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Neue Hochbrücke: Händler sind in Sorge

Neue Hochbrücke: Händler sind in Sorge

Der Baustart soll zwar erst in fünf Jahren sein, doch schon jetzt haben die Gerolsteiner Geschäftsleute Angst vor dem Neubau der Hochbrücke. Denn der bedeutet, dass die Hauptverkehrsader der Brunnenstadt, die B 410, gekappt wird. Die Händler befürchten massiven Kundenschwund und Umsatzeinbrüche und fordern, die Sperrung auf wenige Monate zu begrenzen.

Gerolstein. Ein Gespenst geht um in Gerolstein - das Gespenst des Hochbrückenneubaus. "Zwölf Monate sind besser als 18, sechs Monate besser als zwölf. Die Sperrung der Bundesstraße muss auf ein Mindestmaß reduziert werden." Mit diesen Worten bringt Hans-Hermann Grewe, Vorsitzender des Gewerbevereins Gerolstein, die Forderung der Gerolsteiner Händler in Sachen Hochbrückenneubau auf den Punkt. Stellvertreterin Gerlinde Blaumeiser, die in der Hauptstraße Schuh-, Sport- und Bekleidungsgeschäfte führt, fügt hinzu: "Die Baumaßnahme wird die Existenz vieler Betriebe gefährden, daher ist eine möglichst kurze Sperrung der Bundesstraße das A und O. Die Gesamtbauzeit fürs Projekt ist nachrangig."
Die Experten des Landbetriebs Mobilität (LBM) in Gerolstein hatten den Abriss der alten und den Bau einer neuen Hochbrücken im Oktober im neuen Stadtrat und danach in einer Bürgerversammlung vorgestellt. Dabei gingen sie grob von drei Jahren Gesamtbauzeit und einer anderthalbjährigen Sperrung der Bundesstraße aus. LBM-Chef Harald Enders hatte aber auch gesagt, dass einer möglichst kurzen Sperrung hohe Bedeutung beigemessen und ein dementsprechendes Bauverfahren ausgewählt würde. Er sagte: "Wenn das Vorhaben eine Million mehr kostet, dafür aber deutlich schneller vonstatten geht, dann machen wir es so."
Auch der Stadtrat hatte angeregt, die Sperrung der Bundesstraße auf maximal ein Jahr zu begrenzen. Für die Brückenbauexperten ist das aber eher eine "Wunschvorstellung", für den Gewerbevereinschef hingegen ist auch dies noch immer deutlich zu lange: "Das halten wir nicht durch." Die Befürchtung haben viele Händler. "Ich werde fast täglich auf das Projekt angesprochen", sagt Grewe, "es herrscht pure Angst!".
Gerade erst hätten sich die Gerolsteiner Gewerbetreibenden von den drei großen Straßenbauprojekten in der Brunnenstadt in jüngster Vergangenheit erholt: dem Ausbau der Einkaufsmeile Sarresdorfer Straße 2007/2008, der Erneuerung der Raderstraße 2010/2011 sowie dem Ausbau der Hauptstraße 2010 bis Ende 2011 sowie 2013. Und nun fürchten sie neues Ungemach durch das Brückenprojekt, mit dem auch die kürzeste Verbindung der Innenstadt zur der Sarresdorfer Straße gekappt wird.
Gerlinde Blaumeiser weiß aus Erfahrung: "Es braucht lange, um Kunden, die sich beispielsweise wegen Verkehrsproblemen umorientiert haben, wieder zurückzugewinnen." Hinzu komme, dass der Einzelhandel ohnehin unter der Internetkonkurrenz leide.
Gerolsteins Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) vertraut auf den LBM als Bauherrn, das Projekt zügig durchzuziehen.
Und er sagt den Händlern die Unterstützung der Stadt zu (siehe Drei Fragen an). Er betont aber auch: "Klar ist: Reibungslos geht so ein Großprojekt nicht über die Bühne."Extra

Die Kosten für den Neubau werden mit gut fünf Millionen Euro beziffert. Die Verteilung ist laut LBM-Chef so geregelt. "Grundsätzlich bezahlt der Bund die gesamte Maßnahme, nur wo die Stadt breitere Gehwege als üblich wünscht und wo ihre Gehwege im Zuge des Umbaus erneuert werden, muss sie sich beteiligen." mhExtra

… Gerolsteins Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) Wissen Sie um die Sorgen und Ängste der Geschäftsleute wegen des bevorstehenden Hochbrückenneubaus und der damit verbundenen Sperrung der B 410? Bongartz: Natürlich, und das berührt mich auch sehr stark. Nicht zuletzt deswegen habe ich die erste Bürgerversammlung in meiner Amtszeit diesem Thema gewidmet. Was ist für Sie bei diesem Projekt am wichtigsten? Bongartz: Für mich ist eine kurze Bauzeit mit einer möglichst kurzen Sperrung der Bundesstraße das Wichtigste. Wenn wir bei einer Gesamtbauzeit von drei Jahren mit einem Jahr Brückensperrung hinkommen würden, wäre ich sehr zufrieden. Was kann die Stadt tun, um die Gewerbetreibenden zu unterstützen? Bongartz: Wir werden alle Register ziehen, um den Gewerbetreibenden zu helfen. Ich denke Sonderaktionen, Ausstellungen, kleinere Konzerte, besondere Werbemaßnahmen, Bustransfers oder Boni für den Einkauf - also Dinge, die die Stadt noch etwas bunter machen, damit die Leute noch lieber nach Gerolstein kommen - trotz der Verkehrsprobleme. Da werden wir die TW beauftragen, gute Ideen umzusetzen. mh