. Von den 20 000 Quadratmetern der Unteren Steinrausch seien 8000 an einen Unternehmer verkauft, der zudem eine Option auf weitere 6000 Quadratmeter angemeldet habe.
Als Beitrag zur Dorfinnenentwicklung hat Kelberg ein Neubaugebiet mitten im Ort ausgewiesen. In dem Dreieck von Vinzentiusstraße, Marienweg und Dauner Straße entstehen zurzeit die ersten beiden von 13 möglichen Wohnhäusern sowie eine Baustraße, die nach dem früheren Pfarrer Josef Ockenfels benannt ist.Suche nach Blindgängern
Für Aufmerksamkeit sorgt dort die Fachfirma, die das Gelände nach Blindgängern und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg absucht. "Es gab bisher 14 Anschläge der Suchgeräte, aber es war kein einziges gefährliches Fundstück dabei", erklärt Jonas. Die Josef-Ockenfels-Straße grenzt an ein seit fast zwei Jahrzehnten leer stehendes Areal in der Ortsmitte. Hier gehören die Hotelpläne laut Jonas endgültig der Vergangenheit an. Stattdessen gäbe es Überlegungen für ein Projekt, das altengerechtes Wohnen ermöglichen soll.
Einer der drei niedergelassenen Ärzte Kelbergs ist am 31. März in den Ruhestand gegangen. Einen Nachfolger gibt es bisher noch nicht. "Wir beteiligen uns an der Aktion ,Ort sucht Arzt' der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz", erklärt Jonas.
Seit dem 1. Mai stand Kelberg im Zuge der Insolvenz und Schließung des Fachmarkts Haubrichs ohne Postfiliale da. "Die Bemühungen der Post haben sich sehr in Grenzen gehalten", ärgert sich Jonas. Doch am 1. Juli wurde in der Star-Tankstelle in der Dauner Straße wieder eine Filiale eröffnet, was maßgeblich dem Einsatz von Verbandsgemeinde-Bürgermeister Karl Häfner zu verdanken sei.
Und schließlich appelliert der Ortsbürgermeister an die Bewohner Kelbergs, in den heimischen Geschäften zu kaufen und die ortsansässige Gastronomie rege zu besuchen. Jonas sagt: "Sonst machen noch mehr die Schotten dicht."Meinung
Appell beherzigen!
Nach der Pleitenserie am nahe gelegenen Nürburgring, der die Großgemeinde seit jeher stark beeinflusst hat, haben die Kelberger ihr über Jahre verfolgtes Hotelprojekt endgültig zu den Akten gelegt. Eine gute Entscheidung. Das Areal, das nun für Einfamilienhäuser und eventuell altengerechtes Wohnen erschlossen wird, ist ein Filetstück. Läuft es bei Rowa & Co weiter so gut, dürften die Baustellen rasch verkauft sein, was sich wiederum positiv auf den Ort auswirken wird. Dennoch bedarf es der Anstrengung aller - Politiker, Geschäftsleute, Bürger -, den Ort attraktiv zu halten. In Sachen Post ist das gelungen. Bezüglich der Arztnachfolge bedarf es weiterer Anstrengungen. Und den Appell des Ortsbürgermeisters sollte jeder Kelberger beherzigen. m.huebner@volksfreund.de