Neue Hoffnung auf schnelle Leitung

Telekom wieder gesprächsbereit: Noch Mitte des Jahres hatte der Konzern sein Angebot, Darscheid, Kradenbach und Hörscheid mit DSL zu versorgen, komplett zurückgezogen. Nun aber bietet er neue Verhandlungen an.

Neue Hoffnung auf schnelle Leitung
Foto: Stefan Sartoris

Darscheid. Freude, Ärger, Hoffnung: Ein Wechselbad der Gefühle hat Manfred Thönnes, der gerade seine dritte Amtszeit als Ortsbürgermeister von Darscheid angetreten hat, in den vergangenen Monaten durchlebt.

Hintergrund: Über Jahre war die Gemeinde auf der Suche nach einem Partner, der eine DSL-Versorgung via Kabel für das 850-Einwohner-Dorf einrichten sollte. Zwar gab es Internet über Funk, aber laut Thönnes habe man sich stets um eine "kabelgebundene Anbindung als die von der Gemeinde bevorzugte Variante" bemüht.

Mit der Deutschen Telekom AG war endlich ein Partner gefunden, erste Verhandlungen mit ihr gestalteten sich angesichts deren Kostenvorstellungen aber schwierig. Freude kam bei Thönnes erst auf, als die Telekom die Summe, die die Einrichtung des schnellen Internetzugangs kosten sollte, deutlich reduzierte. Eine Vereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Konzern war im Frühjahr bis auf einige Details unterschriftsreif. Dann aber die Kehrtwende, die bei Thönnes für Ärger sorgte: Mitte des Jahres teilte die Telekom mit, dass sie vom Vertragsangebot zurücktrete.

"Das war natürlich ein Schlag für uns. Ein Ort wie Darscheid braucht einfach DSL. Leute, die sich hier niederlassen wollen, fragen heute immer nach einer Internetanbindung. Das ist längst ein wichtiger Standortfaktor", erläutert der Ortsbürgermeister.

Vor einigen Tagen dann eine erneute Wendung: Die Telekom hat ihre kategorische Haltung revidiert und Darscheid neue Verhandlungen angeboten.

Thönnes hat nun neue Hoffnung auf eine schnelle Leitung, die von Rengen aus nach Darscheid gezogen werden soll: "Der Bedarf ist auf jeden Fall da. Ich habe im Rahmen der Verhandlungen mit der Telekom eine Abfrage im Dorf gemacht, dabei haben 170 von knapp über 300 Haushalte Interesse bekundet."

Bei den erneuten Verhandlungen geht es auch wieder um die finanzielle Belastung, die auf die Gemeinde zukommt. "Die Telekom hat eine Summe von rund 50 000 Euro genannt, die der Anschluss kosten soll. Für Neuanschlüsse oder Haushalte, die aufrüsten, sollen wir eine Prämie bekommen. Ich hoffe, dass dabei am Ende ein Betrag herauskommt, der für die Gemeinde vertretbar ist."

Nicht nur Darscheid könnte vom Sinneswandel der Telekom profitieren, auch für Kradenbach und Hörscheid besteht wieder Aussicht auf DSL-Versorgung.

Meinung

Nicht die feine Art

Das war definitiv nicht die feine Art, wie die Telekom mit der Gemeinde Darscheid umgesprungen ist. Es geht nicht an, dass ein Weltkonzern ein von ihm selbst unterbreitetes Angebot komplett zurückzieht und den Ort im Regen stehen lässt. Gut, dass die Telekom von sich wieder Verhandlungsbereitschaft signalisiert hat. War es Lernfähigkeit? War es Vernunft? Letztlich ist aber auch egal, warum nun doch wieder miteinander gesprochen wird. Wichtig ist nur, dass Darscheid am Ende DSL bekommt. s.sartoris@volksfreund.de